HOHENSTEIN-OBERSTETTEN. Marcel Jäger saß einst selbst in der Jugendkapelle der Oberstetter Dorfmusikanten. Er durchlief die Instrumentenausbildung, rückte ins große Orchester auf und engagierte sich auf vielfältige Weise im Verein. Im vergangenen Jahr übernahm er vom langjährigen Dirigenten Franz Geiselhart den Taktstock und führte damit die Tradition seit Gründung des Musikvereins im Jahr 1890 fort, dass der Dirigent stets aus den eigenen Reihen kommt. Der 25-Jährige leitet die Blaskapelle mit spürbarer Liebe zur Musik, mit Leidenschaft und Freude, die er an seine Musikanten weiterzugeben versteht. »Man muss hören und sehen, dass ihr Spaß am Musizieren habt. Das kommt dann auch beim Publikum an«, lautet sein Credo, das vom Orchester am Samstagabend beim 10. Abend der Blasmusik und somit beim ersten offiziellen Konzert von Marcel Jäger erstklassig umgesetzt wurde.
Der »frische Wind«, der durch die Kapelle zieht, war deutlich zu spüren. Mit modernen Werken wie »Sympatria« von Thomas Asanger, »Leningrad« von Billy Joel, »The Lion King« von John Higgins und »The Book of Love« von Martin Scharnagel zeigten die Akteure ebenso ihre Klasse wie mit Märschen, Polkas und Walzern, so etwa bei »Domi Adventus« von Alexander Pfluger, »Alles steht still« von Alexander Egger oder der »Spritzregen Polka« von Radek Ruzicka. Diese Präzision in der Intonierung und Harmonie im Zusammenspiel kommen nicht von ungefähr. Sie sind vielmehr das Ergebnis der musikalischen Aus- und Weiterbildung, die ein zentraler Bestandteil bei den Oberstetter Dorfmusikanten darstellt.
Vorrangiges Ziel der Vereinsarbeit ist es, Kinder und Jugendliche an das gemeinsame Musizieren heranzuführen. Das gelingt bereits im Grundschulalter mit den Bläserklassen in der Hohensteinschule. Wer sie durchläuft, steigt in die Junior Juka und schließlich in die Juka Oberstetten-Bernloch auf, geleitet von Herbert Pfister und Marcel Jäger. Mit enormer Spielfreude gaben beide Orchester ihr Können zum Besten und auch hier zeigte sich, dass die Jugend frühzeitig an große Aufgaben herangeführt wird und in der Lage ist, Herausforderungen zu meistern. So übernahmen der 16-jährige Timo Rauscher und die 15-jährige Luisa Roggenstein bei je einem Stück das Dirigat.
Luisa Roggenstein hat bereits jetzt mit ihrer Leistung im Verein Geschichte geschrieben. »Zum ersten Mal seit unserer Gründung 1890 hat ein Mitglied des Orchesters den D3-Lehrgang als Königsdisziplin in der Ausbildung rund um Theorie, Praxis und Orchesterspiel absolviert«, freute sich der Vereinsvorsitzende Matthias Roggenstein. Dafür wurde Luisa Roggenstein von Jan Schlageter als Vertreter der Bläserjugend des Blasmusikverbands Neckar Alb mit dem goldenen Leistungsabzeichen ausgezeichnet. Das bronzene Leistungsabzeichen erhielten Leni Damasch, Laura Roggenstein und Johannes Geckeler für das Ablegen des D1-Lehrgangs.
So war dieser Abend der Blasmusik gespickt mit vielen musikalischen Attraktionen, die ein ums andere Mal für Gänsehaut bei den Zuhörern sorgten. Aber auch mit persönlichen Erfolgsmomenten, zu denen sicherlich die fast zehnjährige Vereinsführung von Matthias Roggenstein zählt. Er gab seinen Rückzug im nächsten Jahr bekannt, um auch an der Vereinsspitze frischen Wind und neue Akzente zu ermöglichen. »Wir haben viele geniale junge Menschen im Verein. Wichtig ist, dass es harmonisch und gut weitergeht«. Eine Nachfolge steht noch nicht fest. (GEA)
Ehrungen:
Für 10 Jahre aktives Musizieren wurden geehrt Michael Damasch, Emilie Frankenhauser, Sophie Geiselhart, Lars Höhn. Für 20 aktive Jahre wurden Jana Holzhauer, Antonia Raach und Caroline Raach ausgezeichnet. Bereits seit 30 Jahren musizieren Silke Aigner, Kerstin Knupfer, Michael Mayer und Matthias Roggenstein im Orchester und wurden dafür geehrt.
Mit der Verdienstmedaille in Bronze für 10-jähriges außergewöhnliches Engagement als Jugendleiterin wurde Lena Jakober ausgezeichnet. Mit der Dirigentennadel in Gold wurde Franz Geiselhart für 25 Jahre als Dirigent ausgezeichnet. (in)


