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Loopings im Takt

Modellflugverein St. Johann richtete auf dem Eichhart die Europa-Meisterschaften im Modellbaukunstflug aus. Abschluss mit der Königsdisziplin Freestyle

Bunter Rauch konturierte die Flugfiguren, die die Modellflug-Piloten in ihrer Königsdisziplin Freestyle zu Musik zeigten – der A
Bunter Rauch konturierte die Flugfiguren, die die Modellflug-Piloten in ihrer Königsdisziplin Freestyle zu Musik zeigten – der Abschluss der Europa-Meisterschaften am Wochenende in St. Johann. FOTOS: WURSTER Foto: Steffen Wurster
Bunter Rauch konturierte die Flugfiguren, die die Modellflug-Piloten in ihrer Königsdisziplin Freestyle zu Musik zeigten – der Abschluss der Europa-Meisterschaften am Wochenende in St. Johann. FOTOS: WURSTER
Foto: Steffen Wurster

ST. JOHANN. Der Freestyle ist die Königsdisziplin im Modellflugzeug-Kunstflugprogramm – ein Sport in vier Dimensionen. Links, rechts, rauf und runter, vorwärts und rückwärts, und dazu kommt noch die Synchronisation der Flugfiguren mit der Hintergrundmusik. Da gilt es, die Taktwechsel im Walzer oder dem Stück aus der Rockoper vorweg zu denken.

Zum Abschluss der Europameisterschaften European Acro Cup (EAC) in Upfingen traten die Piloten in der freien Klasse an, um in vier Minuten alles zu zeigen, was sie und ihr Gerät können. An den drei Flugtagen auf dem Vereinsgelände Eichhart hoch über der St. Johanner Teilgemeinde stellen sich insgesamt 35 Teilnehmer den drei Pflichtdisziplinen, neun davon trauten sich an die Kür.

Ausgerichtet wurde die EM schon zum zweiten Mal vom kleinen, aber aktiven Modellflugverein (MFV) St. Johann. Vereinsvorsitzender Tobias Scheiber konnte seine 35 Mitglieder und zahlreiche Freunde, Verwandte und Ehepartner für die drei Tage in die Pflicht nehmen. Dabei hat der Verein, der dieses Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert, mit dem Neubau des Vereinsheims schon genug zu tun, lacht Scheiber.

Ballett der Flieger

Die Mühe hat sich gelohnt, es war atemberaubend, zu sehen, was mit Modellflugzeugen zu machen ist. Die Musik wird beim Freestyle von den Piloten selbst zusammengestellt. Die Flugfiguren sollen den Melodien folgen, aus einer Flugschau wird so ein Soloballett. Harte Beats zu harten Wendungen, weiche Melodien zu raumgreifenden Flugfiguren – so wird aus Musik und Maschine eine Einheit. Die Fluggeräte schrauben sich in den Himmel, stürzen auf das Flugfeld zu, brausen im Tiefstflug über den Rasen, tanzen sogar auf dem Schwanz stehend auf der Stelle. Loopings sind Standard, meist wird auf dem Rücken geflogen – den Kunststoffpiloten wird’s in ihrer Kabine ja nicht schlecht.

Höchste Konzentration war gefragt.
Höchste Konzentration war gefragt. Foto: Steffen Wurster
Höchste Konzentration war gefragt.
Foto: Steffen Wurster

Die besonderen Gegebenheiten in St. Johann machten den Fliegern das Leben schwer. Die kurze Landebahn erfordert viel Gefühl bei der Landung, und der niedrigere Luftdruck auf 850 Meter Höhe kostet Leistung, daran müssen sich die Unterländer erst gewöhnen. Nicht jeder schaffte das, ein Teilnehmer konnte den Flieger erst kurz vor dem Boden abfangen, ein Gerät landete auf der Nase. Die Zuschauer konnten sich hinter dem übermannshohen Fangzaun einigermaßen sicher fühlen.

Die Hochleistungsgeräte reagieren auf millimeterkleine Bewegungen der Sticks auf der Fernsteuerung. »Am Flug kann man erkennen, ob der Pilot nervös ist. Das Zittern überträgt sich auf die Steuerung und dann auf das Flugzeug«, weiß William Kiehl, der für den Deutschen Modellfliegerverband (DMFV) den Wettbewerb organisiert hat.

Um die Flugfiguren zu konturieren, setzen die Starter Rauchpatronen ein, nach mehreren langsamen Figuren verschwindet da das Flugfeld schon mal im bunten Nebel. Vom Flugzeug abgefeuerte Leuchtkugeln erhöhen die Dramatik zusätzlich. Sprecher Holger Langer vom MFV brauchte das Publikum nicht extra zu Beifall motivieren. Sonst führte er sachkundig durch die Vorführungen und brachte den Laien die Feinheiten des Luftsports nahe.

Teurer Spaß

Fliegen ist nicht billig, auch das Modellfliegen nicht. 8 000 bis 10 000 Euro kostet ein Gerät, das in der Spitzenklasse mithalten kann. Und »eines reicht nie«, spricht Sprecher Langer aus Erfahrung. Dazu kommt ein Hänger, sonstige Ausrüstung und jede Menge Edel-Zweitaktsprit. So ungefähr 1,5 Liter verbrennen die Hochleistungsmotoren in vier Minuten Kunstflug.

Die Top-Piloten bringen es auf 400 bis 500 Flugstunden pro Jahr, da fließt einiges durch die kleinen Tanks. Dafür wird auch einiges geboten: drei Meter Spannweite. 200 Kubikzentimeter Hubraum, Zweizylinderboxermotoren, ein Startgewicht zwischen 20 und 25 Kilogramm, 20 PS Leistung, gut ein PS pro Kilogramm. »Ein Durchschnittspilot kann mit den Modellen vielleicht noch starten, beim Landen wird es schwierig«, schätzt Kiehl die Leistung ein.

Deswegen durfte sich der Nachwuchs im Anschluss noch ein bisschen unter Aufsicht austoben. Und auch das war sehenswert: »Da sind sicher einige Meister dabei«, hoffte Sprecher Langer. (GEA)