Logo
Aktuell Start-Up

Alles für die Füße: Tübinger Firma Treazy wächst rasant

Das Tübinger Socken-Start-up ist voll auf Expansionskurs. Obwohl sich der Umsatz in den vergangenen zwei Jahren jeweils verdreifacht hat, leben die beiden Gründer keineswegs auf großem Fuß.

Denis Petitjean (links) und David Nau sind von den Socken.
Denis Petitjean (links) und David Nau sind von den Socken. Foto: Pieth
Denis Petitjean (links) und David Nau sind von den Socken.
Foto: Pieth

TÜBINGEN. Man kann es nicht anders sagen: Es läuft für die »Sockenjungs« von der Treazy GmbH aus Tübingen. Es ist gerade einmal eineinhalb Jahre her, dass sich die Gründer David Nau und Denis Petitjean voll und ganz auf ihre Mission konzentriert haben, die »besten Socken der Welt« zu vermarkten. Ihre sicheren Jobs bei einer Bank und einem Getränkehersteller haben die beiden aufgegeben, um den stets löchrigen Billigprodukten aus Fernost den Kampf anzusagen. Die Socken von Treazy werden nach dem höchten Textilstandard GOTS in einer familiengeführten Manufaktur in Portugal gefertigt und punkten gegenüber der schnell verschlissenen Massenware durch verstärkte Fersen und Sohlen sowie Lüftungskanäle gegen Schweißfüße.

»Noch finanzieren wir alles ganz schwäbisch und bodenständig aus dem eigenen Cashflow heraus«

Und die Kunden stehen drauf - und das nicht nur wortwörtlich. Setzten die beiden Gründer 2023, damals noch im Nebenerwerb, etwa 120.000 Euro um, standen im vergangenen Jahr bereits 360.000 Euro in den Büchern. Für 2025 rechnet Nau damit, dass der Umsatz die Million-Marke knacken wird. "Wenn alles gutgeht, können wir das im kommenden Jahr nochmal verdreifachen." Darum stehen die Zeichen derzeit auf Expansion. »Noch finanzieren wir alles ganz schwäbisch und bodenständig aus dem eigenen Cashflow heraus«, sagt Petitjean. Trotzdem mussten sich die beiden bereits einen größeren Vertriebspartner in Gießen suchen. Seit etwa zwei Wochen sei Treazy nun auch auf dem österreichischen Markt vertreten und auch die Schweiz nehmen die beiden Jungunternehmer in den Blick.

Um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden, wird nun auch der erste Arbeitsplatz geschaffen, der die beiden Gründer sowie zwei Werksstudentinnen entlasten soll. Für die seit Kurzem ausgeschriebene Stelle der Teamassistenz gäbe es bereits zahlreiche Bewerber, freut sich Petitjean.

»Wir wären jetzt auch an einem Punkt in unserer Entwicklung, an dem wir einem Investoren gegenüber nicht abgeneigt wären«

»Wir wären jetzt auch an einem Punkt in unserer Entwicklung, an dem wir einem Investor gegenüber nicht abgeneigt wären«, sagt Nau. Der extrem stabile Markt für Socken- und Strumpfwaren hat immerhin einen beträchtlichen Umfang von 2,7 Milliarden Euro, alleine in Deutschland. Da gäbe es also noch so einiges an Marktanteilen zu erringen, finden die Gründer. Klar sei aber, dass man auf jeden Fall Mehrheitseigentümer bleiben wolle.

Das Erfolgsrezept von Treazy sei die Nähe zum Kunden, erklärt Petitjean. »Wir hören auf Signale.« Die treue Kundschaft des Onlinestores zeigt sich überaus auskunftsfreudig, bei Kundenbefragungen gäbe es Rücklaufquoten von teils 70 Prozent. Und sie hält auch nicht mit ihren Wünschen und Anregungen hinter dem Berg.

»Fokus, Fokus, Fokus«

So wurde auch der Wunsch geäußert Treazy - eine Wortschöpfung aus Tree (engl. für Baum) und easy (engl. für leicht) - möge etwas für den Schutz des deutschen Waldes tun und nicht nur in anderen Ecken der Welt Bäume pflanzen. »Für jede Bestellung wird ein Baum gepflanzt«, verspricht das Unternehmen. Mittlerweile finanziere Treazy den Schutz von 9.000 Quadratmetern Wald bei Marburg für die nächsten 20 Jahre.

Ebenfalls auf Kundenwunsch habe Treazy das Sortiment erfolgreich um ein weiteres Modell irgendwo zwischen Tennis- und Sneakersocke erweitert. Neben Schwarz und Weiß gibt es nun alle Modelle auch in Grau. Immerhin in der Sockenschublade tritt also jemand der zunehmenden Polarisierung entgegen. Expandieren wolle man aber nicht über eine ausufernde Produktpalette. »Fokus, Fokus, Fokus«, das sei die Devise von Treazy, sagt Nau. Sonst könne es viel zu leicht passieren, dass man sich verzettelt.

Sich nicht verzettelt, aber ein wenig experimentiert haben die beiden Gründer, als sie im vergangenen Jahr einen Sneaker aus Apfeltrester auf den Markt gebracht haben. »Wir kannten das Material, das als Abfall bei der Apfelverarbeitung anfällt, von Möbeln oder Geldbeuteln«, sagt Petitjean. Aber bei Schuhen habe es kaum nachhaltige Alternativen zu Leder oder Kunststoff gegeben. Über Crowdfunding finanzierten sie das Projekt, das von einer Manufaktur in der Nähe ihres Sockenlieferanten bei Porto realisiert wurde.

»Wir versuchen gerade, Socken unterm Weihnachtsbaum wieder sexy zu machen«

Beim Crowdfunding gehen die Kunden in Vorleistung und ermöglichen so die Produktion. Die ersten 250 mutigen Kunden hätten etwa vier Monate geduldig auf ihre Apfelsneaker gewartet. »Aber am Ende waren die allermeisten sehr zufrieden.« Im ganzen hat Treazy etwa 500 Paar davon verkauft. »Vom Umsatz her fallen sie kaum ins Gewicht«, meint Nau. Aber immerhin einen zweiten Platz beim SWT-Umweltpreis 2024 hat ihnen die Idee gebracht.

Ein neuer Bereich, den sich Petitjean und Nau gerade versuchen zu erschließen, ist das B2B-Geschäft. Die Idee sei, personalisierte Kleinserien für Firmenkunden anzubieten, beispielsweise als kleine Präsente für Mitarbeiter oder Kunden. Um derart kleine Stückzahlen wirtschaftlich anbieten zu können, werden die Socken blanko aus Portugal geliefert und dann anschließend in Deutschland individuell bestickt. Der Zeitpunkt dafür ist sicherlich günstig, obwohl Socken unter dem Weihnachtsbaum ja irgendwie in Verruf geraten sind. »Aber wir versuchen gerade, das wieder sexy zu machen«, lachen die Treazy-Sockenjungs. (GEA)