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Die Kunst- und Kulturhalle in Hundersingen ist eröffnet

Eine Kunst- und Kulturhalle im Dorf? Das gibt's jetzt in Hundersingen im Lautertal. Ein junger Verein will eine alte Schreinerei mit Leben füllen.

Die Gründungsmitglieder des Vereins Kunst- und Kulturhalle Hundersingen stellten sich und ihre Ideen bei einer Eröffnungsparty v
Die Gründungsmitglieder des Vereins Kunst- und Kulturhalle Hundersingen stellten sich und ihre Ideen bei einer Eröffnungsparty vor. Foto: Andreas Fink
Die Gründungsmitglieder des Vereins Kunst- und Kulturhalle Hundersingen stellten sich und ihre Ideen bei einer Eröffnungsparty vor.
Foto: Andreas Fink

MÜNSINGEN-HUNDERSINGEN. Eine Kunst- und Kulturhalle in einem Dorf, das kaum 400 Einwohner zählt? Ob und wie das funktioniert, will jetzt eine Gruppe junger Leute im Lautertal ausprobieren. Die acht Gründungsmitglieder des Vereins Kunst- und Kulturhalle Hundersingen - kurz: KuKuHaHu - wollen Räume für Kunst- und Kulturangebote bieten. Platz dafür haben sie reichlich, denn die Halle ist wirklich eine Halle. Der große Raum war früher eine Schreinerei, gehobelt und gesägt wird hier allerdings schon seit vielen Jahren nicht mehr. Genutzt wurde die ehemalige Werkstatt in jüngerer Zeit vor allem als Proberaum der Band Gässlesrapkollektiv, die es mit Hip-Hop auf Breitschwäbisch zu regionaler Berühmtheit gebracht hat.

Die Gässlesrapper jedenfalls sind echte Älbler, ihr Kumpel Vinzenz Schmack alias Vinzenz van Nonzenz auch. Der junge Mann macht keine Musik, sondern Kunst, er malt. Seinen Lebensunterhalt verdient er im und mit dem Bootshaus eine Ortschaft weiter talabwärts. Inzwischen gibt's dort nur noch Gastro-Betrieb, früher konnte man auch Boote mieten. Jedenfalls brauchten die Saisonarbeiter eine Bleibe, Familie Schmack kaufte die alte Schreinerei in Hundersingen - Werkstatt samt der darüberliegenden Wohnräume. Inzwischen wohnt Vinzenz Schmack selbst dort, die große Halle war bisher vor allem »Treffpunkt für mehrere ineinandergreifende Freundeskreise«, berichtete Yannick Marszalek bei der Eröffnung, die am Wochenende gefeiert wurde.

Fokus auf junge und lokale Kunst

Marszalek ist einer der Gässlesrapper, die bei der Eröffnungsparty allerdings nicht selbst auf der Bühne standen, sondern einen Gast eingeladen hatten, der zumindest das Singen übernahm: Der Singer-Songwriter Fabio Lentini, aufgewachsen in Münsingen und inzwischen in Stuttgart beheimatet, stellte seine eigenen Songs vor. Der 30-Jährige mit der rauen, zugleich warmen Stimme begleitete seine Songs - auf Englisch, aber auch auf Italienisch und Spanisch - selbst an der Gitarre. Bald, erzählte er, wird er auch mit Band in der Region zu erleben sein. An den Plattentellern gab sich der eine oder andere Gässlesrapper aber dann doch die Ehre: Mit DJ-Sounds wurde am Abend bei Getränken, Gebäck und original französischen Crêpes noch ein bisschen weitergefeiert.

Dazu gab's die an Graffiti und Streetart erinnernden Bilder von Vinzenz Schmack zu bewundern. Alles Beispiele für das, was die KuKuHaHu auch in Zukunft sein soll: Eine Plattform für Kreative mit Fokus auf junge und lokale Kunst. Für Marszalek und seine Mitstreiter ist sie ein Ort, der mit vielen Erinnerungen verbunden ist: »Es gibt Momente, an die man sich gerne erinnert, Momente, an die man sich ungern erinnert und Momente, an die man sich gerne erinnern würde, aber nicht kann«, scherzte er in seiner Einführungsrede.

Zur ersten Party gekommen waren erfreulich viele Menschen. Überwiegend junge Leute, aber auch Akteure der regionalen Kulturszene wie Künstler Edgar Braig oder Liedermacher Thomas Felder, die sich für das Projekt interessieren. Und die Einwohner des Lautertal-Dörfchens? Auch die zeigten sich offen und interessiert, so einige von ihnen mischten sich unter die Gäste.

Wie geht's jetzt weiter? Die Gässlesrapper bleiben mit Tonstudio und Proberaum natürlich dort präsent, der Platz drumrum reicht aber für vieles. Vorstellen können sich die Vereinsmitglieder so einiges: Ausstellungen und Konzerte, aber auch Skate-Contests, Tattoo-Conventions oder das Rote-Wurst-Wettessen, von dem Yannick Marszalek heimlich-unheimlich träumt. Den Beirat des Vereins Leader Mittlere Alb, der über die Vergabe von Fördermitteln aus EU-Töpfen entscheidet, hat das Konzept jedenfalls überzeugt: Die KuKuHuHa hat Mittel aus dem Leader-Regionalbudget bekommen, um professionelle Licht- und Tontechnik anzuschaffen. (GEA)