TROCHTELFINGEN. »Mit Bauchweh« stimmten einige Gemeinderäte am Dienstagabend einem Großprojekt zu, das einen langen Anlauf genommen hat: Die Rede ist von der Abwasserdruckleitung Haid mit einem Kostenvolumen von 2,2 Millionen Euro nach Abzug der Fördermittel.
Ronny Roßberg, Leiter des Stadtbauamts, dröselte die Historie nochmals minutiös auf, die 1997 ihren Anfang mit dem Anschluss des Wohngebiets »Am Hühnerbühl« nahm. Die Anwesen auf der Haid werden noch über alte, geschlossene Schmutzwassersammelgruben entwässert. Diese Entleerung macht jeder Hof selbst. Dieser »unhaltbare Zustand« soll nun, so Roßberg, mittels eines umfangreichen Druckentwässerungssystems (DES) beendet werden. Außerdem müsse die rund einhundert Jahre alte Wasserleitung auf der Trochtelfinger Gemarkung Haid erneuert werden.
Handlungsbedarf besteht
Mit der Zusage für eine Förderung von 1,142 Millionen Euro durch das Regierungspräsidium im vergangenen Juni kam Schwung in das Projekt. Nach einer Infoveranstaltung im Juli 2024 und einer Gesamtbetrachtung im Herbst, folgte der Antrag auf Verschiebung der Baumaßnahme um ein Jahr, bis der Boden untersucht, Luftbilder ausgewertet und ein Vororttermin mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst wegen gewisser Verdachtsfälle aus den Luftbildern geklärt waren.
Jetzt, so Bürgermeisterin Katja Fischer, bestehe allerdings Handlungsbedarf, denn vom Regierungspräsidium kam die klare Ansage, dass eine weitere Verschiebung nicht mehr möglich sei, ansonsten verliere die Gemeinde den Zuschuss. Als weiteren Wermutstropfen bezeichnete sie, dass durch den Bau die Wasser- und Abwassergebühr steigen werden.
Gemeinderat Martin Tschöpe lobte, dass nun die Fakten endlich auf dem Tisch liegen. Er hält die Zustände auf der Haid für nicht mehr tragbar und die Gemeinde in der Pflicht, und natürlich plädierte er dafür, die Wasserleitung gleich mit zu verlegen. Andreas Brunner pflichtete ihm bei, zumal sonst die Gefahr bestehe, dass der Zuschuss von 71 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben verloren gehe. »Wir müssen jetzt ins Tun kommen.«
Frank Schröder konnte sein Bauchweh wegen der Kosten nicht verhehlen, zumal die Entscheidungen dazu von anderen Ratsmitgliedern gefällt worden seien. Volker Heinzelmann ließ sich von Wassermeister Gerhard Braun die Vorteile des duktilen Gussrohrs gegenüber dem rund 120.000 Euro günstigeren Kunststoffrohr erläutern. »Auf lange Sicht ist das duktile Gussrohr besser«, so Braun.
Henry Werz sprach sich ebenfalls für das duktile Gussrohr aus. Er vertrat die Auffassung, dass der Anschluss der Haid an das DES nicht unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden dürfe: »Die Haid hat Kultstatus und ist ein Bestandteil von Trochtelfingen.« Armin Zeiler wollte wissen, wie das Projekt angesichts des nicht gerade rosigen Haushalts gestemmt werden soll. Er votierte für eine Kreditaufnahme. Für Daniel Stiefel sind Ausgaben von 2,2 Millionen Euro für 22 Haushalte auf der Haid zu viel. »Und dies bei unserer Haushaltslage.« Er werde deshalb nicht zustimmen.
Vergabe bis Ende Februar
Laut Katja Fischer sind die Kosten für die Familien auf der Haid unterschiedlich. Die Schätzung liege zwischen 4.000 und 19.000 Euro. Hinzu kämen Baunebenkosten von 15 Prozent. Mit einer Gegenstimme genehmigte das Gremium schließlich das Großprojekt auf der Haid. Der weitere Verlauf ist nun vorgegeben: Bis zum 28. Februar 2026 muss die Vergabe erfolgt und spätestens bis zum 30. Juni 2027 der Bau abgeschlossen sein. (GEA)

