Logo
Aktuell Wärmeplanung

Wärmenetz nur in der Kerngemeinde Gomadingen möglich

Experten der Klimaschutzagentur gehen im Gomadinger Gemeinderat auf die Potenzialanalyse ein

In Gomadingen, wo viele Häuser bereits eine PV-Anlage haben, und den Ortsteilen – im Hintergrund ist Steingebronn zu sehen – gib
In Gomadingen, wo viele Häuser bereits eine PV-Anlage haben, und den Ortsteilen – im Hintergrund ist Steingebronn zu sehen – gibt es aktuell 845 beheizte Gebäude, die zu 94 Prozent zu Wohnzwecken genutzt werden. FOTO: LENK
In Gomadingen, wo viele Häuser bereits eine PV-Anlage haben, und den Ortsteilen – im Hintergrund ist Steingebronn zu sehen – gibt es aktuell 845 beheizte Gebäude, die zu 94 Prozent zu Wohnzwecken genutzt werden. FOTO: LENK

GOMADINGEN. In der Gesamtgemeinde Gomadingen mit Dapfen, Steingebronn, Marbach, Offenhausen und Wasserstetten wird die Wärmewende in Wohngebäuden in erster Linie mit Photovoltaik stattfinden. Der Aufwand auf dem Dach oder auf dem Balkon ist überschaubar. Wer sich eine Wärmepumpe zulegt, muss sich meistens auch über eine Gebäudesanierung Gedanken machen. Von Gomadingen einmal abgesehen, gibt es in der 2.300 Einwohner zählenden Kommune in den Ortsteilen nur wenig Potenzial für eigene Wärmenetze. So das abschließende Fazit der von der Gemeinde beauftragten Klimaschutzagentur Reutlingen, die die Ergebnisse im Gemeinderat vorgestellt hat.

Viele alte Gebäude

Das Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetz Baden-Württemberg sieht vor, dass die Kommunen bis zum Jahr 2040 nettotreibhausgasneutral sein müssen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss jede Stadt und jede Gemeinde bis Mitte 2028 eine Wärmeplanung vorlegen. Die Gomadinger Verwaltung hat somit ihre Hausaufgabe jetzt erfüllt.

Die in den vergangenen Monaten durchgeführte Bestands- und Potenzialanalyse stellten in der Ratssitzung Konrad Saalmüller, Abrahim Dold und Simon Hummler vor. Sie nahmen Bezug auf ihre vorangegangene Präsentation, nach der »wenig Anfragen und Anregungen« von der Bevölkerung eingegangen seien. Die drei Experten erinnerten daran, dass es aktuell 845 beheizte Gebäude in der Gesamtgemeinde gibt, die zu 94 Prozent zu Wohnzwecken genutzt werden. Sie lobten, dass die Zahl der privaten PV-Anlagen seit den 2020er-Jahren stark zugenommen hat.

Die Gebäude in der Gemeinde sind älter als im Landesdurchschnitt. Rund 66 Prozent wurden vor 1978 gebaut, ein Drittel davon vor 1919. Aufgefallen sind Ölheizungen und Scheitholzöfen, »die oft sehr alt sind«. Aber auch Zentralheizungen sind in Gomadingen älter als im Landesdurchschnitt. Zudem gibt es Nachtspeicheröfen, die in der Regel 30 Jahre alt sind. Etwa 65 Prozent des Wärmebedarfs werde noch fossil mit Heizöl oder Flüssiggas erzeugt.

Den größten Nutzen für den Weg der Treibhausgasneutralität leistet der Heizungsaustausch. »Werden alle fossilen Heizungen bis 2040 durch eine erneuerbare Variante ersetzt, lassen sich die Emissionen um etwa 91 Prozent reduzieren«, sagte Hummel. Die 366 Haushalte mit Ölheizungen verursachen drei Viertel der Emissionen der Gemeinde. Um das gesteckte Ziel zu erreichen, müssten pro Jahr 24 Öl- und acht Flüssiggasheizungen getauscht werden, rechneten die Referenten vor.

Etwa 54 Prozent der Markungsfläche besteht aus Wald. Die Menge, die für die energetische Nutzung vorgesehen ist, sei jedoch begrenzt. Holz als erneuerbarer Energieträger werde schon jetzt von vielen Gomadingern genutzt.

Neue Leitungen denkbar

Die drei Experten räumten ein, dass nur in der Kerngemeinde Gomadingen die Möglichkeit für ein Wärmenetz bestehe. Sie erinnerten an die Hackschnitzelanlage, die unter anderem die Schule, die Gemeindehalle, den Kindergarten sowie den Jugendklub mit Wärme versorgt. Mit neuen Leitungen könnte man Privathaushalte, das ehemalige Feriendorf und öffentliche Gebäude wie das Rathaus, den Bahnhof und das Feuerwehrmagazin anschließen. Die Vorteile liegen auf der Hand: niedrigere Investitionskosten als für eine eigene Heizung sowie weniger Platzbedarf, da weder Anlage noch Warmwasserspeicher gebraucht werden.

Abschließend regte die Klimaschutzagentur Reutlingen an, in den nächsten Jahren Informationsveranstaltungen im Ort zu organisieren, um die Bevölkerung für den Klimawandel zu sensibilisieren. Man könnte dann auch über Sammelbestellungen von Anlagen nachdenken, um Mengenrabatt zu erhalten. Kostenlose Hilfe und Informationen gibt es für die Gomadinger Bürger auch auf der Homepage der Klimachutzagentur. (GEA)

 

www.klimaschutzagentur- reutlingen.de/kwp-gomadingen