TROCHTELFINGEN. Der Sitzungsort des Gemeinderats war passend gewählt: Das Gremium tagte im Feuerwehrgerätehaus, schließlich ging es am Dienstagabend schwerpunktmäßig um die Trochtelfinger Feuerwehr. Im Mittelpunkt stand die Fortschreibung der Bedarfsplanung für die Jahre 2026 bis 2033. Kein Wunder, dass in den Zuschauerreihen kein Platz unbesetzt blieb, waren die Wehrleute doch in großer Zahl vertreten. Bürgermeisterin Katja Fischer begrüßte zunächst Ralf Hohloch, ehemaliger Stadtdirektor der Feuerwehr Freiburg, der die Fortschreibung erneut ausgearbeitet hatte. Der Plan gebe »Orientierung, ist aber nicht in Stein gemeißelt«, erklärte Fischer. Der Feuerwehrbedarfsplan enthält nach den Worten Hohlochs wesentliche Angaben für die Beschreibung der feuerwehrtechnisch relevanten örtlichen Verhältnisse (Gefährdungsanalyse) und bildet die Grundlage für die Aufstellung und Ausrüstung einer für einen geordneten Lösch- und Rettungseinsatz erforderlichen leistungsfähigen Feuerwehr.
Vorbildliche Jugendarbeit
Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit der Trochtelfinger Wehr zu erhalten, die Mo-tivation der Rettungskräfte aufrechtzuerhalten und zu steigern sowie ein effektives Verhältnis zwischen Wehrangehörigen, Fahrzeugbestand und Feuer- wehrhäusern zu schaffen, so Hohloch. Außerdem soll die Struktur der Freiwilligen Feuerwehr dem demografischen Wandel entgegenwirken und die Tagesverfügbarkeit verbessern. Zudem sollen Einsatzmittel und -geräte so beschafft werden, dass es zu den Erfordernissen vor Ort passt. All dies wurde in enger Abstimmung mit Kommandant Josef Brunner und dem ehemaligen Reutlinger Stadtbranddirektor Harald Herrmann durchgeführt. Hohloch betonte den starken ehrenamtlichen Einsatz der Feuerwehrleute. »In den Jahren 2021 bis 2023 wurden über 7.500 Einsatzstunden geleistet.« Jeder Einzelne sei hoch motiviert, die Jugendarbeit sei vorbildlich, »denn sie ist die Basis«, wenn die Feuerwehr weiterhin ehrenamtlich be-stehen bleiben soll. Die Feuerwehr Trochtelfingen verfügt über fünf Abteilungen. Neben Trochtelfingen selbst sind dies Hausen, Mägerkingen, Steinhilben und Wilsingen. Den Personalstand mit insgesamt 179 Aktiven bezeichnete Hohloch als »in Ordnung«, lediglich in Hausen sei das Durchschnittsalter der Feuerwehrleute mit 42,2 Jahren zu hoch. Dort sollten möglichst neue aktive Feuerwehrleute gefunden werden.
Eine kontinuierliche Verbesserung regte Hohloch bei der Atemschutztauglichkeit an. Die Tagesverfügbarkeit der Einsatzkräfte nannte er ausreichend, sie müsse aber verbessert werden. Nach aktuellem Stand sind nach zehn Minuten neun Feuerwehrleute vor Ort, nach 15 Minuten weitere sechs. Lob gab es für den Jugendbereich, da die Zahl der Mitglieder der Jugendfeuerwehr gut, bei der Kinderfeuerwehr sogar sehr gut sei. Mit zwei neuen Fahrzeugen, die in der Auslieferung sind, ist die Stadt laut Hohloch auf dem Laufenden. Etwas problematischer sieht es beim Trochtelfinger Gerätehaus aus, das einer Sanierung bedürfe, in Mägerkingen soll ein Ersatzgebäude gekauft werden. Erst ab 2030 stehen Sanierungen in Steinhilben an. Die könnten »Zug um Zug« geschehen, wie es die Finanzen der Gemeinde zuließen. Insgesamt attestierte Hohloch der Trochtelfinger Feuerwehr eine hohe Qualität. »Das ist schon beeindruckend, was hier ehrenamtlich geleistet wird.«
Entschädigung wird angehoben
Kommandant Josef Brunner dankte Hohloch für seine Unterstützung. Etwas an DDR-Verhältnisse erinnert sah er sich, bei dem Umstand, dass zwischen Bestellung und Auslieferung eines Feuerwehrfahrzeugs vier Jahre vergehen. Stolz ist er hingegen darauf, dass die Zahl der Wehrleute kontinuierlich wächst. Von einem beeindruckenden Zahlenwerk sprach Gemeinderat Rüdiger Böhm. »Das sind unwahrscheinliche Leistungen im Ehrenamt.« Auch Martin Tschöpe sieht die Feuerwehr gut aufgestellt, lobte die Harmonie in der Truppe. »Es ist alles sehr pragmatisch und lösungsorientiert.« Fraktionskollege Peter Lipp, selbst bei der Wehr, betonte, wie wichtig es ist, dass Trochtelfingen weiter über fünf Abteilungen verfüge, damit alle Ortsteile im Ernstfall gut abgedeckt seien.
Daniel Stiefel fragte nach der Verbindlichkeit des Plans. »Er ist so verbindlich, wie wir uns den machen«, betonte Bürgermeisterin Fischer. »Der Feuerwehrbedarfsplan dient der Orientierung, er ist kein Automatismus, wenn beispielsweise kein Geld in der Kasse ist.« In Sachen Geld wurde aber dennoch nachgebessert. Denn wie Kämmerin Beate Beck ausführte, sind die Entschädigungen für die Feuerwehrleute im Einsatz seit sieben Jahren nicht gestiegen. »Lob ist das eine, Entschädigung das andere«, sagte Gemeinderat Martin Tschöpe, auch wenn die Kassenlage nicht gerade rosig sei. So stimmte das Gremium nicht nur dem Bedarfsplan einstimmig zu, sondern hob auch einstimmig die Entschädigung für Funktionsträger von 7.260 Euro jährlich auf 9.390 Euro an. Der Aufwand für Entschädigungen im Einsatz steigt für pro Feuerwehrkraft von 11 auf 15 Euro je Einsatzstunde, für die Stadt bedeutet das Mehrausgaben von insgesamt rund 10.000 Euro. (GEA)

