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Aktuell Ortscheck

Sonnenbühl leidet unter zu viel Verkehr

Die Sonnenbühler melden sich beim GEA-Ortstermin zu Wort. Das Urteil: Schöner Flecken. Die Forderung: Tempolimit.

Wolfgang Grundewald (Mitte) lobt im Gespräch mit GEA-Redakteurin Cordula Fischer den Zusammenhalt und die gute Nachbarschaft in
Wolfgang Grundewald (Mitte) lobt im Gespräch mit GEA-Redakteurin Cordula Fischer den Zusammenhalt und die gute Nachbarschaft in Sonnenbühl. Aber er kritisiert den Verkehr und die Rücksichtslosigkeit der Autofahrer. FOTOS: NIETHAMMER
Wolfgang Grundewald (Mitte) lobt im Gespräch mit GEA-Redakteurin Cordula Fischer den Zusammenhalt und die gute Nachbarschaft in Sonnenbühl. Aber er kritisiert den Verkehr und die Rücksichtslosigkeit der Autofahrer. FOTOS: NIETHAMMER

SONNENBÜHL. Den Auftaktartikel zum Sonnenbühler Ortscheck hat Horst Zierle mit zum GEA-Mobil vor dem Undinger Rathaus gebracht. »Die Sonnenseite der Alb« steht da in breiten Lettern. Der 87-Jährige lacht auf: »Es gibt auch Leute, die auf der Schattenseite wohnen.« Und zwar die, die wie er an einer Hauptstraße wohnen. Seit 53 Jahren sind Zierle und seine Frau Frederike in ihrem Haus an der Pfullinger Straße in Genkingen daheim. In einem fort rauscht hier der Durchgangsverkehr vorbei.

Um das Ausmaß greifbar zu machen, haben die Zierles Anfang des Jahres eine Stunde lang Strichliste zum Verkehrsaufkommen geführt: Ganze 57 40-Tonner und 350 Autos zählten sie. »Lebensqualität gleich null«, sagt Horst Zierle. Die Gesundheit leide unter Lärm und Abgasen, Risse und Verschmutzung seien die Folgen fürs Haus. »Bis zum Fenster im ersten Stock – sechs Meter hoch – wirbelt der Dreck hinter den Lkws hoch.«

Den Nachbarn ergehe es nicht besser. Man sei bei der Gemeinde vorstellig geworden – passiert sei nichts. »Den Verkehr kann man nicht ändern«, sagt Frederike Zierle. Steuern könne man ihn schon. Tempo 30 lautet daher die Forderung. So wie es etwa in Bronnweiler oder Gönningen gilt. »Warum klappt das in Sonnenbühl nicht?«, fragt sich ihr Mann, der auch betont, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung nur dann etwas bringt, wenn sie kontrolliert wird. »Man wohnt in der Stadt zum Teil ruhiger«, sagt er. Den gebürtigen Reutlinger zieht es aber eigentlich nicht mehr ins Tal. Mit der Versorgung in Sonnenbühl ist das Paar voll zufrieden – »und die Landschaft ist toll«.

Julia Berger erklärte GEA-Redakteurin Claudia Hailfinger ihr Anliegen.
Julia Berger erklärte GEA-Redakteurin Claudia Hailfinger ihr Anliegen. Foto: Markus Niethammer
Julia Berger erklärte GEA-Redakteurin Claudia Hailfinger ihr Anliegen.
Foto: Markus Niethammer

Das sieht auch Julia Berger so. Nach Hause kommen fühle sich ein bisschen nach Urlaub an, sagt die junge Mutter. Mit Langlaufski oder Turnschuhen vom Haus weg losziehen zu können, bedeute Lebensqualität. »Man hat etwas Abstand vom Trubel der Welt«, sagt sie – wohne dennoch nicht auf der »tiefsten Alb«, Tübingen und Reutlingen seien schnell erreichbar. Julia Berger wohnt mit Mann und Kind am Undinger Ortsrand. Die Versorgung sei gut. Das Einzige, was fehle, sei ein größerer Bioladen mit regionalen Produkten.

Bei einer Sache sieht die Elternbeirätin – die stellvertretend für weitere Eltern zum Ortstermin kam – aber Handlungsbedarf: bei den Fußwegen. Die müssten sicherer werden, sagt sie. Die vorhandenen Zebrastreifen im Ortskern bei der Apotheke und der ehemaligen Post seien unübersichtlich. Von allen Seiten komme Verkehr, oft seien die Übergänge wegen geparkter Autos schlecht einsehbar. Sowohl für Kinder als auch ältere Leute sei es schwierig, über die Straße zu kommen, entstünden gefährliche Situationen. Zumal nur etwa jeder dritte Autofahrer anhalte. An den Ortseinfahrten, wo Autos oft mit hohem Tempo unterwegs seien, gebe es keine Zebrastreifen und Ampeln. »Ich würde mir wünschen, dass die Gemeinde da mehr tut«, sagt sie. »Einem Verkehrsplaner würde sicher etwas einfallen.«

Gänzlich zufrieden zeigt sich Werner Koch, der auf dem Weg zur Bank Halt am GEA-Mobil macht. Er ist vor 41 Jahren von Reutlingen auf die Alb gezogen und wohnt in der Schießgasse. Weg will er hier nicht mehr. Nur mit einem hadert er: »Die Kälte gefällt mir nicht.«

Die menschliche Wärme aber ist ein Faktor, der Sonnenbühl für Wolfgang Grunewald lebenswert macht. Aus Reutlingen war er erst nach St. Johann gezogen, bevor er in Genkingen ein Haus fand. »Eine gute Entscheidung herzuziehen. Sonnenbühl ist schön, und man ist schnell in der Natur. Was toll ist, ist die Nachbarschaft in den Ortsteilen.« Man helfe sich gegenseitig, unterstütze sich – zuletzt erst wieder bei Hagelschäden und Überschwemmungen. Drei Mal stand das Wasser beim Nachbarn im Haus. Das hätte nicht sein müssen, sagt Grunewald, und die Verwaltung sei zu träge. Es habe zu lang gedauert, bis der Kanal saniert worden sei. Ein weiteres Ärgernis für ihn ist »die Rücksichtslosigkeit« mancher Autofahrer. Nicht nur auf den Hauptverkehrsstraßen, sondern auch dann, wenn sie Abkürzungen über Feldwege nehmen, wo viele Kinder, Radfahrer, Spaziergänger unterwegs sind. Tempolimit, Blitzer, Kontrollen – alles wünschenswert, aber er appelliert an die Eigenverantwortung der Verkehrsteilnehmer.

»Das Klima hier ist super – das beste, das es überhaupt gibt«

»Das Klima hier ist super – das beste, das es überhaupt gibt.« Annette Gora meint damit nicht nur das meteorologische, sondern auch das soziale Klima in Sonnenbühl. Ein schwerwiegendes Problem sieht die Genkingerin trotzdem: die Verkehrsbelastung in ihrer Ortsdurchfahrt. »Da wird gerast ohne Ende.« Besonders um die Kinder sorgt sie sich, die hier in großer Zahl die Straße überqueren müssen: »Auf die wird keine Rücksicht genommen.«

Genau so sieht das eine Mutter, die deshalb zum GEA-Lokaltermin kam, aber namentlich nicht genannt werden will. Erstklässler auf dem Gehweg und vorbeidonnernde Lastwagen – das ist für sie eine gefährliche Mischung: »Fünfzig ist einfach sehr schnell.« Auch sie weist auf die Tatsache hin, dass das Genkinger Neubaugebiet mit jungen Familien von der Schule durch die stark befahrene Straße getrennt wird. Und sie weiß von Lastwagenfahrern, die bewusst durch Sonnenbühl fahren, um die Tempo-30-Zone in Lichtenstein zu umgehen. Sie regt nachdrücklich an, sich für die Sonnenbühler Hauptverkehrsstraßen um ein Tempolimit zu bemühen.

Brigitte Thorwart (Mitte) und Linda Schneidereit (rechts) im Gespräch mit GEA-Redakteurin Christine Dewald.
Brigitte Thorwart (Mitte) und Linda Schneidereit (rechts) im Gespräch mit GEA-Redakteurin Christine Dewald. Foto: Markus Niethammer
Brigitte Thorwart (Mitte) und Linda Schneidereit (rechts) im Gespräch mit GEA-Redakteurin Christine Dewald.
Foto: Markus Niethammer

Genau dies ist auch das Anliegen, das Linda Schneidereit und Brigitte Thorwart zum GEA-Termin geführt hat: Seit drei Jahren werde von Anwohnern versucht, ein Tempolimit in der Genkinger Ortsdurchfahrt durchzusetzen. Auch ein Gespräch mit dem Bürgermeister sei geführt worden, der als erste Maßnahme ein Smiley-Display in Aussicht gestellt habe. »Getan hat sich leider nichts«, sagen die Frauen, die in der Pfullinger Straße wohnen. »Es wird hier immer lauter.« Lastwagen donnerten zeitweise im Minutentakt durch den Ort. Als schnelle Maßnahme wünschen sie sich einen stationären Blitzer am Genkinger Dorfrand, der auch die Autofahrer bremst, die ortsauswärts mächtig Gas geben. Mittelfristig könne aber nur Tempo 30 helfen: »Es kann doch nicht so weit gehen, dass die Leute fortziehen, obwohl sie eigentlich gern in Sonnenbühl leben.« Denn das tun Linda Schneidereit und Brigitte Thorwart.

Siegbert Herrmann lebt mit seiner Frau Annefriede in einem Parallelweg zur Pfullinger Straße – Lärm kommt hier immer noch viel zu reichlich an. Auch das Ehepaar findet, dass für die Verkehrsberuhigung in der Genkinger Ortsdurchfahrt dringend etwas getan werden muss. Die anderen Sonnenbühler Hauptverbindungen, etwa die Undinger Durchgangsstraßen, seien ebenfalls zu stark belastet. Auch die Wochenenden seien laut, wenn sich zusätzlich Ausflügler, Motorradfahrer, Hobbylandwirte und Holzmacher in Bewegung setzen. »Es ist ganz toll, dass wir von Touristen super frequentiert werden, aber was wir speziell im letzten Winter aus dem Großraum Stuttgart ertragen mussten«, sei nicht schön gewesen. »Wir wussten, dass wir parallel zur Hauptstraße wohnen, als wir nach Genkingen gezogen sind, aber vor 40 Jahren gab es nicht so viel Verkehr«, sagt Annefriede Herrmann. Sie fühle sich wohl in Sonnenbühl, noch schöner fände sie es, »wenn das Verkehrsproblem gelöst würde. Wir brauchen eine verkehrsberuhigte Zone.«

»Es ist unverständlich, dass das überall anders geht, nur bei uns nicht«

Und noch ein Thema spricht Annefriede Herrmann an. Sie wünscht sich eine Sanierung der Ortskerne beziehungsweise, »dass für Eigentümer von leer stehenden Gebäuden ein Anreiz geschaffen wird, sie abzureißen oder zu sanieren«. Die Ausweisung immer neuer Baugebiete erhöhe den Flächenverbrauch, »und die Ortskerne gehen kaputt«. Mehr Grünflächen und mehr Bäume in den Ortskernen würde sie ebenfalls begrüßen.

Mehr Rücksichtnahme auf die Anwohner in der Genkinger Durchgangsstraße wünscht sich auch Herbert Charlié. Durch die Lastwagen sind Spurrinnen entstanden. Bei Regen oder im Winter, wenn Schneematsch auf der Fahrbahn liegt, rauschen Autos und Lastwagen oft zu schnell hindurch, und es »spritzen Wasser und Matsch mit Streusalz weit über den Gehweg hinaus«. Nämlich auf Hauswände und in Hauseingänge. Außerdem sorgen die Erschütterungen durch die vorbeidonnernden Lkw für Risse in Wänden und Fugen. Auf den Sanierungskosten bleiben die Anwohner sitzen. Und auch die Kinder, die hier auf dem Schulweg sind, sieht Charlié gefährdet. Er fordert ein Tempolimit in der Ortsdurchfahrt. »Es ist unverständlich, dass das überall anders geht, nur bei uns nicht.« Ansonsten sei der Ort »sehr in Ordnung«.

»Rundum zufrieden« ist Heidi Ruscher mit ihrem Wohnort Sonnenbühl, in dem sie seit 28 Jahren lebt.»Wir haben alles: Arzt, Friseur, Supermärkte, Schulen, Restaurants.« Auch mit den Busverbindungen ist sie zufrieden. Eng werde es höchstens, wenn Schulschluss in Pfullingen ist und die Busse sehr voll sind. (GEA)