MÜNSINGEN. Knapp zwei Jahre lang wurde in zwei Hallen in der ehemaligen Soldatensiedlung Altes Lager in Auingen gearbeitet, renoviert, gestrichen und aufgebaut. Jetzt ist es fertig, das Magirus Iveco Museum, das nun jeden dritten Sonntag im Monat von 9 bis 16 Uhr geöffnet hat.
Die Feuerwehrfahrzeuge der Ulmer Traditionsfirma Magirus gehören dem Verein Magirus Iveco Museum Ulm, der aus dem Oldtimer Club Magirus Iveco hervorgegangen ist. Die Sammlung umfasst inzwischen rund 70 Fahrzeuge und 25 Exponate aus den Jahren 1853 bis 2012. Von der Elevator-Patent-Leiter, die durch eine Seilwinde aufgerichtet und ausgezogen wird, über die Petroleum-Motorspritze, die Pferde ziehen, bis hin zur ersten automobilen Elektro-Drehleiter ist dort alles vertreten.
Bis vor knapp drei Jahren standen die Exponate im ehemaligen Werk 2 der Iveco Magirus Brandschutztechnik in Ulm. Da das Unternehmen, das zum CNH-Konzern gehört, dem 250 Mitglieder zählenden Verein die Räumlichkeiten im Herbst 2015 wegen Eigenbedarf kündigte, mussten die Raritäten auf verschiedene Standorte verteilt werden. Dabei handelte es sich um Unterstellmöglichkeiten, die keinen Publikumsverkehr zugelassen haben, erzählt Vorsitzender Peter Burkhart.
Schauwerkstatt wird eingerichtet
Seit ein Teil der Sammlung im Alten Lager steht, kann er wieder lachen. Franz Tress, der Investor von Albgut, der die ehemalige Barackensiedlung derzeit zu einer Wohlfühlwelt umgestaltet, stellte dem Verein aus Ulm zwei Hallen zur Verfügung. Seit eineinhalb Jahren stehen die roten Fahrzeuge und die Tragkraftspritzen von 1933 bis 1966 im hölzernen Gebäude mit der Bezeichnung S3. In der Vergangenheit konnten sich die Ausstellung bereits angemeldete Gruppen und Besucher der Verbrauchermesse schön & gut ansehen.
Weitere Feuerwehrautos von anno dazumal sind außerdem in der ein paar Schritte entfernten ehemaligen Panzerhalle AT5 zu bewundern. Dort gibt es noch separate Räume, in denen Motoren, Schnittmodelle, Zylinderköpfe, Bremskraftverstärker, Modellfahrzeuge, alte Plakate und vieles mehr Platz gefunden haben. »Etwa die Hälfte der Sammlung steht jetzt in Münsingen, der Rest in Ulm im ehemaligen Magirus-Werk und im Donautal bei Iveco«, informiert Burkhart. »Wir haben genügend Fahrzeuge, um beide Standorte bestücken zu können«, fügt der Vorsitzende hinzu, dessen Lebensaufgabe es ist, »ein Stück Ulmer Industriegeschichte unvergessen zu machen«.
In den nächsten Wochen richtet der Verein Magirus Iveco Museum Ulm im Gebäude AT5 noch eine Werkstatt ein. Mit allem, was dazugehört. Dann können sich die Besucher ein Bild machen, wie früher gearbeitet wurde.
Was viele nicht wissen: Im Münsinger Stadtteil Auingen, ein paar Hundert Meter vom Museum entfernt, hatte die Firma Magirus-Deutz von 1961 bis 1983 eine Niederlassung, in der Rohrteile angefertigt wurden. Zu Spitzenzeiten arbeiteten dort 170 Beschäftigte.
Revolutionäre Erfindungen
Magirus in Ulm baut seit 1864 Fahrzeuge und Vorrichtungen für die Feuerwehren in der ganzen Welt. Dort wurde im 19. Jahrhundert unter anderem die Ulmer Leiter entwickelt, eine zweirädrige Schiebleiter mit einer Steighöhe von bis zu 14 Metern. Das war damals eine echte Revolution, denn erstmals konnte eine Leiter im Freistand bestiegen und im ausgezogenen Zustand bewegt werden.
Bis heute fertigt Magirus in Ulm und an anderen Standorten Feuerwehrfahrzeuge wie Löschfahrzeuge, Drehleitern, Rüst- und Gerätewagen, Pumpen und Tragkraftspritzen. Die Magirus GmbH ist inzwischen Teil des CNH Industrial Konzerns, einem der weltweit größten Unternehmen im Investitionsgüterbereich, der zu den technologisch führenden Anbietern von Brandschutz- und Katastrophenschutz-Technik zählt. (GEA)
ÖFFNUNGSZEITEN
Die Magirus-Ausstellung im Alten Lager in Münsingen ist jeden dritten Sonntag im Monat von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt vier Euro. Kinder bis 14 Jahre haben freien Eintritt. Zwischen 11.30 und 16 Uhr fährt ein Shuttle-Bus zur halben und zur vollen Stunde in der Nähe der ehemaligen Königlichen Post (heute Café) ab ins Museum und zurück. Gruppen ab fünf Personen können individuelle Termine mit dem Vorsitzenden des Vereins Magirus Iveco Museum Ulm, Peter Burkhart, unter der Telefonnummer 0173 4662735 vereinbaren.

