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100 Jahre Posaunenchor Genkingen: Streifzug durch Zeiten und Genres

Volles Haus, Applaus und höchste Auszeichnungen: Der Posaunenchor Genkingen feierte sein 100-jähriges Bestehen mit einem großen Konzert. Landrat Dr. Ulrich Fiedler überreichte dem Jubilar eine Plakette des Bundespräsidenten für sein Wirken.

Zur Wickie-Suite von Christian Bruhn gab’s das passende Outfit.  FOTO: LEIPPERT
Zur Wickie-Suite von Christian Bruhn gab’s das passende Outfit. FOTO: LEIPPERT
Zur Wickie-Suite von Christian Bruhn gab’s das passende Outfit. FOTO: LEIPPERT

SONNENBÜHL-GENKINGEN. Es hätte wohl kein würdigeres und vergnüglicheres Jubiläumskonzert zum 100-jährigen Bestehen des Genkinger Posaunenchors geben können, als es am Samstagabend war. Denn absolut nichts fehlte. Zahlreiche Gäste, die die Brühlhalle bis auf den allerletzten Platz füllten und sie mit ihrem tosenden Schlussapplaus fast ins Wanken gebracht hätten, lobende Worte, Geschenke, amüsante Sketche und natürlich Musik des Jubilars auf hohem Niveau. Ein Team des CVJM Genkingen sorgte für die Pausenbewirtung.

Der »Böhmische Traum« gefällt

Waren früher Posaunenchöre ausschließlich dazu da, kirchliche Feste oder Gottesdienste musikalisch zu umrahmen, wurden sie dafür von Manchem nur belächelt. "Dia Zeita send out", witzelte Hemme" (Hermann Früh), der den Abend amüsant und leutselig moderierte. Auch die Genkinger Bläser bewiesen, dass Posaunenchöre heutzutage Musikstücke aus so ziemlich jedem Genre spielen können. Neben Chorälen standen deswegen etliche Stücke aus Pop und Rock, Klassik und sogar die Parade-Polka der Blasmusik, der "Böhmische Traum", auf dem Programm.

»Dass die Halle so schee voll isch, hätten wir uns nicht zu träumen gewagt«, freute sich der Moderator und stimmte gemeinsam mit Andrea Kleih kurz mit dem Sketch »Gott gab uns Atem, damit wir blasen« auf die Entstehung des Chors und das gut vierstündige Programm ein. Und weil laut Satzung der Vorstand »älle hondert Joahr« eine Begrüßung machen dürfe, gab Hemme das Mikrofon an Helmut Herrmann weiter. »Was würde auch Gründer Heinrich Herrmann sagen, wenn er sähe, was aus diesem Chor geworden ist«, überlegte der Vorsitzende und gab die Antwort gleich selbst: Der Urheber hätte wohl nur »Grüß Gott miteinander« gesagt, und genau so halte er es jetzt auch.

»Musik ist ein reines Geschenk und eine Gabe Gottes, sie vertreibt den Teufel, sie macht die Leute fröhlich und man vergisst über sie alle Laster«, zitierte Bürgermeister Uwe Morgenstern den Theologen und Reformator Martin Luther, als er dem Posaunenchor zum hundertjährigen Bestehen gratulierte. Die Begleitung von Gottesdiensten und Beerdigungen, das Blasen zu Neujahr vom Kirchenturm, das Musizieren zu festlichen Anlässen wie Geburtstag oder Hochzeiten, die Umrahmung von Veranstaltungen der Gemeinde und vieles mehr habe sich der Chor zu seiner ureigensten Aufgabe gemacht. Mit einem Scheck sowie einer Flasche Bärenhöhlenwein dankte der Schultes für die musikalische Arbeit.

Was er gehört habe und das musikalische Repertoire seien einfach klasse, lobte auch Landrat Dr. Ulrich Fiedler. Gemeinsames Musizieren heiße, gemeinsam etwas für die Seele zu tun, was gerade in so belastenden Zeiten wie diesen wichtig sei. Toll finde er auch die Jugendbläserarbeit oder die langjährige Partnerschaft der Genkinger Posaunisten mit einem Chor in Jena. »Die Vereinsarbeit ist auch eine ganz wichtige Sozialarbeit«, so Fiedler weiter. »Man ist füreinander da und gestaltet das Leben ein Stück weit zusammen«, dankte der Landrat allen, die dazu beigetragen haben, dass der Chor seit 100 Jahren lebe. Für »langjähriges Wirken und besondere Verdienste um die Pflege des instrumentalen Musizierens und damit die Förderung des kulturellen Lebens« zeichnete der Landrat den Genkinger Posaunenchor mit der Pro-Musica-Plakette des Bundespräsidenten aus.

88-jähriger Erich Reiff brilliert

Pfarrer Hansjörg Eberhardt gestaltete eine humorige und bebilderte Rückschau der hundert Jahre Chor im Stil einer Live-Sendung von »Alb-TV«. Dann gab es kein Halten mehr. Der Jubilar demonstrierte sein Können unter Leitung von Volker Wüstling oder Charly Herrmann, Jungposaunisten glänzten mit ihrer Leiterin Dorothee Herrmann. Egal ob ein Concerto von Antonio Vivaldi, Gospelmusik von Chris Hazell, die Wickie-Suite von Christian Bruhn, für die die Musiker extra noch Wikinger-Hörnerhelme aufsetzten, die Ouvertüre zur Oper Nabucco oder der Spiritual »Joshua fit the battle of Jericho«, bei dem Günter Herrmann virtuos sein Euphonium zum Klingen brachte: Die 29 Musiker und fünf Jungmusiker begeisterten das Publikum restlos. Als der 88-jährige Erich Reiff mit seiner Tuba schließlich noch den Jägerchor aus der Oper »Der Freischütz« bravourös zum Besten gab, waren die Zuhörer hin und weg und forderten mit frenetischen Standing Ovations noch Zugaben. Die gab es zuerst im Samba-Rhythmus bei »Gipsy Brass« und abschließend gesungen bei »Ond wenn ihr wieder bei uns sind«. (GEA)