GOMADINGEN-OFFENHAUSEN. Inmitten des Gestütshofs Offenhausen, direkt an der Lauterquelle, steht die im 14. Jahrhundert erbaute gotische Kirche des ehemaligen Dominikanerinnenklosters Maria Gnadenzell. Gottesdienste wurden dort bis 1812 zelebriert, bevor das Gebäude als landwirtschaftliche Lagerhalle diente. Seit 1987 ist dort das Gestütsmuseum beheimatet, das Ende des Monats in die neue Saison startet.
Vergangenes Jahr wurde die Ausstellung in die Lange Scheuer in Marbach beim Haupt- und Landgestüt ausgelagert. Grund dafür ist die Baustelle rund um den Gestütsgasthof in Offenhausen, die den Zugang zur Klosterkirche erschwerte. Inzwischen sind dort die Arbeiten (fast) abgeschlossen. Das Restaurant soll, nach zwölf Jahren Pause und aufwendiger Renovierung, nächsten, spätestens übernächsten Monat wieder seine Pforten öffnen, so ist zu hören.
Eröffnung am kommenden Sonntag
Die Türen zum Gestütsmuseum öffnen sich bereits am kommenden Samstag, 25. Mai. Die wechselvolle Geschichte der Pferdezucht in Marbach lässt die Ausstellung auf zwölf Schautafeln eindrucksvoll und interessant Revue passieren. Die Geschehnisse dort werden immer vor dem Hintergrund der jeweiligen Zeitgeschichte betrachtet.

Die entscheidenden Umbruchpunkte, die Phasen des Erfolgs und die Katastrophen, die das Gestüt immer wieder getroffen haben, sind auf zwei Stockwerken dokumentiert. Die Jetztzeit und die Perspektiven für die Zukunft werden ebenfalls angesprochen. Immer wieder standen die 25 Chefs und seit 2007 erstmals auch eine Chefin, Landoberstallmeisterin Astrid von Velsen-Zerweck, vor der nicht einfachen Aufgabe, den ältesten deutschen Staatsbetrieb neu auszurichten.
Wie das Gestüt früher ausgesehen hat, ist auf einem alten Stich zu sehen, der auf 1790 datiert ist. Die erste Fotografie stammt aus dem Jahr 1871. Zu sehen sind auch Kutschen, historische Sättel, ein rund zwei Millionen Jahre alter Pferdeschädel, das Skelett des berühmten Araberhengstes Bairactar sowie Brenneisen für Brandzeichen aus Marbach, die dort seit 2011 nicht mehr zum Einsatz kommen.
Schmuckstück interaktive Wand
Schmuckstück ist die neue interaktive Wand, die mit vielen Sensoren ausgestattet ist. Sie reagiert auf Berührungen und liefert alle nur erdenklichen Informationen, nicht nur mit Texten, sondern auch mit Fotos, Grafiken und Animationen, informiert Harald Lorenz, der Vorsitzende des rund 100 Mitglieder zählenden Museumsvereins Klosterkirche Offenhausen. Stellvertreter Roland Dörr erinnert daran, dass die 70.000 Euro teure Anlage das Biosphärengebiet Schwäbische Alb spendiert hat. Neu ist auch, dass man über die QR-Codes an den Exponaten weitere Informationen mit dem Smartphone abrufen kann.
Gomadingens Bürgermeister Klemens Betz, der kraft Amtes, wie auch die Leiterin des Haupt- und Landgestüts, Vorstandsmitglied ist, ergänzt, dass das Museum nach wie vor ohne Zuschüsse aus der Gemeindekasse auskomme. Die Arbeit in und um die Ausstellung werde ehrenamtlich erledigt. Geld in die Vereinskasse fließe nicht nur durch die Eintrittsgelder der mehreren Tausend Besucher pro Jahr, sondern auch durch Konzerte, Vorträge, Ausstellungen und einem Stand bei der Hengstparade.
Gestütsmuseum
Das Gestütsmuseum Offenhausen hat von Ende Mai bis Ende Oktober dienstags bis donnerstags von 14 bis 17 Uhr, samstags von 13 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Gruppen können, nach Voranmeldung, auch außerhalb der Öffnungszeiten vorbeischauen. Weitere Infos gibt es bei der Tourist-Information Gomadingen, Telefon 0 73 85 96 96 33, oder unter www.Gomadingen.de im Internet. Der Eintritt beträgt drei Euro, Kinder und Jugendliche bezahlen zwei Euro. Die Familienkarte kostet sechs Euro. (lejo)
Der mittelalterliche Klostergarten mit 30 Beeten gegenüber des Museums und ein Spaziergang zur nahe gelegenen Lauterquelle runden einen Besuch in der ehemaligen Kirche ab, macht der Schultes Reklame. Direkt neben der Lauterquelle stehen die Reste der im 14. Jahrhundert erbauten Klostermühle, an die im 19. Jahrhundert ein Pumpenhaus angebaut wurde, um die Wasserversorgung des Landgestüts sicherzustellen. Diese Anlage wurde 1975 stillgelegt und 2006 wieder in Betrieb genommen. Sie versorgt heute knapp zwei Dutzend Haushalte mit Strom. (GEA)

