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Aktuell Betreuung

Ab Januar gibt's mehr Kindergartenplätze in Hausen

Das Gebäude war da, musste nur umgebaut werden. Im Trochtelfinger Teilort Hausen können nach den Bauarbeiten künftig mehr Kinder betreut werden.

Der neue Gruppenraum ist prima: Während des Umbaus des Kindergarten Hausen waren die Jungen und Mädchen in der Mehrzweckhalle un
Der neue Gruppenraum ist prima: Während des Umbaus des Kindergarten Hausen waren die Jungen und Mädchen in der Mehrzweckhalle untergebracht, nun spielen sie in den neuen Gruppenräumen. Foto: Cordula Fischer
Der neue Gruppenraum ist prima: Während des Umbaus des Kindergarten Hausen waren die Jungen und Mädchen in der Mehrzweckhalle untergebracht, nun spielen sie in den neuen Gruppenräumen.
Foto: Cordula Fischer

TROCHTELFINGEN. 1964 hatte der Reutlinger Architekt Manfred Wizgall die Schule in Hausen geplant, im Dezember 1965 wurde sie eingeweiht. Gut hat er daran getan, auch eine Turnhalle mit zu entwerfen. Das Haus hatte zwei Klassenzimmer, einen überdeckten Pausenhof, einen Gymnastik- und Werkraum, Ortsbücherei, Lehrerzimmer und sanitäre Räume, so berichtete der GEA am 13. Dezember 1965 über die Einweihung am 11. Dezember. 600.000 Mark investierten das 265-Einwohner-Dorf und Land damals in den Bau. Und das zahlt sich noch heute aus. Obwohl 1970 der Schulbetrieb schon wieder eingestellt wurde - mangels entsprechender Schülerzahl, die Hausener Volksschüler fuhren zum Unterricht nach Mägerkingen, die Hauptschüler nach Trochtelfingen. Von »Fehlplanung« war damals die Rede.

Eine neue Tür (Mitte) verbindet nun Kindergarten und Mehrzweckhalle.
Eine neue Tür (Mitte) verbindet nun Kindergarten und Mehrzweckhalle. Foto: Cordula Fischer
Eine neue Tür (Mitte) verbindet nun Kindergarten und Mehrzweckhalle.
Foto: Cordula Fischer

Die Reutlinger Bezirkssynode der evangelischen Landeskirche habe Interesse an dem Gebäude signalisiert, wurde berichtet, aber es regte sich Widerstand gegen die Vermietung. Dann begab es sich, dass Konservenfabrikant Egon Fritz aus Gauselfingen auf den Plan trat, die Partner - die Gemeinde und der Unternehmer - wurden sich handelseinig, 600 Mark Monatsmiete zahlte Fritz. Im Juli 1971 zog die »Kuttelfabrik« ein, die EFRIGA-Konservenfabrik, in der Suppen-, Fleisch- und Weinbergschnecken-Konserven produziert wurden, die an den Groß- und Einzelhandel sowie Gaststätten vertrieben wurden, die Schnecken fanden sogar weltweit Absatz. (GEA vom 25. November 1971). Das Thema »Zukunft des Schulhauses« beziehungsweise dessen Verkauf kam wieder auf den Tisch, nachdem Hausen am 1. Januar 1972 in die Stadt Trochtelfingen eingegliedert wurde und im Raum stand, dass die geflossenen Mittel aus der Schulbauförderung zurückgezahlt werden müssten, da das Schulhaus zweckentfremdet genutzt wurde. Zu dieser Zeit wurde dann wieder über eine Tagungsstätte der evangelischen Kirche und den Verkauf diskutiert.

Die ehemalige und aufgegebene Dorfbücherei ist nun wieder Bücherei - für den Kindergarten.
Die ehemalige und aufgegebene Dorfbücherei ist nun wieder Bücherei - für den Kindergarten. Foto: Cordula Fischer
Die ehemalige und aufgegebene Dorfbücherei ist nun wieder Bücherei - für den Kindergarten.
Foto: Cordula Fischer

Aus all dem wurde nichts. Seit dem 5. April 1994 werden in dem Haus wieder Kinder betreut, Elvira Engst, Einrichtungsleitung, und Elke Sipple, Erzieherin, waren die Ersten, die im Hausener Kindergarten arbeiteten. Ab 1999 begann die Kooperation mit Mariaberg, der Kindergarten erhielt sein Profil als integrative Kindertagesstätte und wurde zur Ganztageseinrichtung. 2019 besuchten vier Kinder mit Förderbedarf und 15 Regelkinder die Einrichtung. Die Kooperation endete 2021.

Für die Kleinen wurden neue Toiletten eingebaut.
Für die Kleinen wurden neue Toiletten eingebaut. Foto: Cordula Fischer
Für die Kleinen wurden neue Toiletten eingebaut.
Foto: Cordula Fischer

Seit Januar 2022 ist Sigrid Schäfer die Kindergartenleiterin. Es wurde ein neues Konzept entwickelt. Das ehemalige Therapiezimmer wurde zu einem Kleinkindspielbereich. Und der pädagogische Schwerpunkt liegt auf der Naturpädagogik. Perfekt bei der Lage des Gebäudes oben am Ende der Schulsteige mit großem Außenspielbereich und kurzem Weg in Feld, Wald und Flur. Einmal pro Woche ist »Naturtag« für entsprechende Aktivitäten im Freien. Bisher gab es nur eine Gruppe, bis zu 15 Kinder von einem bis 14 Jahre wurden aufgenommen, fünf Plätze waren für Ein- bis Dreijährige vorgesehen - im »improvisierten« Kleinkinderbereich, dem ehemaligen Therapieraum. Räumlich und personell war da eine oder andere Spagat nötig.

Die Garderoben wurden neu gestaltet.
Die Garderoben wurden neu gestaltet. Foto: Cordula Fischer
Die Garderoben wurden neu gestaltet.
Foto: Cordula Fischer

Nun ist alles anders. Über den Verkauf des Hauses wird schon lang nicht mehr diskutiert, über den Fortbestand des Kindergarten Hausen auch nicht. Fakten sind geschaffen. Eine Win-win-Situation: Die Stadt braucht mehr Betreuungsplätze für Kinder. Und eine neue Kita zu bauen könnte sich Trochtelfingen nicht leisten. In Hausen aber war genügend Potenzial, um eine neue Gruppe schaffen. Das, so erklärt Architektin Margit Supper vom Gammertinger Büro Supper Heinemann, würde heutzutage eine bis 1,5 Millionen Euro kosten. Und so viel Geld hätte die Stadt nicht investieren können.

Wo früher Büro, Teeküche, Personal- und Besprechungsraum waren, ist nun ein Schlaf- und Ruheraum für die unter Dreijährigen, der
Wo früher Büro, Teeküche, Personal- und Besprechungsraum waren, ist nun ein Schlaf- und Ruheraum für die unter Dreijährigen, der Durchbruch mit Tür und Sichtfenster zum Ü3-Bereich wurde neu geschaffen. Foto: Cordula Fischer
Wo früher Büro, Teeküche, Personal- und Besprechungsraum waren, ist nun ein Schlaf- und Ruheraum für die unter Dreijährigen, der Durchbruch mit Tür und Sichtfenster zum Ü3-Bereich wurde neu geschaffen.
Foto: Cordula Fischer

Vieles im Gebäude war noch im Originalzustand wie die Bodenbeläge oder die Toiletten. Die Betriebserlaubnis hatte die Stadt für 15 Kinder, davon nur fünf im U3-Bereich. 2024 hatte der Gemeinderat beschlossen, das Gebäude umzubauen und zu ertüchtigen, um den Raum für die benötigten Plätze zu haben. Ab dem 1. Januar 2026 gibt es Platz für 17 weitere Jungen und Mädchen, also insgesamt 32, zwischen null und sechs Jahren, zehn in einer Gruppe unter drei Jahren, 22 in einer für über Dreijährige. Bisher arbeiteten sechs Fachkräfte in Teilzeit im Kindergarten, es gab eine FSJ- und eine PIA-Stelle, ab Januar kommt eine weitere Fachkraft in Vollzeit hinzu.

Sind zufrieden mit dem Projekt: Ortsvorsteher Bernd Schäfer, Bürgermeisterin Katja Fischer, Bauamtsleiter Ronny Roßberg, Kita-Le
Sind zufrieden mit dem Projekt: Ortsvorsteher Bernd Schäfer, Bürgermeisterin Katja Fischer, Bauamtsleiter Ronny Roßberg, Kita-Leiterin Sigrid Schäfer, Sachgebietsleiterin Bildung und Betreuung Sabine Veeser und die Architektinnen Margit Supper und Anne Herrmann schauen sich die Foto-Dokumentation vom Umbau des Kindergarten Hausen an. Foto: Cordula Fischer
Sind zufrieden mit dem Projekt: Ortsvorsteher Bernd Schäfer, Bürgermeisterin Katja Fischer, Bauamtsleiter Ronny Roßberg, Kita-Leiterin Sigrid Schäfer, Sachgebietsleiterin Bildung und Betreuung Sabine Veeser und die Architektinnen Margit Supper und Anne Herrmann schauen sich die Foto-Dokumentation vom Umbau des Kindergarten Hausen an.
Foto: Cordula Fischer

Am 11. Dezember 1965 wurde das neue Schulhaus eingeweiht, 60 Jahre später - fast eine Punktlandung - ist die Sanierung abgeschlossen, Kindergartenleiterin Sigrid Schäfer konnte am 19. Dezember 2025 die ersten Gäste durch den »neuen« Kindergarten Hausen führen: Bürgermeisterin Katja Fischer, Bauamtsleiter Ronny Rossberg, Sabine Veeser, Leitung des Sachgebiets Bildung und Betreuung, Ortsvorsteher Bernd Schäfer, Pressevertreterin. Mit dabei auch das Team vom Büro Supper Heinemann, Margit Supper und Architektin Anne Herrmann, während die Jungen und Mädchen sich in ihren neuen Räumen bereits sichtlich wohl fühlten.

Während des Umbaus zogen Kinder und Erzieherinnen am 1. August in die benachbarte Mehrzweckhalle, in der Sigrid Schäfer und ihr Team eine provisorische Kita eingerichtet hatten. Die Vereine, die sonst hier ihren Aktivitäten nachgehen, fanden Interimslösungen. Am 25. August starteten die Bauarbeiten, in der ersten Dezemberwoche war es soweit: Die Kita zog zurück.

Der Treppenabgang ins Untergeschoss ist nun besser gesichert.
Der Treppenabgang ins Untergeschoss ist nun besser gesichert. Foto: Cordula Fischer
Der Treppenabgang ins Untergeschoss ist nun besser gesichert.
Foto: Cordula Fischer

Die Mehrzweckhalle wird künftig als Bewegungsraum genutzt, der für eine Einrichtung mit zwei Gruppen vorgeschrieben ist. Um nicht aus dem Kindergarten hinausgehen zu müssen, um in die Halle zu gelangen, wurde ein Durchbruch geschaffen, mit neuer Tür samt Sicherung. Synergieeffekt: Nun ist ein barrierefreier Zugang zur Halle möglich, sodass auch Menschen mit Handicap problemlos dort hineinkommen können. Die Küche in der Halle wird vom Kindergarten mitgenutzt, auf die WCs dort können die größeren Kinder gehen, für die kleineren wurden neue Toiletten und Waschtische in entsprechender Größe und Höhe installiert. Der Garderobenbereich im Eingangsbereich wurde neu gestaltet.

Im U3-Gruppenraum wurde baulich nichts verändert. Hier war während der Bauarbeiten das Material aus den anderen Zimmern gelagert. Aber er wurde mit neuen Möbeln ausgestattet, sodass die Erzieherinnen die Kinder, die die Marienkäfergruppe besuchen, hier pädagogisch adäquat betreuen können. Bereits vor einigen Jahren wurde im Außenbereich eine Fluchttreppe angebaut.

Auch der Gruppenraum der über Dreijährigen wurde neu gestaltet.
Auch der Gruppenraum der über Dreijährigen wurde neu gestaltet. Foto: Cordula Fischer
Auch der Gruppenraum der über Dreijährigen wurde neu gestaltet.
Foto: Cordula Fischer

Der Raum der Regenbogengruppe (Ü3) ist gründlich überarbeitet worden, neuer Boden, neue Decke. Auch hier wurde ein Durchbruch mit Tür mit Sichtfenster geschaffen, denn im kleinen Nebenraum, wo früher Büro, Teeküche, Personal- und Besprechungszimmer in einem waren, ist nun der Schlaf- und Ruheraum für die unter Dreijährigen Kinder samt gedämmter Decke und neuem Bodenbelag.

Der Treppenbereich hinunter ins Untergeschoss wurde besser gesichert werden. Bisher dienten eine Holzabtrennung und ein Netz dafür, dass die Mädchen und Jungen nicht in Gefahr geraten. Die Kellerräume – bisher von Feuerwehr, DRK und der Gleitschirmflugschule Luftikus genutzt – haben neue Funktionen bekommen. Die ehemalige Dorfbücherei, die bis Anfang der 2000er-Jahre betrieben wurde, ist jetzt auch wieder Bücherei. Der Vereinsraum hat den größten Wandel vollzogen. Die alten, dunklen Asphaltfliesen sind weg, es gibt moderne Büroarbeitsplätze und eine Küche und Sitzgelegenheiten. Die Ölheizung und der riesige Tank wurden ausgebaut. Stattdessen steht ein moderner Brenner im Heizraum, statt Öltank ist ein Pelletslager entstanden. Per App wird der Füllstand gemeldet, sodass der Nachschub digital gesteuert werden kann.

Im ehemaligen Vereinsraum ist jetzt das Büro.
Im ehemaligen Vereinsraum ist jetzt das Büro. Foto: Cordula Fischer
Im ehemaligen Vereinsraum ist jetzt das Büro.
Foto: Cordula Fischer

Geschätzt wurden die Kosten fürs Projekt auf rund 491.000 Euro. »Wir sind im Rahmen geblieben«, sagt Ronny Roßberg. Für den Umbau und Schaffung einer zweiten Gruppe hat die Stadt 200.000 Euro aus dem Ausgleichsstock erhalten, für die Heizung von der KfW-Bank eine Förderung von 31.600 Euro (30 Prozent). Der Selbstbehalt der Stadt liegt bei rund 259.400 Euro. Bedenkt man die üblichen Kosten, die Margit Supper für den Gruppenausbau genannt hatte, »ist das fast ein Schnäppchen«, sagt Ortsvorsteher Bernd Schäfer. Die Übergangslösung während der Bauzeit habe 0 Euro gekostet, »das waren optimale Voraussetzungen«, sagt Anne Herrmann. (GEA)