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Fällt die Fasnet auf der Alb wegen der Corona-Pandemie aus?

Noch weit entfernt - und trotzdem schon in der Diskussion: Gesundheitsminister Manne Lucha sagte jüngst, dass Großveranstaltungen wie Weihnachtsmärkte und Fasnet eventuell auch nicht stattfinden können wegen des Coronavirus. Ist die Lage wirklich so ernst? Wir haben uns in der Region umgehört.

250 Jahre Narrenzunft Rälle Zwiefalten
Foto: Thomas Warnack
Foto: Thomas Warnack

ZWIEFALTEN. Noch sieben Monate ist die Fasnet 2021 entfernt - trotzdem könnte sie der Corona-Pandemie zum Opfer zu fallen. Manch' einem Fasnets-Fan wurde es sicher Angst und Bange, als er in den vergangenen Tagen Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha zugehört hat. Man sei weit entfernt von jeder Normalität, sagte dieser - und es könne auch sein, dass man 2020/21 auf Weihnachtsmärkte und die Fasnet verzichten müsse. Ist die Lage wirklich so ernst?

»Es ist eine verzwickte Situation«, sagt Reinhard Siegle, der Präsident der Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte (VFON), zu der auch die Zünfte aus Zwiefalten, Hayingen, Großengstingen, Steinhilben und Unterhausen gehören. Eigentlich hätten sich die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutscher Narrenvereinigungen- und verbände vor drei Wochen zum jährlichen Austausch getroffen, doch das Treffen fiel wegen Corona aus. Es soll nun im Oktober nachgeholt werden, sagt Siegle - davor werde keine Entscheidung fallen, ob Ringtreffen und Umzüge abgesagt werden. Die verschiedenen Narrenvereinigungen wollen da eine einheitliche Linie fahren, sagt er weiter, »es bringt ja nichts, wenn jeder eigenmächtig handelt«.

Närrische Großveranstaltungen benötigen eine Planung mit großem Vorlauf von mindestens einem Jahr. Die Organisation für das nächste Ringtreffen in Daugendorf-Unlingen (bei Riedlingen) im Januar läuft momentan weiter, als gäbe es kein Corona, sagt Siegle: »Wir tun erstmal so, als ob die Fasnet stattfindet.« Eins sei aber auch klar: »Fasnet isch a enge Sach'«, mit Abstandsregeln und Masken habe der närrische Spaß also keine Chance.  

Ob die Hallenfasnet stattfindet, könne man auch erst im späten Herbst entscheiden, sagt Tony Winter, der Vize-Zunftmeister der Zwiefalter Rälle. Die Hallenfasnet plane man in Zwiefalten normalerweise erst im Dezember - »das braucht also keinen so großen Vorlauf«. Zunftball mit Maske und Namensliste? Tanzen und Feiern mit Abstand? Klingt alles nicht so richtig nach der spaßigen und lockeren Fasnet, die man gerne haben will. Winter jedenfalls blickt eher verhalten auf die kommende Saison, »wenn sogar das Oktoberfest abgesagt wird«. Finanziell wäre ein Komplettausfall 2021 nicht so schlimm - denn Buskosten, Hallenmiete und andere Posten kommen die Narrenzünfte normalerweile teuer zu stehen. Eine große Einnahmequelle ist die Fasnet nicht, erklärt Winter: »Eine gute Saison läuft für uns eher gerade so kostenneutral ab.« Was die abgesagte Fasnet aber emotional für die närrischen Älbler bedeuten würde, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Präsident Siegle drückt es so aus: »Das wäre eine Katastrophe, das verdrängen wir momentan noch.« Zum einen, weil Fasnet auch eine enorme Wirtschaftskraft für die Region darstelle; man denke nur mal an Brauereien, Metzgereien, Bäckereien, Hotels, Security-Unternehmen und mehr. Was aber viel schlimmer sei: »Das ist für uns einfach ein Stück Kultur.« (GEA)