ZWIEFALTEN. Hätte die Deutsche Bahn das schwere Unglück zwischen Riedlingen und Zwiefalten verhindern können? Das antwortet eine Bahnsprecherin auf die GEA-Anfrage:
Woher bekommt die Deutsche Bahn ihre Wetterinformationen?
Informationen über bevorstehende Naturereignisse mit erwartbaren erheblichen Auswirkungen auf den Bahnbetrieb erhält die DB vom Deutschen Wetterdienstes (DWD), so eine Bahnsprecherin. Zusätzlich nutze die DB die Prognosedaten eines privaten Dienstleisters. In der Praxis arbeiten sowohl die Netzleitzentrale als auch die Betriebszentralen sehr eng mit dem DWD zusammen. Dies geht von regelmäßigen täglichen Telefonaten mit dem DWD bis hin zu Beratungsgesprächen bei drohenden Naturereignissen wie beuspielsweise einem Sturm.
Wie reagiert die Fahrdienstleitung auf ein schweres Unwetter?
Je nach Ausmaß kann die fahrplanmäßige Geschwindigkeit reduziert werden, der Verkehr auf einzelnen Strecken oder gesamthaft eingestellt werden, so die Pressemitteilung. In enger Abstimmung entscheiden dies DB InfraGO und die Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU).
Wie werden Bahnstrecken auf ihre Sicherheit hin kontrolliert?
Die DB InfraGO hat schon seit vielen Jahren eigene Messfahrzeuge zur Bestimmung der Stabilität der Fahrbahn im Einsatz. Seit 2020 werden auf zahlreichen Strecken eine große Menge an Daten mittels Sensoren an der Infrastruktur der DB live erfasst, sodass die Bedingungen auf der Strecke punktuell stets bekannt sind und auch dokumentiert werden. So wird zum Beispiel die Temperatur an den Schienen oder in Stellwerken gemessen oder die verschiedenen Bauteile von Brücken, Bahnübergängen oder Erdkörpern überwacht, damit schnell reagiert werden kann, wenn sich Mängel erkennbar machen. Seit 2017 werden zusätzlich Befliegungsdaten (Drohnen) genutzt, um speziell die Vegetation im und am Gleis zu monitoren. Seit den frühen 2020ern gibt es außerdem auch Auswertungen von Satellitendaten und Streckenvideos.
Wie konnte das Unglück in Riedlingen dennoch passieren?
»Eine lückenlose Rund-um-die-Uhr-Überwachung des gesamten Schienennetzes von über 33.000 Kilometer ist in der Praxis jedoch nicht möglich«, bedauert die Bahnsprecherin.
Wie passt die Bahn ihr Sicherheitskonzept an die neuen Wetterphänomene an?
»Um sich für die Auswirkungen des Klimawandels zu wappnen, hat die DB eine Vielzahl technischer, organisatorischer und personeller Maßnahmen getroffen«, so die Sprecherin . Insbesondere eine robustere Infrastruktur, Technik und Fahrzeuge stehen dabei im Fokus. Trotz aller Vorbereitungen werde es allerdings auch künftig Wetterextreme geben, bei denen es zu großen Auswirkungen kommen wird, gibt sie zu Bedenken.
Was sagt ein unabhängiger Wetterexperte?
»Derartige Warnungen gibt es öfter. Die Bahn kann nicht jedes Mal den gesamten Zugverkehr einstellen, wenn eine Warnung ausgesprochen wird. Wir konnten auch nicht exakt voraussagen, an welcher Stelle diese 50 oder 60 Liter Regen in der Spitze fallen. Deshalb mache der Bahn keinen Vorwurf.«, sagt Roland Roth von der Wetterwarte Süd in Bad Schussenried der Schwäbischen Zeitung.
Wann kam es zuletzt zu ähnlich großen Bahnunglücken und was war die Ursache?
Am 11. März 2025 kollidiert an einem unbeschrankten Bahnübergang bei Ubstadt-Weiher (Landkreis Karlsruhe) eine Stadtbahn mit einem Heizöl-Tanklastwagen. Die Stadtbahn-Fahrerin sowie zwei Fahrgäste kommen ums dabei Leben.
Am 24. Mai 2022 erfasst ein Zug mit 72 Passagieren auf einem Bahnübergang bei Blaustein (Alb-Donau-Kreis) einen Linienbus, in dem sich zu diesem Zeitpunkt keine Fahrgäste befinden. Der Bus gerät in Brand, der Zug entgleist. 13 Personen werden zum Teil schwer verletzt.
Am 15. Januar 2021 rast an einem unbeschrankten Bahnübergang in Gomadingen in ein Müllfahrzeug. Ein Zugbegleiter wird schwer und der Triebfahrzeugführer leicht verletzt. Am 2. April 2020 stürzt ei Abbrucharbeiten an einer Brücke ein über 100 Tonnen schweres Beton-Element auf die Rheintalbahn bei Auggen (Breisgau-Hochschschwarzwald). Ein Güterzug, der Lastwagen geladen hatte, kollidiert mit dem Betonblock, der Lokführer stirbt. (GEA)

