SONNENBÜHL. Es besteht Handlungsbedarf beim Feuerwehrhaus in Erpfingen. Der Zustand entspricht nicht der gültigen DI-Norm, etwa bei Umkleiden und im Sanitärbereich. Außerdem muss die Gemeinde für die Feuerwehrabteilung ein neues LF 10 anschaffen, das aber zu groß ist, um es in der bestehenden Garage unterbringen zu können. Bereits 2021 hatte Feuerwehr-Experte Ralf-Jörg Hohloch im Feuerwehrbedarfsplan darauf hingewiesen und drei Varianten skizziert, wie die Situation gelöst werden könne. Idee eins: Am bestehenden Feuerwehrhaus könnte ein Anbau entstehen. Möglichkeit zwei: Abriss des Nachbargebäudes und des bestehenden Feuerwehrhauses und Neubau an dieser Stelle. Variante drei: Im Industriegebiet (Im Zwingelhof) besitzt die Gemeinde zwei Grundstücke in entsprechender Größe, um dort ein neues Feuerwehrhaus zu bauen.
Mehrfach war das Thema auf der Tagesordnung des Gemeinderats, ebenso oft wurde es wieder heruntergenommen. Nun, in der letzten Sitzung des Jahres, wurde ein Knopf dran gemacht: Bürgermeister Uwe Morgenstern bat darum, dass keine lange Diskussion stattfindet. Die Verwaltung hat den Beschlussvorschlag vorgelegt, dass eine Garage ans Erpfinger Feuerwehrhaus angebaut und das Bestandsgebäude saniert wird. Der Bau- und Technische Ausschuss hatte zuvor im November darüber beraten und sich für diese Lösung mit sechs Ja- und zwei Gegenstimmen entschieden. Es sei eine kostengünstige Variante, sagte Morgenstern, wobei die Umsetzung immer noch mit 672.350 Euro veranschlagt wird.
Und, so der Bürgermeister, dies sei kein Vorgriff auf die städtebauliche Entwicklung der Ortsmitte, das Festhalten am Feuerwehrstandort im Dorfkern stehe weiteren Planungen nicht entgegen. Auch die Feuerwehrabteilung Erpfingen habe der Anbau-Lösung zugestimmt. Wobei diese auch mit einem Neubau im Zwingelhof einverstanden wäre. Gemeinderat Jürgen Scheible erklärte, es sei bei diesem Thema oft »hin und her gegangen«, in Erpfingen sei es »heiß hergegangen«. Die vielen Besprechungen hätten sich aber rentiert, »sodass wir zu einer Lösung gekommen sind«, für die Konsens herrsche.
Für die Erpfinger ein unbefriedigender Prozess
Nicht so ganz: Die Erpfinger Ortschafts- und Gemeinderäte sehen das anders. Gemeinderat Jürgen Schweikardt ergriff im Namen der Erpfinger und des Ortsvorstehers - trotz des Bürgermeisters Wunsch nach diskussionsloser Entscheidung - das Wort. Er erläuterte noch einmal die Gemengelage und den aus seiner Sicht unbefriedigenden Verlauf der Beratungen, Besprechungen und Planungen für die Feuerwehr, die die Erpfinger nicht losgelöst von der Entwicklung der Ortsmitte führen wollten, über die sie sich bereits seit 2019 Gedanken machen. Er kritisierte die Visionslosigkeit der Rathausspitze sowie die sperrige und langwierige Vorgehensweise.
"Mit Bürgermeister Morgenstern wurde vereinbart, dass mit Planer und Technischem Ausschuss ein Konzept für eine mögliche Ortsgestaltung "unter Einbeziehung des Themas Feuerwehr und der möglichen Reduzierung gemeindeeigener Gebäude" erstellt wird. Heißt: Es geht um "das teure Gebäude Ostereimuseum", das nicht mehr zeitgemäß, nur noch wenige Tage im Jahr geöffnet und kein Besuchermagnet mehr ist, um das Haus des Gastes, um das Rathaus, um das gemeindeeigene Gebäude Schlossstraße 2 und um das Feuerwehrhaus. Es geht auch darum, die Tourist-Information aus Undingen nach Erpfingen zu verlegen. Schweikardt kritisierte, dass lange Zeit auch nach Ortsbegehungen auf Einladung des Ortschaftsrats 2022 kein Planer offiziell beauftragt wurde.
Die Erpfinger Gemeinderäte stellten 2024 erneut einen Antrag, die Feuerwehr-Standortfrage im Gremium zu diskutieren, zogen diesen aber wieder zurück, weil sie kurz zuvor »das Signal erhielten, dass kürzlich ein Planer beauftragt wurde«. Eine Kostenrechnung lag Anfang 2025 vor, »die aber rein auf das Projekt Feuerwehr bezogen war und jegliche andere städtebaulichen Belange wurden nicht berücksichtigt«, kritisiert Schweikardt. »Bürgermeister Morgenstern verweigert sich bis heute dieser notwendigen ganzheitlichen Betrachtung, einstimmigen Ortschaftsratsbeschlüssen, dem Mahnen aller Gemeinderäte aus dem Ortsteil Erpfingen, dem einstimmigen Beschluss aus dem Tourismusverein«, die alle diese »ganzheitliche Betrachtung forderten. Das ist nicht gut. Aber auch viele Gemeinderäte halten offensichtlich diese Betrachtung nicht für notwendig, sodass wir mit unserem Anliegen wahrscheinlich in der Unterzahl bleiben. Es bleibt zu vermuten, dass diesbezüglich Visionslosigkeit abgefärbt hat.«
Risiko, dass Kosten explodieren
Schweikardt dankte der Feuerwehr Erpfingen für ihre Geduld. Dass sie sich für beide Lösungen - An- oder Neubau - offen gezeigt habe, spiegele auch Verständnis dafür, dass die Abteilung »endlich vorankommen will«. Er machte aber deutlich, dass die Erpfinger Ortschaftsräte nach wie vor nicht für den Anbau einer Garage ans Feuerwehrhaus in der Ortsmitte sind und auch die Erpfinger Gemeinderäte in der Sitzung am Donnerstagabend nicht dafür stimmen würden. »Schade für Sonnenbühl und schade für den Nachfolger des Bürgermeisters. Alle Kandidaten hatten eine ganzheitliche Betrachtung der Ortskerne in ihrem Wahlprogramm.«
Und weiter: »Wenn wir heute gegen den Standort in der Ortsmitte stimmen, dann geschieht dies nicht, weil wir uns gegen die Feuerwehr stellen wollen oder diese nicht wertschätzen.« Sondern weil bezweifelt werde, dass diese vermeintlich kostengünstige keine »kleine Lösung« bleiben werde, sondern Risiken berge. »Es wird nicht bei den 700.000 Euro bleiben, denn das bestehende Gebäude ist schlichtweg ein altes Gebäude.« Ihm fehlt eine schriftliche Bestätigung, dass das bestehende Gebäude mit einer Anbaulösung Bestandsschutz habe. »Man stelle sich vor, wir müssten den bestehen Bau nach Baubeginn des Anbaus doch noch brandschutztechnisch und statisch ertüchtigen.« Das würde zusätzliche Kosten verursachen und »dann wären wir bei den Schildbürgern«.
Außerdem sei eine weitere Entwicklung der Feuerwehr an diesem Standort künftig nicht möglich, sollten sich Vorgaben und Normen für das Feuerwehrwesen ändern. Mit einem Neubau sei man flexibel. Und vor allem: »Im Ortszentrum Schlossstraße 2 wäre die Chance nicht verbaut, mit dem künftigen Rathauschef in die längst überfällige Betrachtung und Planung, die den städtebaulichen Anforderung, einem nachhaltigen Gebäudemanagement und dem Tourismus im Ortsteil Erpfingen gerecht werden, einzusteigen.«
Es meldeten sich unter anderem noch Alexander Flad und Bernd Pfeiffer zu Wort, Gemeinderäte aus Undingen und Willmandingen, die sich für das Projekt Anbau aussprachen. Und so war das Ende denn auch ein Lehrstück in Demokratie: Zehn Gemeinderäte (inklusive stimmberechtigtem Bürgermeister) folgten dem Beschlussvorschlag und stimmten für den Garagen-Anbau, vier dagegen, Rat Jürgen Maier war wegen Befangenheit vom Tisch abgerückt. »Wir hätten auch leicht durch Fernbleiben der Sitzung zumindest bei diesem Tagesordnungspunkt dafür sorgen können, dass hier mangels Beschlussfähigkeit heute keine Entscheidung herbeigeführt wird«, kommentiert Schweikardt das Abstimmungsergebnis. »Dies wird unserem Anspruch an Demokratie aber nicht gerecht.«
So wird sich der neue Bürgermeister Michael Schmidt nach seiner Amtseinsetzung im Januar der Situation gegenübersehen, tatsächlich »frischen Wind« nach Sonnenbühl bringen zu müssen und das Thema Ortsmitte Erpfingen mit den nun vorverlegten Weichen möglichst innovativ und kreativ anzugehen. (GEA)

