GOMADINGEN. »Es soll kein Abgesang werden …« – mit diesen Worten beginnt Gomadingens Bürgermeister Klemens Betz seinen 32. Jahresrückblick im Gemeinderat. Sein Letzter, denn am 30. Juni 2026 endet seine vierte Amtszeit. Sein Resümee: Man habe in den vergangenen zwölf Monaten »viel eingetütet und auf den Weg gebracht«.
So spricht der Rathauschef unter anderem »eine glänzende Eröffnungsbilanz« des Doppik-Haushalts an. Er erinnert unter anderem an die Sanierung des Bahnhofes Gomadingen, die Tempo-30-Zone in Offenhausen, die Gründung der Kinderfeuerwehr, den Baubeginn der Windkraftanlage und der Mensa in der Grundschule sowie an den Abschluss der Jahrzehnte dauernden Flurbereinigung. Er sei froh, dass es in »seinem« 2.300-Seelen-Ort wieder eine Post und einen Tante-M-Laden gibt.
Mit dem Rücken zur Wand
Auch wenn alles positiv erscheine, seien viele Bürger unzufrieden. Das spiegle das letzte Wahlergebnis wider. »Das Leben spielt sich aber nicht in Brüssel, Berlin oder Stuttgart ab, sondern in Städten und Gemeinden wie in Münsingen, Mehrstetten und Gomadingen«, hebt Betz hervor. Die Kommunen stünden mit dem Rücken zur Wand. »Wir können nicht mehr«, sagt er. Nur noch eine oder zwei Gemeinden im Landkreis könnten ihren Haushalt ausgleichen.
Und wie sieht es mit den Finanzen im Ort aus? »Die Ausgaben steigen und die Einnahmen gehen zurück«, befürchtet Betz, der sich selbst als Chef »einer armen Gemeinde« bezeichnet. Arm, auch wenn man keine Schulden und noch »einige Euro« auf der hohen Kante hat? Es grenze an »ein Wunder«, dass die Gemeinde keine Schulden habe, beantwortet der Rathauschef diese Frage gleich selbst. Aus seiner Sicht ist die derzeitige Situation prekär. 2026 müsse die Verwaltung vermutlich knapp 1,4 Millionen Euro Kreisumlage bezahlen. Viel Geld, wenn man bedenkt, dass man heuer rund 110.000 Euro weniger nach Reutlingen überweisen musste. Betz ärgert sich darüber, dass dieses Geld im Landkreis nicht für Investitionen, sondern hauptsächlich für den Kreissozialhaushalt verwendet werde. Noch mehr ärgert sich der Rathauschef über die jüngste Volkszählung, die seiner Gemeinde knapp acht Prozent weniger Einwohner bescherte als tatsächlich laut Melderegister vorhanden waren. Seine Empörung ist so groß, weil jeder Bürger bares Geld wert ist.
Was die Kommunen als Zuweisungen vom Land erhalten, richtet sich nach der Einwohnerzahl. Das »Kopfgeld« beträgt rund 1.650 Euro pro Jahr, rechnet der Schultes vor. »Wir haben die 200 Einwohner nicht verloren, wir haben nachgezählt, können jeden Namen nachweisen.« Deshalb werde man am eingelegten Widerspruch festhalten, auch wenn es »ein Kampf gegen Windmühlen ist«.
Vertrauensvoller Umgang
Trotz aller Klagen geht Betz frohen Mutes ins neue Jahr. »Gomadingen ist nach wie vor eine attraktive Gemeinde mit einem hohen Freizeitwert.« Seine Gemeinde habe »ein gutes Ansehen, von innen und von außen«.
Abschließend sprach der Rathauschef den »vertrauensvollen und harmonischen Umgang« im Gemeinderat an, auch wenn man nicht immer derselben Meinung gewesen sei. Zudem dankte er seinen Mitarbeitenden. Sie hätten aus wenig viel gemacht und »alles gegeben«. (GEA)

