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Eine elitäre Sportart? Nicht in Sonnenbühl

SONNENBÜHL/REUTLINGEN. Der Rasen: perfekt gekürzt. Die Anlage: landschaftlich traumhaft gelegen. Angeregte Unterhaltungen auf der Terrasse des Clubhauses, später auch Akkordeonmusik. Entspannt, zugleich aber auch gediegen: Diese Atmosphäre ist auf dem weitläufigen Gelände des Golfclubs Reutlingen-Sonnenbühl gewünscht. Seit 30 Jahren. Seinen runden Geburtstag feiert der Verein an diesem Wochenende.

Der Golfclub Reutlingen-Sonnenbühl (im Hintergrund Pressevorstand Jürgen Schaal, links, und Präsident Udo Rogotzki) möchte sich
Der Golfclub Reutlingen-Sonnenbühl (im Hintergrund Pressevorstand Jürgen Schaal, links, und Präsident Udo Rogotzki) möchte sich für die breiteren Bevölkerungsschichten öffnen. FOTO: MANZ
Der Golfclub Reutlingen-Sonnenbühl (im Hintergrund Pressevorstand Jürgen Schaal, links, und Präsident Udo Rogotzki) möchte sich für die breiteren Bevölkerungsschichten öffnen. FOTO: MANZ
Genau dieses Flair ist es, das Clubpräsident Udo Rogotzki in seiner kürzlich angetretenen Amtszeit ausbauen, stärken und für mehr Leute – nämlich den ganz normalen Menschen jeden Alters – zugänglich machen möchte. Ein durchaus ambitioniertes Vorhaben, bedenkt man, dass der Golfsport in weiten Teilen der Bevölkerung immer noch den Ruf des Elitären genießt. Doch davon möchten Rogotzki und seine Mitstreiter im Vorstand des Golfclubs Reutlingen-Sonnenbühl nichts wissen.

»Wir wollen weg vom Elitären, aber trotzdem weiterhin ein gutes Benehmen wahren«, erklärt er im weißen Hemd, am Hals leger geöffnet. Das Einhalten der Etikette ist ihm ein großes Anliegen. Dazu gehört auch die Kleiderordnung: Jeans und Badehose sind tabu. Leger und sportlich soll es sein, und Golfschuhe sind auf dem Platz ein Muss. Die weiteren Regeln sind kein Hexenwerk, dienen vielmehr der Fairness und der Sicherheit auf dem Platz. Beispielsweise die, dass ein ausgeschlagenes Rasenstück sofort wieder angedrückt wird oder dass erst bei entsprechender Entfernung zu anderen Golfern abgeschlagen werden darf. Angesichts der 200 Stundenkilometer, die ein Golfball nach Abschlag schon mal erreichen kann, eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme.

Golfen für Schüler

Seit dem vergangenen Jahr laufen einige Projekte, die den Golfclub in der Umgebung präsenter und attraktiver machen sollen. Durch eine Kooperation mit fünf umliegenden Schulen aus Undingen, Mägerkingen, Melchingen, Trochtelfingen und Willmandingen haben zehn- bis zwölfjährige Schüler die Möglichkeit, golfen zu lernen. Das Angebot der Schulgolf-AG werde rege angenommen, freut sich Pressevorstand Jürgen Schaal.

Zur Zeit bevölkern mittwochnachmittags rund 40 bis 50 Kinder das Trainingsgelände des Golfplatzes und versuchen unter fachkundiger Anleitung eines Profigolfers, mit möglichst wenigen Schlägen an Ziel zu kommen. Natürlich für den Club nicht ganz uneigennützig, sind an den Schulgolf-Nachmittagen auch die Eltern willkommen. Es sollen Vorurteile und Barrieren gegenüber dem Golfsport abgebaut und eine erste Verbindung zum Albgolf hergestellt werden. Welches Angebot es für die Nachwuchsgolfer im Anschluss an die Schul-AG geben soll, etwa ein Fördermodell für die Golfbegabten, wird noch ausgetüftelt. Zudem wird über eine Ausweitung der Kooperation auf die Pfullinger Schulen nachgedacht.

Clubchef Rogotzki und Pressevorstand Schaal sind überzeugt: »Die Einstiegshürden in den Golfsport werden in der Zukunft weiter sinken.« Rogotzkis Vorgänger hat mit einer günstigen Einsteigermitgliedschaft (siehe Infokasten) dazu bereits den Grundstein gelegt. Kostspielige Anteile müssen hier bei Eintritt in den Golfclub nicht gekauft werden.

Reger Zuwachs an Mitgliedern

Denn als Vereinsclub stehen in Sonnenbühl die Qualität des 70 Hektar großen Platzes, die rund 700 Mitglieder sowie der Mannschaftssport – die erste Herrenmannschaft spielt in der Oberliga – im Mittelpunkt. In diesem Jahr konnte der Club bereits einen regen Mitgliederzuwachs verzeichnen. Ein besonderes Anliegen ist Rogotzki die Integration neuer Mitglieder, für die ein Abend pro Woche zum Golfen und Zusammenkommen im Clubhaus mit schwäbisch-italienischer Gastronomie reserviert ist.

Allerdings trafen die günstigen Eintrittsmitgliedschaften und das Schulgolfen bei manchen Mitgliedern auf Skepsis, sodass diese vom neuen Konzept des aufgeschlossenen Golfclubs erst überzeugt werden wollten. Auch hier zeigten sich Rogotzki und Schaal zuversichtlich. Neben den konkreten Vorhaben hat Rogotzki Visionen für seinen Reutlinger Club: Er träumt von einer kleinen Anlage, auf der Anfänger und Interessierte den Golfsport ganz unverbindlich und ohne die sonst erforderliche Platzreife ausprobieren können.

Besonders stolz sind die hiesigen Golfer auf ihren naturbelassenen Platz in exponierter Lage am Biosphärengebiet, umgeben von Wiesen und Wäldern. Die Ruhe und landschaftliche Schönheit lasse einen bei einer Runde Golf, die rund vier Stunden dauert und zehn Kilometer Fußweg erfordert, perfekt abschalten, schwärmt Rogotzki. Seien es Wasserhindernisse, Büsche, Sandbunker oder Hügel – jede Bahn habe ihre eigenen Raffinessen und wolle mit einer wohl überlegten Strategie und ausgefeilten Technik angegangen werden.

Einen wichtigen Bestandteil des Vereinslebens machen die zahlreichen Gruppen, Mannschaften und Turniere aus. Mit dem Ziel, mehr Spieler für Turniere zu animieren, hat sich der Clubpräsident in diesem Jahr das »Race to Sonnenbühl«, eine Turnierserie, einfallen lassen. An 43 Turnieren können Teilnehmer um den ersten Platz kämpfen, der mit einer Woche Golfurlaub auf Menorca belohnt wird. (GEA)

Vom Schnupperkurs bis zur Platzreife: Golfspiel für Einsteiger

Von April bis Oktober bietet der Golfclub Reutlingen-Sonnenbühl jeden ersten Samstag im Monat einen kostenlosen Schnupperkurs mit erfahrenen Golftrainern an. Mitzubringen sind Lust aufs Golfspiel, sportlich-legere Kleidung und passendes Schuhwerk (keine Stollenschuhe). Gute Hüftbeweglichkeit und Muskelkraft verhelfen außerdem zum Golferfolg.

Wen das Golf-Fieber gepackt hat, der kann den Golf-Führerschein, den sogenannten Platzreifekurs, belegen und sich somit die weltweite Erlaubnis zum Golfen sowie drei Monate kostenloses Golfen in Sonnenbühl sichern. Für den Schnupperkurs und die Platzreife wird das Equipment vom Golfclub gestellt. Die Mitgliedschaft im Golfclub Reutlingen-Sonnenbühl kostet im Smart-Tarif 335 Euro pro Jahr, DGV-Ausweis und ermäßigte Greenfee inbegriffen. Für Unternehmen und Vereine wird ein mehrstündiger Schnupperkurs als Event angeboten. (aki)

www.albgolf.de