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Aktuell Jubiläum

Den Weltladen in Münsingen gibt es seit 25 Jahren

Seit dem Jahr 2000 kann man in Münsingen fair gehandelte Produkte kaufen. Das Konzept trägt immer noch, die treuen Kunden zeugen davon.

Das Weltladen-Team: Weiblich, erfahren, engagiert.
Das Weltladen-Team: Weiblich, erfahren, engagiert. Foto: Steffen Wurster
Das Weltladen-Team: Weiblich, erfahren, engagiert.
Foto: Steffen Wurster

MÜNSINGEN. Der Verein ist älter als der Laden, die Eine Welt-Initiative Münsingen wurde schon 1996 gegründet, im kommenden Jahr wird das 30-Jährige gefeiert. Einen Laden betreibt die Initiative seit dem Jahr 2000, das Vierteljahrhundert ist also voll.

Bis ein Raum für den Laden gefunden wurde, wurden fair gehandelte Produkte bei allerlei Veranstaltungen und auf dem Münsinger Wochenmarkt verkauft. Lager war der Keller von Marit Wiest, damals Erste Vorsitzende. Es musste also viel improvisiert und gearbeitet werden, die Ware wurde vom Kellerdepot zu den Verkaufsständen und zurück geschafft. So ein »Bauchladen« ist der logistische Alptraum jedes Einzelhändlers. Dann wurde ein günstiges Ladenlokal in der Hauptstraße gefunden - mit Ablaufdatum, erinnert sich Irmgard Heilig. Im Jahr 2005 fand der Weltladen dann sein jetziges Domizil am Marktplatz. Hier war vorher ein gut eingeführtes Fotogeschäft und -studio untergebracht: »Wir hätten noch jahrelang Passbilder verkaufen können«, lacht Heilig.

Passbilder gibt's nicht mehr, dafür fair gehandelten Kaffee, Schokolade, getrocknete Mangos und mehr. 13 Ehrenamtliche stehen hinterm Verkaufstresen, schätzt Wilma Notz-Häbe, die Öffnungszeiten von Donnerstag bis Samstag haben sich gut eingespielt. Ehrenamt heißt Ehrenamt, »wir bekommen nichts«, versichert Heilig, »aber arbeiten nicht umsonst, sondern für den guten Zweck«. Und an dem hat sich im vergangenen Vierteljahrhundert nicht geändert: Es geht darum, dafür zu sorgen, dass die Menschen in den Herkunftsländern eine faire Bezahlung für ihre Arbeit erhalten. Die Käufer unterstützen das, »es ist die Einstellung der Kunden, ohne sie würde es nicht gehen«, ist Notz-Häbe dankbar.

Mafiafreier Kaffee

Zu den Kunden gehören auch Vereine und Betriebe, der CVJM kauft hier ein, das Waldschulheim in Indelhausen, in Schulen und Büros wird fairer Kaffee genossen. Obwohl das mit dem Genießen manchmal so eine Sache ist. Die Produkte mussten teilweise an den mitteleuropäischen Geschmack angepasst werden, erzählt Notz-Häbe, »die Originale waren ein bisschen stark«. Andersrum klappt's aber auch, mit Kaffeeverkostungen und Vorträgen über die Herkunft und die zahlreichen Variationen des Wachmachers und warum nicht alles Tchibo ist. Und warum der Agenda-Kaffee aus Peru und Guatemala mehr kosten muss als Standardware. Denn Ziel ist es, in den Herkunftsregionen lebenswerte Bedingungen zu erhalten und dort die Landflucht zu verhindern. Bis nach Südamerika oder auf die Philippinen - da kommen die Mangostreifen her - muss man dabei nicht blicken, Pasta und Pesto im Weltladen kommen aus Sizilien, aus »mafia-freiem Land«, »dalle terre liberate dalla mafia«, die Zutaten werden auf Feldern einstiger Mafia-Bosse angebaut, beschlagnahmt vom italienischen Staat.

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Der Bio-Honig kommt aus der Region, Quinoa, schwarze Bohnen und mehr gibt es auch, also alles was man zum Leben braucht, macht Irmgard Heilig Werbung. Die Nahrungskette ist transparent und für den Kunden nachvollziehbar, angebaut wird bio, der Segelschiffkaffee kommt sogar schwerölfrei mit Windkraft über den Atlantik. Die Bauern und Verarbeiter haben ein Auskommen, darüber hinaus unterstützt der Weltladen Segundo Montes im nördlichen El Salvador. Das Stipendien-Programm, koordiniert von Rudi Reitinger, ermöglicht knapp 400 Kindern und Jugendlichen den Schulbesuch in weiterführenden Schulen. Die Eine-Welt-Initiative Münsingen finanziert Schultransport, Schulgeld und Schuluniformen für diese Schüler. Das Geld stammt zu einem guten Teil von den Erlösen der legendären Münsinger »Coming home for Christmas«-Party, die der Weltladen 2006 ins Leben gerufen hat. (GEA)