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Aktuell Gesellschaft

Neustart der Hospizgruppe für Hayingen, Pfronstetten und Zwiefalten

Die Hospizgruppe Hayingen/Pfronstetten/Zwiefalten startet nach ihrer Auflösung neu. Fünf Ehrenamtliche wollen den Bedarf an Sterbebegleitung in allen drei Gemeinden decken.

Die Hospizgruppe Hayingen/Pfronstetten/Zwiefalten geht neu an den Start.
Die Hospizgruppe Hayingen/Pfronstetten/Zwiefalten geht neu an den Start. Foto: Maria Bloching
Die Hospizgruppe Hayingen/Pfronstetten/Zwiefalten geht neu an den Start.
Foto: Maria Bloching

ZWIEFALTEN. Die Initiative für die Gründung der ersten Hospizgruppe vor zehn Jahren ging von der Sozialstation St. Martin in Engstingen aus. In enger Kooperation mit der Nachbarschaftshilfe und der Einrichtung »Rat und Tat« des Diakonieverbands leisteten in der Anfangszeit sieben ehrenamtlich engagierte Personen in der Verwaltungsgemeinschaft Hayingen/Pfronstetten/Zwiefalten qualifizierte Sterbebegleitung. Nach und nach wurden es aber immer weniger, letztendlich blieben noch Emma Petermann und Lucia Fischer übrig. »Wir haben uns abgesprochen und versucht, den Dienst aufrechtzuerhalten«, erzählen sie. Doch den mittlerweile großen Bedarf konnten sie zu zweit nicht mehr abdecken, Ende April wurde die Hospizgruppe schließlich aufgelöst.

Das wollten die beiden Frauen aber nicht hinnehmen, deshalb gingen sie auf Manuela Otto, Krankenschwester mit der Zusatzausbildung Palliativ Care, zu. Mit ihr haben sie sich lang besprochen und ausgetauscht: »Jetzt haben wir uns entschlossen, wieder eine neue Hospizgruppe ins Leben zu rufen und den wichtigen Dienst an Sterbenden und ihren Angehörigen fortzusetzen«, berichtet Otto als künftige Leiterin. Dass es nun zum Neustart kommt, wird in den drei Gemeinden sehr begrüßt. »Damit wird eine wichtige Aufgabe für unsere Region übernommen«, freut sich Zwiefaltens Bürgermeisterin Alexandra Hepp. Manuel Maier, ihr Kollege aus Pfronstetten, spricht von einem »Dienst von unschätzbarem Wert«, der »Respekt, Dank und Unterstützung« verdiene.

»Wir sind Ansprechpartner, Zuhörer und Begleiter«

Begleitet werden Menschen in ihren letzten Lebensphasen und auch ihre Angehörigen, die Ehrenamtlichen der Hospizgruppe sorgen für eine würdevolle Betreuung und bieten emotionale Unterstützung. Dabei stehen die individuelle Würde und das Wohlbefinden der Betroffenen im Mittelpunkt. Die Arbeit ist geprägt von Empathie, Respekt und Mitgefühl, begleitet wird zuhause, im Pflegeheim oder im Hospiz. »Wir sind Ansprechpartner, Zuhörer und Begleiter – manchmal für nur wenige Stunden, manchmal über längere Zeiträume«, berichtet Lucia Fischer. Sie ist Krankenschwester und hat sich zur Sterbebegleiterin ausbilden lassen. Wer diesen Dienst tun möchte, so sagt sie, brauche Mut, um sich mit den Themen Krankheit, Sterben und Tod auseinanderzusetzen. »Das kann nicht jeder«, räumt sie ein. Dass nun wieder mit einem starken Team – darunter vier Krankenschwestern – gestartet wird, freut sie sehr.

Es gehe um das Dasein, um Zuhören, aber auch um Schweigen dürfen, wenn Worte fehlen. Unabhängig von Religion und Weltanschauung, Nationalität und sozialer Herkunft: »Wir wollen kostenlos, wertschätzend und offen für alle Menschen an der Seite von Schwerkranken, Sterbenden und Angehörigen stehen«, betont Manuela Otto. Viele im neuen Team haben bereits den Qualifikationskurs absolviert, Linda Bietsch ist jedoch ein Neuling. Sie wird sich in den nächsten elf Monaten einmal die Woche und an einigen Wochenenden weiterbilden: »Ich war lange im DRK und möchte mich jetzt hier ehrenamtlich einbringen.« Motiviert wird sie von ihrer Überzeugung, dass das, was sie den Menschen gibt, tausendfach zurückkommt. Diese Kurse werden durch Spenden finanziert, die über ein Konto bei den Kirchen verwaltet werden.

Für den evangelischen Pfarrer Albrecht Schmieg ist die Arbeit der Hospizgruppe eine Notwendigkeit: »Die Begleitung im Übergang von dieser in eine andere Welt war schon immer ein Kernanliegen von Christen.« Er freue sich, dass es Menschen gibt, die Mut und Einfühlung aufbringen, um diesen »Liebesdienst« zu tun. Denn viele Menschen wünschen sich, in ihrer vertrauten Umgebung sterben zu dürfen, um Würde und Selbstbestimmung zu bewahren. Doch nicht immer sind laut Christa Herter-Dank von »Rat und Tat« Angehörige in der Lage, diese Aufgabe allein zu bewältigen.

Vereinsamung greife in der heutigen Gesellschaft immer mehr um sich. Hier setzt die Hospizgruppe an: Sie füllt eine wichtige Lücke im Versorgungssystem, indem sie Sterbende begleitet und ihnen ein würdevolles Abschiednehmen ermöglicht. Von außen, mit fachlicher Kompetenz, ohne familiäres Gefüge. Für die Angehörigen, ist Herter-Dank überzeugt, bedeutet diese Unterstützung oft eine große Erleichterung und Trost in einer schweren Zeit. »Alle, die sich bei uns engagieren möchten oder Unterstützung suchen, finden unsere Telefonnummern in den Mitteilungsblättern der Gemeinden«, so Otto. (GEA)

Unterstützung der ehrenamtlichen Arbeit

Wer die Arbeit der Hospizgruppe unterstützen möchte, auch mit Spenden, kann sich an telefonisch oder per E-Mail an Leiterin Manuela Otto wenden. (in)
07373-921480 oder 0174-9030193
hospizgruppe-zwiefalten@web.de