HOHENSTEIN-OBERSTETTEN. Ein Vierteljahrhundert gelebte Nachwuchsarbeit, Kameradschaft und Vorbereitung auf den späteren Einsatzdienst liegt mittlerweile hinter der Jugendfeuerwehr Hohenstein, die im Jahr 2000 ins Leben gerufen wurde und seither viele Jugendliche ausgebildet und in die verschiedenen Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr Hohensteins übergeleitet hat. Immer am letzten Freitag im Monat treffen sie sich abwechselnd entweder im Feuerwehrgerätehaus Eglingen, Ödenwaldstetten, Bernloch, Meidelstetten oder Oberstetten. So auch an diesem Abend mit der letzten Übung im Jubiläumsjahr.
Einige der 25 jungen Feuerwehrleute fehlen zwar, aber 14 Elf- bis 17-Jährige sind schon gekommen, weil Dabeisein einfach Spaß macht und weil sie die Jugendfeuerwehr ernst nehmen. Jetzt stehen sie aufgereiht zur Anwesenheitskontrolle, dann werden sie von ihren Betreuern in drei Gruppen aufgeteilt. Ein routiniertes Ritual. Bis zu zehn Freiwillige – zwei aus jeder Hohensteiner Feuerwehrabteilung – sind für die Jugendausbildung zuständig. Denn Kirchturmdenken, so betont Markus Steinhilber, der bereits seit 24 Jahren mit dabei ist, gibt es hier nicht. »Wir üben in allen Ortsteilen und an allen Fahrzeugen mit dem ganzen Pool an allen Übungsobjekten und legen großen Wert auf das Miteinander.«
Die Zahl der Jugendlichen fiel nie unter 20
Die Betreuer treffen sich mehrmals im Jahr, um den Ablauf der Übungen zu besprechen. Das und die Abende selbst, so sagt Steinhilber, sei »zeitaufwendig und mental anstrengend«, aber auch sehr befriedigend. Vor allem, wenn man später miterleben darf, dass Jugendliche in die aktive Wehr übertreten und bereit sind, Menschen in Notlagen zu helfen. »Das ist für mich immer wieder von Neuem ein Antrieb.«
Heute steht Fahrzeugkunde auf dem Programm, kombiniert mit einer der klassischen Grundübungen: dem Legen einer Saugleitung. Romy stellt sich dabei sehr geschickt an, bekommt hier und da noch Tipps von Markus Steinhilber. Denn ohne solches Wissen und ohne Grundlagen geht es nicht. Sogar eine 24-Stunden-Übung gab es im vergangenen Jahr, bei der insgesamt fünf Übungsszenarien – darunter Löschangriffe, technische Hilfeleistungen und Personensuchen mit Wärmebildkameras - durchgespielt wurden. »Wiederholungen sind wichtig«, betont auch Jugendleiter Christoph Knupfer, der von einer guten Resonanz der Jugendlichen in den vergangenen 25 Jahren erzählt. Bisher sei die Zahl der Mitglieder nie unter 20 Jungen und Mädchen gefallen, lediglich in den verschiedenen Ortsteilen habe es Schwankungen gegeben.
Übungsabende bereiten auf den aktiven Feuerwehrdienst vor
Natürlich sind diese Übungsabende eine hervorragende Vorbereitung auf den aktiven Feuerwehrdienst. Sie sind für die Jugendlichen aber auch Treffpunkt, Lernort und Lebensschule zugleich. Zwischen den Übungen wird gelacht, über die letzte gemeinsame Unternehmung gesprochen und Pläne für die Zukunft geschmiedet. Die Kameradschaft, die hier wächst, bleibt oft viele Jahre bestehen, nicht selten bis in den aktiven Dienst in den jeweiligen Abteilungen. Denn wenn der Nachwuchs mit 17 Jahren in die Einsatzabteilung wechselt und an Übungen teilnehmen darf, bringt er solide Kenntnisse mit und ist bestens auf die anstehende Grundausbildung vorbereitet. Außerdem wissen die Jugendlichen, was es heißt, sich aufeinander zu verlassen, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam Herausforderungen zu meistern.
Seit vier Jahren ist die 15-jährige Charlotte aus Eglingen schon dabei, gemeinsam mit ihrem Bruder Heiner trat sie in die Jugendfeuerwehr ein und hat es nie bereut. Das ist bei ihnen zuhause Tradition: »Unser Vater ist Feuerwehrmann und unser Opa war es auch.« Für den 13-jährigen Jonas aus Ödenwaldstetten steht jetzt schon fest: »Ich werde zu 101 Prozent in die aktive Feuerwehr gehen.« Schon in den zurückliegenden zwei Jahren habe er viele Sachen gelernt, die man fürs Leben braucht: »Zum Beispiel, wie man einen Feuerwehrlöscher benutzt und wie man Erste Hilfe leistet.« Gemeinsam mit seinen Kameraden steht er nun vor dem großen Fahrzeug und inspiziert die Ausstattung. Alles wird erklärt und später abgefragt. Das zeigt, wie viel Wert auf Verständnis und Wiederholung gelegt wird.
Rückblick auf zahlreiche Aktivitäten
Währenddessen kämpfen Romy und Charlotte immer noch mit der Saugleitung. Sie heben die schweren Schläuche an, verbinden Kupplungen, kontrollieren Dichtungen. Die Betreuer stehen daneben, aufmerksam und zurückhaltend. Die Jugendlichen sollen zunächst selbst ausprobieren und Fehler machen dürfen, erst dann werden hilfreiche Hinweise gegeben.
Bald schon neigt sich ihr Jubiläumsjahr dem Ende zu, wieder kann die Jugendfeuerwehr Hohenstein auf viele Bewirtungsaktionen und Ausflüge zurückschauen. Sie durften SchwörerHaus besichtigen, sich über den Brandschutz im Unternehmen informieren und gleichzeitig erfahren, welche Ausbildungsmöglichkeiten es dort gibt. »So etwas wollen wir künftig auch noch in anderen Betrieben machen«, sagt Steinhilber. Auch gemeinsame Übungen mit Jugendfeuerwehren von Nachbargemeinden haben bereits stattgefunden und dienen dazu den Blick zu weiten. (GEA)


