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Trotz hoher Kosten: Nachbarschaftshilfe Sonnenbühl gibt nicht auf

Die Nachbarschaftshilfe Sonnenbühl zieht die Reißleine und kann Leistungen nicht mehr erbringen. Mitgliederversammlung im Erpfinger »Haus des Gastes«.

Vereinsvorstand Rüdiger Herrmann dankte Claudia Bunke für ihre mehr als ein Dutzend Jahre als Einsatzleiterin für die Nachbarsch
Vereinsvorstand Rüdiger Herrmann dankte Claudia Bunke für ihre mehr als ein Dutzend Jahre als Einsatzleiterin für die Nachbarschaftshilfe Sonnenbühl. Foto: Norbert Leister
Vereinsvorstand Rüdiger Herrmann dankte Claudia Bunke für ihre mehr als ein Dutzend Jahre als Einsatzleiterin für die Nachbarschaftshilfe Sonnenbühl.
Foto: Norbert Leister

SONNENBÜHL. Im Erpfinger »Haus des Gastes« tagte am Dienstagabend der Verein der Nachbarschaftshilfe Sonnenbühl. »Mehr als 20 Mitglieder waren noch nie bei der Mitgliederversammlung – nur als der Kassier mit der Kasse abgehauen war«, sagte Rüdiger Herrmann und lachte. So kriminell ging es am Dienstag nicht zu – aber lustig eben auch nicht. Rund 15 Mitglieder waren an diesem Abend gekommen.

In den zurückliegenden vier Jahren habe der Vereinsvorstand der Nachbarschaftshilfe alles versucht, damit die Helferinnen die pflege-ergänzenden Leistungen weiter erbringen konnten, schilderte Herrmann. Nun sah sich der Vorstand gezwungen, die Reißleine zu ziehen. Der Grund: »Vor vier Jahren haben sich die gesetzlichen Bestimmungen geändert, wir sind hier in Sonnenbühl ein Sonderfall, wir haben fast 20 Frauen, die nicht als Pflegefachkräfte, aber hoch qualifiziert, die Leistungen erbracht haben«, betonte Herrmann.

Tätigkeit mit viel Idealismus

Die Frauen sollten nach dem neuen Gesetz Tariflohn erhalten. »Das konnte der Verein nicht leisten«, sagte auch Einsatzleiterin Claudia Bunke. Die Helferinnen seien stets über dem Mindestlohn bezahlt worden, trotzdem habe zu der Tätigkeit immer »viel Idealismus dazugehört«, so Herrmann. Wenn es rein ums Geld gegangen wäre, hätten sich die Frauen mit Sicherheit andere Tätigkeiten gesucht.

Durch das Gesetz sind die Kosten für den Verein drastisch gestiegen. Um entgegenzusteuern, hatte der Verein die Mitgliedsbeiträge erhöht, genauso wie die Gebühren für die erbrachten Leistungen. »Dadurch sind schon einige Kunden abgesprungen.« Nun hatte Bunke zum Ende des Jahres gekündigt.

Ehrenamtlich werde die examinierte Altenpflegerin sich auch weiter einbringen – aber eben nicht mehr hauptamtlich. »Wir haben für fast alle Kunden, die uns noch verblieben sind, eine Lösung gefunden«, erklärte Herrmann. Die meisten würden nun direkt mit den Helferinnen abrechnen, nicht mehr über den Verein. Dabei entstehen aber ganz andere Fragen, zum Beispiel versicherungsrechtliche. »Wir werden uns erkundigen und die Helferinnen Anfang des Jahres informieren«, so der Vereinsvorstand. »Wir wollen sie ja schützen.«

Die wichtigste Nachricht des Abends lautete aber: »Der Verein wird nicht aufgelöst, wir machen weiter«, betonte Herrmann. Andere Möglichkeiten könnten (und werden) sich ergeben, so der Vereinsvorsitzende: »Der Kopf ist rund, damit die Gedanken die Richtung wechseln können.« Kreative Ideen seien nun gefragt, in Richtung Hospiz etwa. Oder hinsichtlich der Beratung von Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen.

Kein »Sonnenbühler Modell«

Sehr bedauerlich sei, dass »der Verein nun die Bremse ziehen musste«, betonte Bürgermeister Uwe Morgenstern am Dienstagabend. Bedauerlich empfand Herrmann, dass die Versuche, über die Politik Hilfe zu erhalten, gescheitert waren. »Wir haben mit unseren Landtagsabgeordneten gesprochen, sie haben versucht, zu helfen.« Doch auf eine Ausnahmeentscheidung mit einem »Sonnenbühler Modell« habe sich die Politik nicht einlassen wollen.

Ein stabiler Mitgliederstand sei nun notwendig, um neue Ideen umsetzen zu können. »Wir haben ja mal mit 780 Mitgliedern angefangen, jetzt sind wir bei 447«, legte Schatzmeister Willi Herrmann dar. Der Haushaltsentwurf für das Jahr 2026 wurde mit deutlich kleineren Zahlen auf- und vorgestellt – weil ja die Dienstleistungen darin nicht mehr auftauchen. »Wir werden das kommende Jahr wohl mit einem Plus von 3.000 Euro abschließen können«, so Willi Herrmann. Der Grundstein für einen Neuanfang sei somit gegeben.

Das Jahr 2024 endete hingegen mit einem Minus von annähernd 5.000 Euro. So hätte es nicht weitergehen können, hob Rüdiger Herrmann hervor. Denn das Polster der vergangenen Jahrzehnte sei fast aufgebraucht. »Positiv ist, dass der Verein weiter besteht. Jetzt erfolgt ein harter Schnitt, aber das Potenzial für eine neue Entwicklung ist da«, resümierte Morgenstern. (GEA)