TROCHTELFINGEN. Jeden Morgen das gleiche Bild: Mama oder Papa sind auf dem Weg zur Arbeit und fahren schnell noch den Nachwuchs zur Schule. Kurz vor Unterrichtsbeginn ist vor der Werdenbergschule viel los. Kinder steigen aus, Eltern verabschieden sich, los geht's in den Klassenraum und für die Großen weiter zum Job. Viele Parkplätze gibt es nicht direkt bei der Schule, die vorhandenen sind den Lehrern vorbehalten. Also wird am Fahrbahnrand gehalten. Auch auf der falschen, der linken Straßenseite. In zweiter Reihe. Oder auf dem Gehweg. Oder zu nah vor der Fußgängerampel. Oder in der Bucht vor der Bushaltestelle. Riskante Wendemanöver gibt's auch zu beobachten. All das ist nicht erlaubt. Und darüber hinaus auch noch gefährlich - unter Umständen auch fürs eigene Kind. Ein Verkehrschaos, das vermeidbar wäre.
»Das Thema gibt es an allen Schulen«, sagt Bürgermeisterin Katja Fischer. Die Werdenbergschule ist da kein Ausnahmefall. Aber wie kann man Abhilfe schaffen? Die Werdenbergschule wird nicht nur von Kindern, die im Städtle wohnen besucht, auch aus den Teilorten und aus insgesamt 24 umliegenden Teilgemeinden pendeln die Schüler täglich nach Trochtelfingen. Nicht alle mit Bus und Bahn, das ist manchmal wegen nicht passender Verbindungen nicht möglich. Also bringen die Eltern die Kids zum Unterricht. Aber das muss ja nicht direkt bis vor den Schulhof sein. In Trochtelfingen wäre es eigentlich ganz einfach, das Chaos vor dem Schulareal zu vermeiden: »Wir haben ja viele Ausweichmöglichkeiten«, sagt Fischer, anders als in Ballungszentren und bei beengten Verhältnissen am Schulstandort. Denn in nächster Nähe zur Gemeinschaftsschule gibt es an der Werdenberghalle in der Siemensstraße einen riesigen Parkplatz und von hier aus einen Fußweg direkt zum Campus. Auch im Grafentalweg stehen am Sportplatz Parkplätze zur Verfügung. Der Schulkomplex ist auch von hier aus fußläufig und in wenig mehr als hundert Metern zu Fuß und sicher zu erreichen. »Das ist zumutbar«, sagt Fischer. Aber bei Eltern und Kindern siegt häufig eben Bequemlichkeit vor Vernunft. Sie selbst habe erlebt, wie in Reutlingen ein Kind auf einem Zebrastreifen angefahren wurde, sagt Fischer, weil dieser nicht einsehbar war - wegen unerlaubt haltender Autos. So weit muss es nicht erst kommen.
Bevor ein Halteverbot eingerichtet und es mit Schildern ausgewiesen werden kann, müssten zunächst Messungen gemacht und weitere Maßnahmen überlegt werden. Auch in der Schule selbst wurde in Konferenzen beraten, was getan werden kann, sie hat bereits eigene Aktionen gestartet wie eine Infokampagne, um auf die Problematik aufmerksam zu machen und zum Umdenken aufzurufen. Kinder, die zu Fuß oder mit dem Bus kommen oder deren Eltern sie an einem anderen Ort als direkt in der Hohenbergstraße aus dem Auto aussteigen lassen, konnten Stempel sammeln. Und auf ihrer Homepage weist die Schule auch darauf hin, dass sich Parkplätze für Besucher in ausreichender Anzahl an der Werdenberghalle und/oder am Sportplatz befinden. Ziel: Eltern sensibilisieren. Das haben auch Lehrer selbst an der Straße getan, seien aber immer wieder mal von verärgerten Autofahrern angegangen worden.

Im Rathaus haben sich Bürgermeisterin und Mitarbeiter Gedanken gemacht, wie die Situation - auf schnellem Weg und unbürokratisch - zu entschärfen sein könnte. Zuvor »haben wir uns den Bußgeldkatalog genau angeschaut«, sagt Katja Fischer. Danach wurden Schilder angefertigt, die nun rund um die Schule auf die Folgen falschen Verhaltens hinweisen. »Leider müssen wir jetzt kontrollieren«, heißt es da, und »Sagen Sie nicht, Sie hätten es nicht gewusst«. Außerdem können Eltern in weißer Schrift auf rotem Grund lesen, was ein Knöllchen fürs Fehlverhalten kostet: »Halten auf der linken Fahrbahnseite oder nicht am rechten Fahrbahnrand 43,50 Euro«, »Halten auf einem Gehweg 98,50 Euro«, »Halten näher als 10 Meter vor einer Ampel 43,50 Euro«, »Halten in der Bushaltestelle 98,50 Euro«. Extra Elternhaltestellen muss die Stadt nicht ausweisen - nahe gelegene Parkflächen gibt's ja wie erwähnt genügend - die heißen nun in Trochtelfingen »Kiss & Go«-Zonen. Grüner Hintergrund, also richtig: Ein Pfeil weist die Richtung zu den Parkplätzen zum Beispiel an der Werdenberghalle.
»Wir wollen die Eltern sensibilisieren«, sagt Katja Fischer. »Wir kontrollieren, aber strafen nicht.« Noch nicht. In der Hoffnung, dass die Aktion Wirkung zeigt. Und bis jetzt habe sie es getan. »Ich freue mich, dass sich die Leute die Hinweise zu Herzen genommen und sich bis jetzt schon viele daran gehalten haben.« Bis zu den Sommerferien bleiben die Schilder rund um die Schule hängen, dann werden sie abgebaut. Auch in der Hoffnung, sie zum kommenden Schuljahr nicht wieder herausholen zu müssen. Und im Rathaus macht man sich Gedanken, wie man dann, wenn Rücksicht, Einsicht und Vorsicht von Dauer bleiben, mit »etwas Positivem« darauf reagieren kann. (GEA)




