MÜNSINGEN. Schon bevor die kommunale Wärmeplanung Pflicht für alle Kommunen wurde, ging die Stadt Münsingen das Thema an und beantragte Fördermittel, die zu 100 Prozent bewilligt wurden. Sie wollte sich Wissen verschaffen, wie sich die Kommune mit 14 Stadtteilen in Zukunft wärmetechnisch aufstellen kann und welche Chancen es gibt, Wärme effizienter, klimafreundlicher und kostengünstiger bereitzustellen. »Wir brauchen den Planungsprozess als Grundlage, ohne die der Ausbau künftiger Netze nicht förderfähig wäre. Und ohne Förderung wäre er auch nicht darstellbar«, machte Bürgermeister Mike Münzing deutlich.
Laut Rüdiger Kleemann vom Ingenieurbüro RBS wave, das vom Gemeinderat im März mit der Planung beauftragt wurde, fließen in den Bereich Wärme/Kälte 75 Prozent des Endenergiebedarfs. Es lohne sich deshalb, diesen genauer zu betrachten und die kommunale Wärmeplanung als strategisches Instrument einzusetzen, das kommunale Handlungsoptionen priorisiert, Fördermöglichkeiten berücksichtigt und eine klare Umsetzungsperspektive bietet. Zwar lassen sich aus der kommunalen Wärmeplanung weder für Kommunen noch für Bürger oder Netzbetreiber direkte Verpflichtungen ableiten, aber sie kann der lokalen Wärmewende Richtung, Struktur und Leitplanken geben. Dank dieses systematischen Steuerungsplans lassen sich Klimaziele auf lokaler Ebene konkret umsetzen.
Flächendeckend wurden dazu im Jahr 2023 im gesamten Stadtgebiet 5.057 beheizte Gebäude erfasst, zwei Drittel von ihnen wurden vor 1978 erbaut. 2.001 Häuser werden mit Gas beheizt, 1.547 Häuser mit Öl, der Rest mit Scheitholz, Pellets, Hackschnitzeln, Wärmepumpen, Nachtspeicheröfen oder über kleine Wärmenetze. »Es liegt also ein gutes Stück Arbeit vor uns, die Öl- und Gasheizungen zu ersetzen.« Denn vom Jahr 2045 an ist das Aus für Öl- und Erdgasheizungen laut Gebäudeenergiegesetz aus dem Jahr 2024 besiegelt.
73 Prozent der bestehenden Ölheizungen sind älter als 20 Jahre, Entscheidungen für eine neue Heizung stehen also jetzt an. Gasheizungen sind dagegen deutlich jünger, rund 52 Prozent der Gasheizungen sind nicht älter als 20 Jahre. Es könnte also noch zehn Jahre dauern, bis sich diese Hausbesitzer für eine neue Heizung entscheiden müssen. Bestehende Heizungsanlagen dürfen repariert werden, solche, die nach Januar 2024 neu errichtet wurden und mit fossilen Energieträgern beheizt werden, sind ab 2029 sukzessive auf erneuerbare Energien umzustellen. »Eigentümer, bei denen eine Sanierung von Heizungsanlagen oder von Gebäuden ansteht, sollten sich umfassend beraten lassen«, riet Kleemann.
Der Gesamtwärmebedarf liegt im Stadtgebiet bei 210 GWh, rund 10,2 GWh kommen dabei pro Jahr aus acht lokalen Wärmenetzen, die insgesamt 91 Gebäude versorgen. Potenziale zur Energieeinsparung gibt es genug. So etwa bei der Stromerzeugung über Photovoltaik: »Auf jeden Quadratmeter scheint die Sonne.« Bereits jetzt sind 25 Prozent der privaten und kommunalen Dachflächen in Münsingen mit Sonnenkollektoren belegt: »Das ist sehr, sehr viel.« Auch hinsichtlich Freiflächen-Photovoltaik und Windkraft sei Münsingen schon sehr weit und leiste einen wesentlichen Beitrag. Dennoch müssten Zielszenarien in Bezug auf die Nutzung von Geothermie, weitere Biomasseanlagen und Gebäudesanierungen berechnet und Vorschläge zur Umsetzung von Maßnahmen in den nächsten Jahren entwickelt werden.
Allein durch Sanierungen lasse sich 44 Prozent des Gesamtwärmebedarfs einsparen. »Allerdings kosten Sanierungen Geld. Der Heizungstausch ist deshalb eher ein Hebel und auch realistisch umsetzbar.« Da auch in Münsingen laut Bürgermeister Mike Münzing die Vorlieferung von Erdgas als fossiler Brennstoff 2046 eingestellt wird, wolle man vermehrt Biogas in das städtische Gasnetz einspeisen. Das funktioniere bereits. Außerdem müsse untersucht werden, wie Wasserstoff in die Leitungen geführt werden könne.
Um Planungssicherheit zu erhalten, sei es aber auch wichtig, dass Netzbetreiber die Speicherkapazität für erneuerbar erzeugte Energie fördern und Energieflüsse ermöglichen. »Wir setzen nicht nur auf eine Lösung, sondern wollen uns breit aufstellen.« Spätestens im März soll eine Umsetzungsstrategie vorliegen. Basierend auf den Erkenntnissen der Bestands- und Potenzialanalyse will die Stadt voraussichtliche Wärmeversorgungsgebiete einteilen und Versorgungsoptionen ermitteln. (GEA)

