SONNENBÜHL. Die Betriebs- und Personalkosten für die Kindergärten in Sonnenbühl sind wie auch in anderen Kommunen hoch. Deshalb stehen in den meisten Gemeinden landauf landab Erhöhungen der Kindergartenbeiträge auf der Agenda. Die Empfehlung der kommunalen Landesverbände wie auch der Kirchen lautet, einen Kostendeckungsgrad von 20 Prozent anzustreben. Das wird in Sonnenbühl lang nicht erreicht. 2023 hatte der Gemeinderat beschlossen, einen Kostendeckungsgrad von 15 Prozent anzustreben. Davon war Sonnenbühl in den vergangenen zwei Jahren noch weit entfernt, und auch eine erneute Anpassung fürs Kindergartenjahr 2025 würde realistisch nur für einen Kostendeckungsgrad von zehn bis zwölf Prozent sorgen. Denn nicht alle Kindergartenplätze sind durchgehend bis zum Ende des Kindergartenjahrs besetzt, die Nachbesetzung von Plätzen dauert länger, und es muss mehr Personal eingestellt werden, was neue Kosten verursacht.
»Wir sind von 100 Prozent Betreuungszeit in Genkingen extrem weit weg«, sagte der Elternbeiratsvorsitzende Florian Maier, der in der Sitzung Rederecht erhielt. Bevor neue Gebühren beschlossen würden, sollte zunächst geschaut werden, wie man die Betreuungszeiten aufrechterhalten könne, lautete sein Appell. Die würden zu häufig verkürzt oder Eltern verzichteten in Zeiten von Personalausfällen freiwillig darauf, ihre Kinder in die Kita zu bringen, damit andere die benötigte und vorhandene Betreuungszeit ausnutzen könnten. »Wir sollen zusammen gucken, ob wir am gesamten System etwas ändern können«, das Personal, das da ist, flexibler und sinnvoll einzusetzen, um Ausfallzeiten zu minimieren, so sein Wunsch.
»Den Zeitpunkt für eine Gebührenerhöhung finde ich mehr als unangemessen«
Die vorgeschlagene Gebührenerhöhung sei moderat, sagte Gemeinderätin Nadine Carle, »den Zeitpunkt finde ich aber mehr als unangemessen« angesichts der Probleme in den Sonnenbühler Einrichtungen und der Vakanz in der Fachbereichsleitung. Die Eltern kämen der Gemeinde entgegen, ließen ihre Kinder zu Hause, das werde ihnen nicht vergütet, und die Verwaltung erhöhe nun die Gebühren und »wir wissen jetzt nicht, ob wir im kommenden Kindergartenjahr zum 1. September die Qualität gewährleisten können, für die die Eltern zahlen«. Auch die Kommunikation zwischen Verwaltung und Eltern beurteilte sie als schlecht. Für die CDU-Fraktion stellte sie den Antrag, den Tagesordnungspunkt auf die Sitzung am 9. Oktober zu vertagen und dort über eine Erhöhung der Kindergartengebühren zum 1. November zu beschließen. Die neue Sachgebietsleitung komme im Oktober, dann müsse ein neues Konzept erarbeitet werden, damit es nicht mehr zu solchen Situationen wie in der Vergangenheit komme.
»Den Verzicht der Eltern und ihr Entgegenkommen wissen wir zu schätzen«
»Den Verzicht der Eltern und ihr Entgegenkommen wissen wir zu schätzen«, sagte Bürgermeister Uwe Morgenstern. »Das Hauptanliegen der Eltern ist die Verlässlichkeit.« An der Gebührenerhöhung zum jetzigen Zeitpunkt wollte er - wie andere Gemeinderäte - festhalten, machte aber einen anderen Vorschlag. Seit April wurden unter anderem die Anwesenheitszeiten von Jungen und Mädchen im Kindergarten Sonnenschein in Willmandingen reduziert, sie konnten nur an vier Tagen die Einrichtung besuchen, an zwei Tagen war die Kita nur bis mittags geöffnet, ein Mittagessen gab es dann auch nicht. Im Kindergarten Mäusenest in Genkingen konnte für Ganztagskinder an einem Nachmittag in der Woche keine Betreuung angeboten werden. Im Juni hatte der Gemeinderat beschlossen, die Gebühren für Juli entweder ganz oder zur Hälfte je nach gebuchtem Modell zu erlassen, in Willmandingen für alle Modelle, in Genkingen fürs betroffene Ganztagsmodell. Morgensterns Vorschlag: Den Gebührenerlass in Genkingen auf alle Modelle auszuweiten.
Für Nadine Carles Antrag stimmten vier Gemeinderäte, der Rest dagegen. Mit einer Gegenstimme wurde Morgensterns Vorschlag angenommen, außerdem die Gebührenerhöhung zum Kindergartenjahr 2025/2026 bei vier Gegenstimmen. (GEA)

