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Aktuell Baustellenbesuch

Ein Rad steht schon: Der Windpark Sonnenbühl wächst

Alle Rotorblätter, Turmteile, Naben, Getriebe und Maschinenhäuser sind an ihrem Bestimmungsort. Der Windpark Hohfleck wächst. Ein Windrad steht bereits, der zweite Turm wird gerade aufgebaut. Drei weitere Anlagen folgen.

Das erste Windrad im Staatsforst steht, ein zweites auf Gemeindefläche wird gerade gebaut, drei weitere folgen: Der Windpark auf
Das erste Windrad im Staatsforst steht, ein zweites auf Gemeindefläche wird gerade gebaut, drei weitere folgen: Der Windpark auf dem Hochfleck bei Sonnenbühl wächst. Foto: Manfred Grohe
Das erste Windrad im Staatsforst steht, ein zweites auf Gemeindefläche wird gerade gebaut, drei weitere folgen: Der Windpark auf dem Hochfleck bei Sonnenbühl wächst.
Foto: Manfred Grohe

SONNENBÜHL. Wer durch den Wald am Undinger Hohfleck spaziert, kann zu den Windrädern laufen. Einen exklusiven Besuch der Baustelle erhielten am Freitag geladene Gäste der Stadtwerke Tübingen, künftig Betreiber des Sonnenbühler Windparks, der auf 872 Metern Höhe, dem dritthöchsten Punkt im Landkreis Reutlingen, entsteht. Dass hier der Wind ausreichend weht, wurde mit einem Windmessmast dokumentiert. Und die Gruppe erlebte es: Der Großkran am Windkraftstandort 3, der schon zwei Turmteile aufeinander gesetzt hat, steht am Freitagvormittag still. Eine Windgeschwindigkeit von zwölf Metern pro Sekunde bedeutet vorübergehenden Baustopp.

Natürlich gab es einen Blick auf die Historie des Windparks, der Sonnenbühler Projektierer Sowitec hat einen langen Atem bewiesen: Zuerst vorgestellt hatte er das Vorhaben am 25. Oktober 2011 im Gemeinderat, den ersten Genehmigungsantrag von insgesamt dreien im April 2014 gestellt. Sowitec-Chef Frank Hummel berichtete von den Hürden, zig Gutachten, Bürgerinitiativen-Protesten, Ablehnungsbescheiden, Widersprüchen von Sowitec, Klagen von Gegnern und Projektierer, bis im Juli 2022 endlich die Genehmigung erteilt wurde, eine erneute Klage zu Verzögerungen führte. Neben den Windrädern wird gerade das Umspannwerk auf der Haid gebaut, das im Februar 2026 in Betrieb gehen soll, in drei Wochen werde der Trafo geliefert.

»Der Windpark ist ein Waldschutzprojekt«

Jedes der 123 Meter hohen Windräder wird 4,2 Megawatt Leistung liefern, alle fünf 21 Megawatt, genug, um 16.000 Haushalte - mindestens die 2.700 Sonnenbühler, die aus Nachbargemeinden und solche in Tübingen - mit Energie zu versorgen. Grüne Energie, auch wenn sich auf der Alb immer noch Widerstand regt. Aber dem Wald, von dem einiges an Bäumen auf der 5 Hektar großen Fläche für den Bau weichen musste, werde es nicht nützen, wenn Energie weiter auf klimaschädlichem Weg erzeugt werde, sagte der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer. Somit sei der Windpark auch ein »Waldschutzprojekt«.

Und über die Einnahmen für die Verpachtung der Flächen - immerhin mindestens 300.000 Euro im Jahr für die vier Standorte im kommunalen Wald - kann die Gemeinde Projekte umsetzen, die allen Sonnenbühler Bürgern zugutekommen. »Die Pacht bleibt bei uns«, sagt Bürgermeister Uwe Morgenstern, anders als die Gewerbesteuer. Außerdem gibt's eine Stromvergünstigung, etwa 0,2 Cent pro Kilowattstunde, und auch Bürger sollen sich am Windpark beteiligen können. Wie genau, das wird noch ausgearbeitet.

Am vergangenen Dienstag ist das erste Windrad im Staatsforst fertiggestellt worden, fünf Tage wurden dafür benötigt. Der Großkran wurde abgebaut und zog zum Standort von Anlage 3 um. Zwei der fünf Turmteile sind schon aufeinander gestellt. Zwei der drei Rotorblätter, die restlichen Turmteile, die Nabe, das Maschinenhaus mit »Stadtwerke Tübingen«-Aufschrift auf der einen und »Vestas«-Schriftzug (das ist die Herstellerfirma aus Dänemark) auf der anderen Seite sowie das Getriebe lagern auf der Montagefläche.

30.000 Tonnen Schotter aus der Nähe

Die Fundamente haben 22 Meter Durchmesser und sind vier Meter hoch. Sie liegen wie ein »umgedrehter Suppenteller« im Boden, aber nicht unbedingt vier Meter tief. Es wurde Material aufgeschüttet. 600 Tonnen Beton und 70 Tonnen Stahl wurden für jedes Fundament benötigt. Darauf lasten 80 Tonnen pro Stahl-Turmteil (also 400 Tonnen insgesamt) plus 50 Tonnen von Getriebe und 81 Tonnen von den drei Rotorblättern aus GFK. Windrad eins wird innen noch weiter ausgebaut, auf die 200 Meter lange Leiter, den Aufzug und elektrische Vorrichtungen durften die Besucher einen Blick werfen. Auch die Frage, wie sehr der Boden verdichtet sei, tauchte auf. »In 13 Metern Tiefe spürt der Boden davon nichts mehr«, sagt Sowitec-Projektleiter Steffen Mauser. Und die Montage- sowie Abladeflächen werden zurückgebaut, nur die Kranstellfläche bleibt frei. Der Aushub von der Baustelle wurde auch dort wiederverwendet, 30.000 Tonnen Schotter kamen vom benachbarten Schotterwerk Leibfritz.

Zwei Jahre lang wird Sowitec nach Inbetriebnahme ein Fledermausmonitoring durchführen. Zwei Anlagen werden von April bis September nachts durchgehend abgeschaltet, die übrigen drei Anlagen an 20 Tagen im Juni und an 15 Tagen im August. Der Rotmilan soll geschützt werden. Ausgleichsmaßnahmen gibt's auch: Für die Haselmaus gibt's ein neues Biotop. »Hoffentlich findet sie ihre neue Adresse«, sagt Morgenstern. Außerdem habe Sowitec 8.000 Büsche und Bäume neu gepflanzt, 250 Nistkästen für Vögel und Fledermäuse aufgehängt.

Der Sonnenbühler Gemeinderat hat von Anfang an hinter dem Projekt gestanden. Dass es endlich Realität wird, freut Morgenstern, Palmer und die Stadtwerke Tübingen. »Wir wollen den Erfolg teilen«, sagte Palmer. Und nach allen Protesten und Widerständen und weiterer Kritik lautet sein Fazit: »Ich kann hier nichts Bedrohliches und Scheußliches entdecken.« (GEA)