Logo
Aktuell Gastronomie

Monika Ruoff und Andrea Cecere verlassen Genkinger Pizzeria und Eiscafé Amor

Andrea Cecere und Monika Ruoff verlassen Pizzeria und Eiscafé in Genkingen. Nachfolger kommt

Monika Ruoff und Andrea Cecere sagen Adieu: Nach elf Jahren verabschieden sie sich von ihrem Eiscafé und der Pizzeria Amor in Ge
Monika Ruoff und Andrea Cecere sagen Adieu: Nach elf Jahren verabschieden sie sich von ihrem Eiscafé und der Pizzeria Amor in Genkingen. Das Lokal bleibt dem Ortsteil aber erhalten: Bald wird es von einer syrischen Familie neu eröffnet. Foto: Cordula Fischer
Monika Ruoff und Andrea Cecere sagen Adieu: Nach elf Jahren verabschieden sie sich von ihrem Eiscafé und der Pizzeria Amor in Genkingen. Das Lokal bleibt dem Ortsteil aber erhalten: Bald wird es von einer syrischen Familie neu eröffnet.
Foto: Cordula Fischer

SONNENBÜHL-GENKINGEN. Für Liebe auf Italienisch fehlt ein »E« am Ende. Für die zusammengesetzte Abkürzung ihrer Vornamen – so war der eigentliche Name ihres Geschäfts eigentlich geplant – ist das »R« zu viel. Aus dem gewünschten »Amo« wurde so durch ein Versehen des Logo-Designers »Amor«. Trotzdem passt das treffend zu Andrea Cecere und Monika Ruoff. Das Paar hat zwölf Jahre das gleichnamige Eiscafé und die Pizzeria in Genkingen betrieben. Nun fliegt der römische Gott der Liebe, Amor, aus. Zum 30. September haben Andrea und Monika zum letzten Mal den Schlüssel im Türschloss umgedreht. Sie verlassen ihren kleinen gastronomischen Betrieb. Ein Nachfolger ist aber gefunden. Der übernimmt Konzept und Namen, bringt aber auch seine eigene Handschrift ein.

Beim Tanzen haben sich Monika (65), die Schwäbin aus Gönningen, und Andrea (66), der Süditaliener aus Caserta, kennengelernt. Andrea kam 1969 nach Deutschland. Der gelernte Schreiner heiratete Monika und zog mit ihr aus Balin- gen nach Genkingen. 50 Jahre leben sie nun schon in dem Sonnenbühler Ortsteil. Zunächst hatte Andrea in Balingen eine Pizzeria betrieben, dann wurde beim TSV Genkingen ein Pächter gesucht, er bewarb sich und übernahm 2010 das Sportheim. Vor zwölf Jahren sah seine Lebensgefährtin das leer stehende Ladenlokal in der Gönninger Straße, in dem einst die Kreissparkasse, ein Solarium, eine Versicherung und ein Döner-Laden fürs Wohlbefinden von Körper und Bankkonto sorgten – und verliebte sich. Ihr Traum: ein eigenes Café.

Traum wird Wirklichkeit

2011 wurde er Wirklichkeit. Eineinhalb Jahre lang betrieb Monika Ruoff das Café allein, bot selbst gebackene Kuchen, Torten und Kaffee an, unterstützte abends ihren Mann weiterhin im Sportheim. Die Doppelbelastung wurde ihnen zu viel, und so zog der »Italo-Schwob«, wie sich Andrea Cecere selbst nennt, runter in den Ort, aus dem Café wurde so auch die Pizzeria.

Das Eis bezog der Gastronom zunächst noch von einem Kollegen aus Balingen. Aber mit einer eigenen Eismaschine wurde er selbst zum Gelatiere. 23 bis 25 Sorten stellte er her, mit natürlichen Zutaten, frischen Früchten, echten Nüssen und Pistazien, ohne Aromen-Schummelei. Fünf Liter Zitronensaft presste Monika zunächst per Hand, bevor ein elektrisches Gerät diese Arbeit erleichterte. Auch bei seinen Speisen – Pizza und Pasta natürlich und schwäbischen Gerichten wie Maultaschen sowie Schnitzel – setzte Andrea Cecere auf Qualität und lebenstechnologisch unveränderte und reine Zutaten. »Pasta muss al dente sein«, lautet einer seiner Grundsätze. Analogkäse kommt nicht in die Tüte. Der Teig – selbst gemacht und lang geruht. »Das ist das A und O.« Und bei der neapolitanischen Pizza, die immaterielles Weltkulturerbe der Unesco ist, gehört ein etwas dickerer Rand dazu. Wer Saitenwürstle oder Pommes als Belag auf seine Pizza wünschte – der bekam von Pizzaiolo Andrea die Rote Karte gezeigt. Er sagt: »Es gibt entweder Pizza oder Sauerkraut. Alles andere ist gegen die Tradition.« Die Gäste respektierten’s und schätzten’s. Er backt Pizzen und kocht Pasta nach Rezepten seiner heute 97-jährigen Mutter, hat viel von seinem Bruder, einem Koch, gelernt. Und natürlich ist die beste Zutat ganz viel »Amore«.

Auf dem privaten Menüplan verzichtet Andrea lieber auf seine Heimat-Speisen. »Wenn du täglich Pasta kochst und Pizza backst, brauchst du was anderes. Ich esse gern schwäbisch. Und abends am liebsten ein Wurstbrot.« Auch wenn sein Favorit Spaghetti Frutti di Mare und Monika Ruoffs Lieblingspizza die Caprese ist. Vielleicht kommen diese Klassiker künftig häufiger auf den Teller, wenn das Paar seine freie Zeit nicht mehr in der Küche und hinter der Bar verbringt und das Amor mit ihrem Ferienhaus in Süditalien tauscht, wohin es öfter pendeln will.

Gäste werden zu Freunden

Denn Urlaub war in den letzten elf Jahren rar. Lediglich eine Woche im Februar, eine im Oktober blieb der Herd in Genkingen jeweils kalt, ansonsten stand die Verköstigung der Gäste an erster Stelle. Und viele dieser Gäste, die auch aus Reutlingen, Pfullingen oder dem Kreis Biberach extra zum schwäbisch-italienischen Duo nach Genkingen kamen, sind Monika Ruoff und Andrea Cecere zu Freunden geworden.

»Es war eine wunderschöne Zeit«, sagt Monika Ruoff mit etwas Wehmut. »Mir tut’s ganz arg weh«, die Tür zu ihrem Café ein allerletztes Mal zu schließen. »Die fast zwölf Jahre sind wie im Flug vergangen.« In diesem Jahr gingen die beiden erstmals im August in die Betriebsferien, öffneten für den Endspurt aber noch mal am 31. August für vier Wochen. Und der Laden war voll. »Es war unglaublich.« Auch während der zwei Jahre Pandemie hielten die Gäste die Treue, sodass das Eiscafé Amor auch diese Phase glimpflich überstand. »Tiefpunkte gab es nicht«, sagt Andrea Cecere.

Nicht ganz so unkompliziert lief die Suche nach einem Nachfolger. Kein deutscher Gastronom meldete sich, andere aus aller Herren Länder schon. Monika Ruoffs und Andrea Ceceres Wahl ist auf eine syrische Familie gefallen. Sie übernimmt die Einrichtung, will das Konzept und den Namen beibehalten, zusätzlich noch syrische Speisen und Döner anbieten. Vier Wochen lang waren die neuen Betreiber da und wurden von Andrea und Monika eingelernt. Nun muss noch renoviert werden, bevor eventuell schon im Oktober eine neue Ära im Eiscafé Amor beginnt. »Sie sind voll motiviert. Ich hoffe, sie schaffen das«, wünscht sich Monika Ruoff ebenso wie dass die Gäste weiterhin zum Essen kommen, in fast einen der letzten Gastronomiebetriebe in Genkingen.

Für Monika und Andrea fühlt sich der Abschied vom Amor fast wie der von einem flügge gewordenen Kind an. »Wir waren mit Herz und Seele dabei. Aber alles hat seine Zeit, und es ist der richtige Moment, es zu beenden.« Arrivederci »Amo«, Andrea und Monika, Buongiorno Italia, Buongiorno Amor. (GEA)