LAICHINGEN. Ab sofort erwartet Besucherinnen und Besucher des Höhlenkundlichen Museums Laichingen etwas ganz Besonderes: Die neue interaktive Plattform Karstwasser eröffnet auf anschauliche Weise den Zugang zu einer der verborgensten und zugleich spannendsten Umgebungen der Schwäbischen Alb – der unterirdischen Welt der Höhlenflüsse und Karstformationen.
Ins Leben gerufen vom Höhlen- und Heimatverein Laichingen (HHVL) und in Zusammenarbeit mit dem renommierten Höhlenfilmer Uwe Krüger (Spelefilm) entwickelt, vermittelt die Plattform ein umfassendes Bild über das Einzugsgebiet des Blautopfs und die geologischen Phänomene, die mit der Karstlandschaft zwischen Laichingen und Blaubeuren verbunden sind. Besucher erfahren, wie Regenwasser in den klüftigen Kalkstein der Alb versickert, durch Höhlenflüsse unterirdisch weitergeleitet wird und schließlich in Quellen wie dem Blautopf wieder zutage tritt.
Schon 1909 beschreibt Bruder Felix Fabris in seiner »Abhandlung von der Stadt Ulm« die Wassermassen, die durch den Untergrund fließen und im Blautopf heraufströmen: »Denn aus der verborgensten Tiefe eines steinernen Topfes, eines grundlosen Felsbeckens bricht eine solche Menge Wasser hervor, dass man meinen könnte, es öffnen sich die Quellen der Hölle.«
Einblick in ein verborgenes Reich
Mit interaktiven Karten, informativen Texten, Grafiken, Fotos und eindrucksvollen Videosequenzen wird ein komplexes System verständlich gemacht, das normalerweise im Verborgenen liegt. Besonders hervorzuheben ist das dreidimensionale Landschaftsmodell im Maßstab von 800 Quadratkilometern, das Täler, Hügel und vor allem die drei großen Höhlen – Hessenhauhöhle, Blauhöhlensystem und Steebschacht – originalgetreu digital nachbildet.
Grundlage waren hochpräzise Geodaten des Landesamts für Geoinformation Baden-Württemberg sowie umfangreiche Vermessungsdaten der Höhlenforscher.
Wissenschaft trifft Ehrenamt
Die Plattform ist das Ergebnis einer engen Kooperation zwischen Höhlen-forschung, Geowissenschaft und moderner Medientechnik. Neben dem HHVL haben auch die Arge Blaukarst, die Höhlenforschungsgruppe Ostalb-Kirchheim, die Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten sowie der Höhlenverein Blaubeuren ihre langjährigen Forschungsergebnisse beigesteuert. Das Institut für Angewandte Geologie des KIT unter Professor Dr. Nico Goldscheider unterstützte das Projekt mit wissenschaftlichen Erkenntnissen aus großflächigen Markierungsversuchen.
Dabei konnte belegt werden, dass das Karstwasser mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 Metern pro Stunde unter der Erde fließt – ein erstaunlicher Wert für unterirdische Gewässer. Die interaktive Plattform macht sichtbar, wie sich zwei große unterirdische Wasserläufe – die Ur-Blau und die Nord-Blau – durch das Höhlensystem bis zum Blautopf schlängeln. Diese faszinierenden Er-kenntnisse sind nun für jedermann zugänglich und machen das Unsichtbare sichtbar.
Lernort mit Tiefgang
Im Kontext des Unesco Global Geoparks Schwäbische Alb dient das Höhlenkundliche Museum, zusammen mit der Laichinger Tiefenhöhle, als außerschulischer Lernort von überregionaler Bedeutung.
Die Tiefenhöhle – Deutschlands einzige zur Schauhöhle ausgebaute Schachthöhle – führt Besucher bis zu 55 Meter in die Tiefe und zählt mit rund 35.000 Gästen jährlich zu den bedeutendsten geotouristischen Zielen der Region. Die neue Plattform Karstwasser ist somit nicht nur eine beeindruckende Präsentation wissenschaftlicher Arbeit, sondern auch ein Exempel dafür, wie Ehrenamt, Forschung und Technik gemeinsam einen lebendigen Zugang zur Naturgeschichte schaffen können.
Dank der engagierten Mitglieder des HHVL steht Besuchern ab sofort ein spannendes Tor in die Tiefen der Schwäbischen Alb offen. (GEA)
TIEFENHÖHLE
Das Höhlenkundliche Museum Laichingen liegt am Höhlenweg 220. Eintritt wird nur für den Besuch der Tiefenhöhle verlangt, das Höhlenkundliche Museum mit der interaktiven Plattform Karstwasser ist frei. Träger ist der Höhlen- und Heimatverein Laichingen. Die Höhle ist Infostelle im Unesco Global Geopark Schwäbische Alb. (GEA)

