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Aktuell Bürgerball

Steinhilber Fasnet ist Flecken- und Familiensache

Viereinhalb Stunden hochklassiges Programm, das Generationen vereint und Zuschauer begeistert.

ATG – alte oder attraktive Tanzgarde? Einstige Gardetänzerinnen wollten’s nochmal wissen.
ATG – alte oder attraktive Tanzgarde? Einstige Gardetänzerinnen wollten’s nochmal wissen. Foto: Stefanie Häußler
ATG – alte oder attraktive Tanzgarde? Einstige Gardetänzerinnen wollten’s nochmal wissen.
Foto: Stefanie Häußler

TROCHTELFINGEN-STEINHILBEN. Zwei großartige Bürgerbälle in Zahlen: drei reaktivierte Fasnetsurgesteine, viereinhalb Stunden hochklassiges Programm, fünf Mal mit Familienbezug, sechs Mal grandioser Tanz, acht Mal feinstes Lokalkolorit, 16 Beiträge – vier mehr als sonst, 40 Jahre Schwarzhülahutzla, 60 Jahre Bürgerball und Hunderte begeisterter Gäste. Aber auch ein Abschied: Nach einem fulminanten Auftritt verabschiedeten sich die Albrebellen nach 22 Jahren von der Steinhilber Fasnet. Auf die Anfänge 1965 blickte Zunftmeister Marc Hazotte in seinem kurzen Abriss zur Ballgeschichte. Die Zunftratsdamen Emma Öhrle und Anna Maria Wittner geleiteten ihn wie alle Akteure von der Bühne.

Was macht die Steinhilber Fasnet so einzigartig, was die Bürgerbälle so herzlich, neckisch, kurzweilig, lebendig, ohne schnulzig, boshaft, hektisch oder überkandidelt zu sein? Was ist ihre DNA? Bei ihren Bürgerbällen in der Augstberghalle wurde es klar. Zum einen ist es die bunte Programmmischung, zum anderen: Die Steinhilber Narretei ist Flecken- und Familiensache.

Ü 80-Urgesteine geben Gas

Da steht Fasnetsurgestein und Bürgerball-Rentnerin Hildegard Burkhardt, 83, lässig im Originalpunkkostüm von 1988 zwischen ihren baumlangen Enkeln: »Meine Enkel haben Fasnetsgene – von dr Ahne, et vom Ehne!« Neben ihr Marianne Zeiler, 83, Bühnenpartnerin seit 1976 mit einem alten Bühenenbeitrag, der auch heute noch zündet. Dritte im Bunde der Urgesteine ist Trudi Dreher. Nach Jahrzehnten der Bühnenabstinenz hat sie ihr »Motorrädle« abgestaubt und solistisch ihre Erlebnisse on Tour besungen: »Bin gelandet i im Mischt, han a ganze Gosch voll verwischt, hab da Kopf seitlich gstreckt – ’s hot et noch Kalbsbrata gschmeckt«. Den Stolz, Neffe und Hanswurschtelnachfolger dieser Fasnetsikone zu sein, konnten die Moderatoren Timo Hölz und Martin Denzler nicht verhehlen. Als erster und bislang einziger weiblicher Hanswurschtel war Trudi Dreher im letzten Jahrhundert ihrer Zeit weit voraus.

Hildegard Burkhardt und Marianne Zeiler, beide 83, als Punks in ihren Originalkostümen von 1988.  FOTOS: HÄUSSLER
Hildegard Burkhardt und Marianne Zeiler, beide 83, als Punks in ihren Originalkostümen von 1988. FOTOS: HÄUSSLER
Hildegard Burkhardt und Marianne Zeiler, beide 83, als Punks in ihren Originalkostümen von 1988. FOTOS: HÄUSSLER

Der aktuelle Hanswurschtel Lukas Daigler blickte in bester Tradition der ältesten Steinhilber Fasnetsfigur (1892) auf den Flecken und erzählte von den beiden »Jungwirten«, die beim Sportheimdienst dem Gast als bestellten »Viertele Roten« ahnungslos 0,4 Liter Weinbrand im Weizenglas servierten. Oma und Opa Daiglers Wellness-Missgeschick war zu kurios, als dass er es nicht auf der Fasnet hätte bringen müssen. Die Großis werden’s verzeihen, war Opa Matthias 1965 16-jährig selbst Akteur beim ersten Bürgerball in der »Krone« und bis heute aktiv. Wie alle, die »auf der Fasnet kamen«, war auch ihnen die liebevoll-anteilnehmende Schadenfreude der Gäste sicher.

Die Hülasänger sangen von einem, der zurückkam vom Leberflecken-Check: »Es war Dreck, von Hautkrebs keine Spur, ’s war Nussbaumholzlasur.« Die zwei Spitzbuben Vater Lutz und Sohn Julian Marquardt wussten von dem ausgeliehenen Werkstattbusle zu berichten, das zügig mit offener Schiebetür das Zimmererwerkzeug am Straßenrand verteilt hat. Dass der nächtliche Heimweg eines Zechers im Blumentrog am Ortseingang endete, sei der besonderen Luft geschuldet, meinten Alexandra und Andreas Frank von der »Wagenschau« augenzwinkernd.

Spaß am Tanz

Generationenübergreifend war auch der Bronnahock, bei dem die GenXYZ-Kinder (Moritz, Svenja, Jana und Anne) mit ihren Vätern und langjährigen Babyboomer-Fasnetsgrößen (Alwin Ott, Jürgen Locher, Martin Ott, Stefan Ott und Bernd Heinzelmann) die Übergabe des närrischen Staffelstabs übten. Von ihrer Wiese aus entdeckten Biene Maja und ihre Freunde (Franzisca Zeiler, Rainer Walter, Marc Hazotte, Adrian Hölz und Timo Hölz) die beiden Mütter, die ihre Familien per Auto gen Italien schicken und selbst schnell und komfortabel fliegen wollten. Es sollte alles ganz anders kommen.

Mit unendlichem Spaß am Tanz präsentierten die Masken, die Männergruppen Saustallpfoschda und Schwungradcrew, die Showtanzgruppe ehemaliger Gardetänzerinnen sowie die Garde ihre teils preisausgezeichneten Tänze. Für den »geselligen Teil« der Nacht lieferte die Bar die Getränke für die vom Tanz zur Livemusik der Augstbergmusikanten Durstigen. (häs)