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Aktuell Komödie

Aufführung der KJG Großengstingen: Zombie-Hase und Vegetarier-Stress

KJG-Theatergruppe Engstingen begeistert mit dem Schwank »Lass die Sau raus« von Andreas Wening.

Die Hobby-Schauspieler reißen das Publikum mit unbändiger Spielfreude vom Hocker.  FOTO: LEIPPERT
Die Hobby-Schauspieler reißen das Publikum mit unbändiger Spielfreude vom Hocker. FOTO: LEIPPERT
Die Hobby-Schauspieler reißen das Publikum mit unbändiger Spielfreude vom Hocker. FOTO: LEIPPERT

ENGSTINGEN. »Koi Wurscht, Brokkoli! – Koi Floisch, Brokkoli!«, lautstark vorgebrachte Parolen, geworfene Flugblätter und Tafeln mit deutlicher Forderung einer weiblichen Demo-Gruppe schrecken die Gäste im Antoniushaus in Großengstingen unvermittelt auf. Nanu, was war denn das? Eigentlich wollte die Theatergruppe der Katholische Junge Gemeinde (KJG) zum 41. Mal ihr neues Theaterstück »Lass die Sau raus, jetzt sind wir vegetarisch« von Andreas Wening zeigen – und dann zog da so ein dröhnend wilder Protestzug quer durch die voll besetzten und engen Stuhlreihen. Aber keine Bange, es handelte sich um die regiegerechte Einstimmung in die Geschichte.

Karin Heppner (Elisabeth Thum) reicht es nämlich. Immer neue Schreckensmeldungen von Fleisch-, Wurst und Lebensmittelskandalen wie Gammelfleisch, verstrahlte Pilze, Frostschutz im Wein, Dioxin-Eier oder mit Schwermetallen belasteter Fisch lassen sie sowie ihre Nachbarinnen Selma (Sarah Hipp) und Lotte (Lisa Goller) aktiv werden: »Mr woiß bald nemme was mr no essa soll.«

Da streikt sogar die Polizei

Unter dem Motto »Mein Kühlschrank ist kein Ponyhof!« rufen sie zum generellen Boykott der regionalen Wurst- und Fleischtheken auf. Und um ihren Protest tatsächlich umzusetzen, verkünden sie auch ihren eigenen Familien, dass von nun an nur noch Vegetarisches auf den Tisch kommt. Insbesondere die Begeisterung von Karins Göttergatten Norbert (Achim Thum) und Sohn Max (Felix Staneker) oder von Schorsch (Werner Brunner), Ehemann von Selma, halten sich da aber sehr in Grenzen. Um des lieben Friedens willen stimmt Karin Norberts Idee aber zu, im alten Stall heimlich »a klois Säule« zu halten, wovon die naive Lotte und die militante Selma natürlich nichts wissen sollen. Als diese beiden heimlich einen Streit zwischen den Heppners belauschen, vermuten sie fälschlicherweise das Schwein, das Norbert zärtlich »Anita« getauft hat, sei dessen Geliebte. Die Heppners müssen außerdem vertuschen, dass ihr Bernhardiner Josef Selmas Riesenrammler Rüdiger auf dem Gewissen hat. Und so nimmt die Geschichte ihren unheilvollen und ziemlich aberwitzigen Lauf. Metzger Hannes (Harald Enderle) wird für einen Auftragskiller gehalten, die Psychologin Anita (Leonie Reiff) für Norberts Geliebte und der bruddelige Opa Erwin (Michael Hipp) versehentlich für tot erklärt. Zudem fürchtet Schorsch um seinen Verstand, denn sein Riesenrammler Rüdiger ist scheinbar zum Zombie-Hasen mutiert, liegt im Wechsel tot am alten Weiher oder sitzt putzmunter in seinem Hasenstall. Bei so viel Durcheinander streikt am Ende sogar die alarmierte Polizei.

»Mir freiet ons im wahrsten Sinn des Wortes saumäßig, dass Sie alle gekommen sind und wir wieder für Sie spielen dürfen«, hatte Regisseur Andreas Hipp das Publikum begrüßt. In den derzeit unsicheren Zeiten könnten sich die Zuschauer im Jahr des 50-jährigen KJG-Jubiläums wieder mal in angenehmer Atmosphäre gut drei Stunden lang berieseln lassen und Spaß dabei haben. Und den gab es im Übermaß. Seit Anfang September hatten die Hobbymimen viermal in der Woche geprobt, dementsprechend textsicher agierten sie und begeisterten mit pointenreichem Spiel.

Nur noch wenige Karten

Leonie Reiff gab die exaltierte und professionelle Psychologin mit so richtig schrulligem Ton, Harald Enderle gefiel bestens als Mafioso-Verschnitt oder bulliger Metzger, Sarah Hipp stattete ihr Pseudonym mit barschen Worten aus und Lisa Goller zeigte sich übertrieben naiv und einfältig. Achim Thum war zärtlicher und trotzdem gereizter Gatte, Elisabeth Thum zeigte sich herrschend und Felix Staneker spielte den genervten Sohn so richtig ergeben.

Wie schon in den Vorjahren geizte die Truppe nicht mit Wortwitz, Situationskomik, Lokalkolorit, manchen Kalauern und überraschenden oder höchst turbulenten Gags, was den Zuschauern überstrapazierte Bauchmuskeln und schmerzende Wangen wegen Dauerlachens bescherte. Marcel Hummel und Tim Engelhardt hatten für die richtige Technik gesorgt, Franziska Beck fungierte als Souffleuse. Wie immer servierte die Truppe in den Pausen ihre legendären frisch zubereiteten warmen Seelen. Zum Glück für viele Gäste allerdings nicht in vegetarischer Ausführung, sondern gewohnt mit Schinken und Käse.

Zum ersten Mal in der Theaterhistorie sind sämtliche Aufführungen schon beim Vorverkauf ausgebucht worden. »Deshalb geben wir am ersten Advent, Sonntag 30. November, noch eine Zusatzvorstellung«, freut sich Andreas Hipp natürlich über die riesige Nachfrage. Die Zusatzvorstellung ist allerdings auch schon ziemlich voll, nur noch einzelne Karten können bei Valentin Herter telefonisch immer ab 20 Uhr unter 07129 3268 erworben werden. (GEA)

 

www.kjg-engstingen.de