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Erpfinger Schüler: Mit Feuereifer auf der Bühne

Schüler der Johann-Ludwig-Schneller-Grundschule begeistern mit Stück um Toleranz und Freundschaft

»Irgendwie anders« mit seinem Spiegelbild.
»Irgendwie anders« mit seinem Spiegelbild. Foto: Ottmar Leippert
»Irgendwie anders« mit seinem Spiegelbild.
Foto: Ottmar Leippert

SONNENBÜHL-ERPFINGEN. »Dieser Tag wird wunderbar, guten Morgen, alles klar. Ob ich mit euch spielen kann, eins, zwei, drei, wir fangen an.« Oder doch nicht? Schließlich spricht das blaue Wesen »Irgendwie anders«, das ganz alleine auf einem Berg wohnt, nur mit seinem Spiegelbild. Weil es einfach anders und seltsam aussieht und sich von allen anderen unterscheidet, findet es nämlich keine Spielkameraden. Trotz aller Bemühungen sich anzupassen, und obwohl Irgendwie Anders von seinem Berg herabsteigt, bleibt er allein, bis eines Tages ein seltsames rotes Etwas an seine Tür klopft, das behauptet, genau wie er zu sein.

Wie alljährlich hatten die rund 40 Schüler und ihre Lehrerinnen der Johann-Ludwig-Schneller-Grundschule Erpfingen zu ihren Theateraufführungen am Donnerstag und Freitag eingeladen, und das warmherzige Abenteuer »Irgendwie anders« über Freundschaft, Akzeptanz und die Erkenntnis, dass jeder auf seine eigene Art besonders ist, begeisterte auf ganzer Linie. Rund eine Stunde lang hatten Amélie Carle, Tim Dreher, Anamaria Dunca, Wanda Ehrenfried, Brendon Faluvégi, Lea Fink, Martin Grünenwald, Esila Hoti, Paul Kruse, Joel Künzel, Liara Mann, Jella Mauser, David Nickler, Nora Petrowsky, Laura Schanz, Jann Scheffner, Florian Schweikardt, Madlen Schweikardt und Bruno Tesser bravourös und mit enormem Selbstbewusstsein gespielt oder gesungen, ihre Texte auswendig und wie richtige Schauspieler mit großartiger Betonung vorgetragen. Und alles so lautstark, sodass sie auch von den Zuhörern in den hinteren Reihen problemlos verstanden werden konnten. Außerdem bewältigten die Kinder kleine Umbauten zwischen den einzelnen Szenen eigenständig und problemlos.

Das ganze Stück über agierten sie dabei mit unglaublichem Feuereifer und fast professionell. Jann Scheffner und David Nickler erzählten die Geschichte nebenher außerordentlich deutlich und akzentuiert. Die Zuhörer lauschten völlig gebannt und hingerissen, am Ende gab es den verdienten Riesenapplaus für die Akteure. »In altbekannter dicht gedrängter Enge«, wie Schulleiterin Susanne Bloch die insgesamt rund hundert Eltern, Großeltern und Freunde der Protagonisten begrüßte, die im Auditorium Platz genommen hatten. »Das Theater gehört zu unserem Schulprofil dazu«, erklärte die Rektorin. Derzeit seien 19 Kinder in der Theater-AG, »alles Dritt- und Viertklässler, die sich unheimlich darüber freuen, dabei sein zu können«.

Improvisieren und Text lernen

Mit dem Lesen des Bilderbuchs »Irgendwie Anders« von Kathryn Cave und Chris Riddell, Gewinner des internationalen Unesco-Preises für Kinder- und Jugendliteratur, sowie Schulsozialprojekten im Unterricht über Toleranz, Freundschaft, Anderssein oder Gleichsein und kurz vor Ostern habe das diesjährige Projekt begonnen, erklärte Bloch. Dazu habe sie mit den Schülern zuerst theaterpädagogisches Warm-up wie etwa Improvisationsübungen gemacht, um die Kinder ans Theaterspielen heranzuführen. »Das ist mir wichtiger als das Textlernen.« Analog zum Original habe sie das Drehbuch verfasst, wozu aber auch ihre Schüler selbst richtig gute Ideen beigesteuert hätten, und gemeinsam mit ihren Kolleginnen Elke Koch und Nicole Rieger-Bentele inszeniert.

Weil auch die Erst- und Zweitklässler immer miteinbezogen würden, »weil diese ja nächstes Schuljahr in der Theater-AG mitmachen können«, durften sie zum Motto passende Lieder einstudieren und gemeinsam mit den größeren Kindern mittels Orff’schem Instrumentarium musikalisch begleiten. Zu ihrer Freude sei die Begeisterung für diese AG ungebrochen. »Und das, obwohl es einen Nachmittag mehr in der Woche und viel Arbeit für die Kids bedeutet, denn sie müssen Texte auswendig lernen.« Aber durch das Theaterspielen würden Kompetenzen wie das sich Präsentieren, sich Äußern, das Vortragen von Texten oder die Erfahrung zu machen, auch mal kritisiert zu werden, sowie die soziale Fähigkeit, etwas nur durch gute Zusammenarbeit zustande zu bringen, gestärkt. Ganz nebenbei könne man bei den Kindern eine Persönlichkeitsentwicklung feststellen, betonte Bloch. Ihr Dank am Ende galt allen Beteiligten sowie dem Elternbeirat, der das Theater-Café nach den Vorstellungen betreute und viele Kuchen gebacken hatte. (lpt)