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Aktuell Büttenreden

Johannes-Dienst an der Windel

Schwung, Spaß und einige Giftpfeile in Richtung Kommunalpolitik beim Bürgerball in Gammertingen

Auch Zunftmeister Harry Vojta durfte eine Runde Bob mitfahren. FOTO: THIEL
Auch Zunftmeister Harry Vojta durfte eine Runde Bob mitfahren. FOTO: THIEL
Auch Zunftmeister Harry Vojta durfte eine Runde Bob mitfahren. FOTO: THIEL

GAMMERTINGEN. Ein Höhepunkt der Gammertinger Hausfasnet ist der Bürgerball. Die Alb-Lauchert-Halle war fast komplett gefüllt und alle, die kamen, hatten mitgebracht, was zu einer zünftigen Fasnetsveranstaltung gehört: gute Laune. Besonderheit des Abends war die Verleihung der silbernen Ehrennadel an Katzenmusikdirigent Thomas Butzengeiger sowie dessen Ernennung zum »Ehrenkatzenmusikantendirigenten«.

Moderatorin Irene Bögle alias »Bontschie« führte als Zirkusdirektorin gekonnt durchs Programm und glänzte zwischen den Auftritten mit Witzen und kleinen Anekdötchen. Der Fanfarenclub Gammertingen marschierte mit Zunfträten und Hästrägern in die Halle ein und brachte gleich gute Stimmung mit. Auch Zunftmeister Harry »Schorsch« Vojta stelle erfreut fest, dass die Halle sehr gut gefüllt war: »Unsere Anstrengungen in der Vergangenheit haben sich gelohnt.«

Polizist Brolde alias Karl-Josef Bögle hielt die Stimmung am Kochen. Mit seiner Interpretation von Goethes »Erlkönig« sprach er stadtpolitische Themen an. Ob Dauerparker, Umweltverschmutzung mit Quecksilber, Zunftmeister Schorschs misslungener Kochversuch mit anschließendem Feuerwehreinsatz oder die denkmalgeschützte Stadtmauer im Unser (die eh keiner sieht) – der Brolde nahm kein Blatt vor den Mund. Ebenso wenig wie Büttenredner Josef Sauter, der als Haushaltshilfe buchstäblich durch den Saal fegte und die Sauereien ansprach, die er entsorgen müsse in Gammertingen und auf der Alb. Viel zu erzählen hatte auch der Bruddler Wolfgang Göckel. Natürlich konnte er sich nicht verkneifen, einige Giftpfeile in Richtung Schultes und Gemeinderat abzuschießen. Ob Ärzteproblem, Bäckereienüberschuss oder der Weihnachtsmarkt am falschen Platz: Göckel (auf Englisch Chicken) sprach’s an. Er lobte aber des Schultes’ Sprössling Johannes, denn der sei beim Stadtempfang aktiver gewesen als sein Vater während der ganzen Woche im Rathaus.

Nicht fehlen durften natürlich Jakob und Karle, die beiden Gammertinger Straßenkehrer Karl-Heinz Hebeisen und Udo Rapp. Den zwei stellvertretenden Bürgermeistern unterstellten sie, dass sie vom Schultes zum »Johannes-Dienst« eingeteilt wurden: Sie müssen Windeln wechseln. Dass das Lauchertbrückle bei der Stadtmühle nun endlich fertig sei, wurde besonders gelobt.

Stabwechsel auf der Bühne

Die Zumba-Teens, 20 Mädchen und ein Junge im Alter von 9 bis 13 Jahren, sorgten mit ihren gruseligen Kostümen für viel Aufmerksamkeit. Mit ihrer Version von »Thriller« lagen sie goldrichtig – ein wirklich toller Auftritt der Gruppe von Manuela Schmelcher-Baier. Die Mitglieder der Tanzwerkstatt Gammertingen unter der Regie von Gunter Grüninger – 13 Mädchen zwischen 13 und 17 – zeigten, was sie tänzerisch alles gelernt hatten. Ein Medley aus den 70er-Jahren war das Thema der Bronnener »Quelldancer«. Die Jungs vom Bauwagen fegten mit Schwung über die Bühne und lösten so ein Versprechen an den Zunftmeister ein.

Zwischen Tanzgruppen und Büttenrednern marschierte die Katzenmusik unter der Leitung von Thomas »Butzi« Butzengeiger ein. Für ihn gab es einige Überraschungen. Für 30 Jahre als Katzenmusikchef wurde er von der Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte (VFON) geehrt und von den Katzenmusikern zum Ehrendirigenten ernannt. Noch auf der Bühne übergab »Butzi« den Stab an Gianluca Bonanno, der dann den Auftritt zu Ende dirigierte.

Kurz vor Mitternacht war das kurzweilige Programm zu Ende, und zu den Klängen von »Amazing train« wurde bis in die frühen Morgenstunden getanzt. (GEA)