ST. JOHANN. Mit einem Rüffel für abwesende Räte begann am Mittwochabend die Sitzung des St. Johanner Gemeinderats im Würtinger Rathaus: Bürgermeister Florian Bauer machte – mit einem Blick auf die vielen leeren Stühle in der letzten Sitzung des Jahres – aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Schließlich stünden die Gemeinderatstermine schon das ganze Jahr über fest. Das müsse einem das Ehrenamt trotz Vorweihnachtszeit Wert sein.
An den Themen kann es nicht gelegen haben, denn mit dem Umbau und der Sanierung der Werkrealschule zu einer funktionsfähigen Ganztagsschule stand das »größte Bauprojekt der Gemeinde« zur finalen Diskussion. Die Kosten summieren sich auf rund 6,7 Millionen Euro. Vorgestellt wurde das Megaprojekt von Matthias Ott vom gleichnamigen Architekturbüro in Laichingen.
Kernstück des Umbaus ist der sogenannte Mitteltrakt. In diesem zu erweiternden Bereich soll laut Ott künftig die Ganztagsbetreuung stattfinden. »Dies ist die Hauptbaumaßnahme. Es soll das Herz der Schule werden«, hob der Architekt hervor. Selbstverständlich werde für das Gebäude Barrierefreiheit hergestellt, ein Aufzug eingebaut, da ansonsten ja keine Fördergelder genehmigt würden.
Container für den Übergang
Das Hanggeschoss, in dem bis Ende 2023 das Lehrschwimmbecken betrieben wurde, werde komplett entkernt, die Technik entfernt, das Becken mit Styropor verfüllt. Dort sollen künftig die Küche und der Essbereich für die Schüler, sprich die Mensa, untergebracht werden.
Unterrichtet werden die Schüler Otts Worten zufolge während der Bauphase in einem Interimsgebäude, vorgesehen ist eine Containerlösung, zu der auch eine Toilettenanlage mit Abstellräumen gehören wird. Ott betonte, dass bei allen Maßnahmen die Belange der Schule mit eingeflossen seien, was der anwesende Schulleiter Thomas Heidt gerne bestätigte. Der Mitteltrakt, der neu und etwas höher gebaut werde, erhält Otts Worten zufolge eine Holzdachkonstruktion. Für besseres Raumklima ist eine Fußbodenheizung vorgesehen sowie LED-Technik. Ott skizzierte dann den Ablauf des Bauvorhabens: Im Frühjahr 2026 soll der Bauantrag gestellt werden, der Baubeginn wäre dann im Frühjahr 2027.
Die Nachfrage aus dem Ratsgremium, ob nicht schon im Herbst nächsten Jahres begonnen werden könne, verneinte Ott. Ein Baubeginn in den Winter hinein sei nicht zielführend.
Lang war anschließend die Liste der Gewerke, die der Architekt erläuterte. Die größten Brocken sind die Abbrucharbeiten, die mit etwas mehr als 240.000 Euro zu Buche schlagen, und die Roh- und Erdbauarbeiten für rund 470.000 Euro. Die Umgestaltung der umfangreichen Außenanlagen kostet 492.000 Euro, knapp 870.000 Euro fallen für Planungskosten an und für die Container müssen knapp 400.000 Euro aufgewendet werden. Die Baunebenkosten liegen bei 1,1 Millionen Euro. Für Unvorhergesehenes sind rund 50.000 Euro veranschlagt. Baupreissteigerungen sind nicht enthalten. »Das wäre wie das Lesen in einer Glaskugel«, erklärte Ott.
Sinnvolle Maßnahmen ergänzt
Im Vergleich zur Kostenschätzung vom April 2024 (6,56 Millionen Euro) sind die Kosten um rund 142.900 Euro gestiegen. Dies resultiert neben der allgemeinen Baupreissteigerung im Wesentlichen aus zusätzlichen, im Zuge der vertieften Planung als sinnvoll erkannten Maßnahmen, darunter insbesondere die Sanierung der Grundleitung, die Installation einer Durchsageanlage, die Vergrößerung der zu sanierenden Hoffläche sowie die Sanierung der Fernwärmeleitungen unterhalb der betroffenen Hofflächen.
Gemeinderat Michael Heinz wollte wissen, ob der Förderzuschuss für den Ausbau der Grund- und Werkrealschule zur Ganztagsschule in Höhe von 3,9 Millionen Euro gedeckelt sei? »Bei einer massiven Erhöhung des Endpreises kann ein Antrag auf Erhöhung gestellt werden«, sagte Kämmerer Manuel Reiner. Dass der Antrag bewilligt werde, sei jedoch eher unwahrscheinlich.
Bürgermeister Florian Bauer informierte über eine zusätzliche finanzielle Unterstützungsmöglichkeit: Die Gemeinde kann für Sanierung und Neubau 500.000 Euro aus dem Ausgleichsstock des Landes beantragen, was sie für 2026 tun werde. »Die Zuschusskulisse ist insgesamt beachtlich«, betonte er.
»Der Bau wird uns zwar viel Zeit, Nerven und Geld kosten, aber er ist ein Meilenstein für die Schule und für St. Johann«, schloss Bauer, ehe mit einer Enthaltung der Entwurfsplanung zugestimmt wurde. (GEA)

