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Gammertinger Europastraße wird zur Bundesstraße

Die Gammertinger Europastraße ist de facto bereits die Verlängerung der B32, bald wird sie es offiziell. Damit bekommt die Kommune mehr Spielraum bei der Innenstadtgestaltung im Bereich der »alten« Bundesstraße.

Der Belag der  Europastraße muss erneuert werden .
Der Belag der Europastraße muss erneuert werden . Foto: Lutz Ingenieure
Der Belag der Europastraße muss erneuert werden .
Foto: Lutz Ingenieure

GAMMERTINGEN. Gammertingen hat schon lange einen Herzenswunsch: Hohenzollern- und Hechingerstraße sollen zur Gemeindestraße werden, bisher gehören sie zur B32. Dafür soll die Europastraße, die schon jetzt die Hauptverkehrsachse ist, zur Bundesstraße umgewidmet werden, wie es im Amtsdeutsch heißt. Auf der Europastraße bewegen sich laut Verkehrszählung täglich 8.000 bis 10.000 Fahrzeuge, auf der »alten« B32 sind es gerade einmal zwischen 1.000 und 2.000. Die gut ausgebaute und vergleichsweise gerade verlaufende Europastraße ist Hauptverkehrsachse hoch zu den Wohn- und Gewerbegebieten und weiter gen Albstadt. Die alte B32 schlängelt sich dagegen idyllisch den Laucherttalhang hinauf, bis sie sich im Gewerbegebiet mit der Europastraße vereint.

Es war also schon lang naheliegend, die Straßenklassifizierung zu tauschen, trotzdem hat es gedauert. Seit 2013 laufen die Verhandlungen zwischen dem Regierungspräsidium Tübingen und der Stadt, jetzt scheint das Projekt auf die Ziellinie einzubiegen. Vielleicht hat dabei schlicht eine Personalie eine wichtige Rolle gespielt. Silvio Milke hat sich seitens des Regierungspräsidiums der Sache angenommen und Bürgermeister Andreas Schmidt und Planer Gerhard Lutz waren im Gemeinderat des Lobes voll über die gute Zusammenarbeit. In den vergangenen Monaten hätten sich die Gespräche deutlich konkretisiert.

Mehr Flexibilität in der Stadtmitte

Mit dem Aufstellen neuer Schilder und einer Änderung in Google Maps ist es bei einer Umwidmung nicht getan. Im Prinzip muss zur Umwidmung, dem Besitzerwechsel, die jeweilige Straße in Topzustand übergeben werden. Für die »alte« B32 innerorts macht das wenig Sinn. Sie muss künftig ja nicht mehr den Anforderungen einer Bundesstraße genügen, soll im Gegenteil eher enger und dem tatsächlichen Verkehrsaufkommen angepasst werden. Deswegen wird der Bund außerorts seine Straße noch sanieren, für den innerörtlichen Bereich wird eine Abschlagszahlung geleistet, die die Stadt dann sinnvoll einsetzen kann.

Was bringt der Wechsel? Für Gemeindestraßen gelten völlig andere Vorschriften, etwa beim Straßenquerschnitt. In den Randbereichen entlang der bisherigen B32 besteht für die Stadtplaner dann mehr Spielraum, etwa für Parkplätze oder ganz allgemein für die Gestaltung. Das wäre schon bei der Sanierung des Bereichs Stadtkern/Schlossanlage von Vorteil sowie später bei Umgestaltungen in der Hechinger Straße.

In der Europastraße sieht es ein wenig anders aus. Sie muss auf Bundesstraßenstand gebracht werden, das ist Aufgabe des Bundes. Die gute Nachricht: Die vielbefahrene Straße hat den Verkehr gut verkraftet, die Straßenbauverwaltung des Bundes kann sie ohne Umbau übernehmen. Die Stadt muss noch die Fahrbahndecke erneuern und nur an wenigen Punkten verstärken. Die Kanalisation muss auf Stand gebracht werden, außerdem sollen die Bushaltestellen barrierefrei werden.

Dicker Brocken Kanalarbeiten

Der dickste Brocken sind die Kanalarbeiten, das Ingenieurbüro Lutz hat dafür 1,3 Millionen Euro veranschlagt. Viel Geld, allerdings hätte die Stadt ihre Untergründe sowieso irgendwann sanieren müssen, sagt Bürgermeister Schmidt. Und letztlich wird die Instandhaltung von den Nutzern bezahlt - Wasser- und Abwasserversorgung müssen kostenneutral sein, dürfen die Gemeindekasse nicht belasten -, umgelegt auf 50 Jahre, beruhigte Kämmerer Siegfried Hagg. Für die Erneuerung der Fahrbahndecke fallen weitere 1,1 Millionen Euro an. Der Bund prüft zurzeit, ob er sich daran beteiligen kann. In welcher Höhe steht noch nicht fest, Silvio Milke stellte eine Summe von über einer Million Euro in Summe als Ablöse für die »alte« B32 und die Beteiligung an der Sanierung der Europastraße in den Raum. Auch wenn's mit der Umwidmung nichts zu tun hat, sollen die Bushaltestellen barrierefrei umgebaut werden - das ist mittlerweile Pflicht. Das soll weitere 181.475 Euro kosten, schätzt Lutz, der Bund wird mit je 20.000 Euro jede der vier Haltestellen bezuschussen.

Wie geht es weiter mit der Umwidmung? Derzeit werden die Ablöse- und die Umstufungsvereinbarung mit dem Bund erstellt. Im Herbst sollen bereits die ersten Bauleistungen für die Europastraße vergeben werden, im kommenden Frühjahr könnten die Arbeiten beginnen. Großer Tag der Umwidmung könnte der 1. Januar oder 1. April 2027 sein. Da ist Eile geboten, der Gemeinderat hat daher die Verwaltung beauftragt, die Ausschreibungen für die Erneuerung der Kanalisation auszuschreiben. (GEA)