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Ära in Sonnenbühl endet: »Maultaschenwirtin« hört auf

Andrea Pudelkos Pachtvertrag für den »Maultaschenwirt« in Sonnenbühl endet am 31. Dezember, danach möchte die Gastwirtin einfach mal Zeit für sich haben. Nachfolger für die Nebelhöhlen-Gaststätte sind mit Sebastian Keinath und Richard Lottholz bereits gefunden.

Nach 26 Jahren ist Schluss für Andrea Pudelko, sie gibt den »Maultaschenwirt« auf
Nach 26 Jahren ist Schluss für Andrea Pudelko, sie gibt den »Maultaschenwirt« auf Foto: Kirsten Oechsner
Nach 26 Jahren ist Schluss für Andrea Pudelko, sie gibt den »Maultaschenwirt« auf
Foto: Kirsten Oechsner

SONNENBÜHL. Als die Nachricht jüngst die Runde machte, wollte es kaum jemand glauben - nicht die Sonnenbühler, nicht die (Stamm-)Gäste von außerhalb und auch nicht die Gastro-Kollegen aus der Region: Wenn der »Maultaschenwirt« an der Nebelhöhle nach der Winterpause wieder öffnet, wird nicht mehr Andrea Pudelko Gastgeberin sein, sondern Sebastian Keinath und Richard Lottholz übernehmen diesen Part. Die beiden betreiben seit vier Jahren die Gaststätte auf dem Rossberg, die offizielle Übergabe fand bereits vor wenigen Tagen statt.

Nach 26 Jahren ist für Andrea Pudelko Schluss, das sei eine bewusste und reiflich überlegte Entscheidung: »Ich habe mich so viele Jahren den Gästen gewidmet und sie an die erste Stelle gesetzt«, erklärt die 53-Jährige. »Jetzt möchte ich selbst mal an einem Wochenende Gast sein.« Die Ausflugsgaststätte zu bewirten, bedeute in der Saison sieben Tage in der Woche anwesend zu sein, nur in der Winterpause von Dezember bis einschließlich Februar habe sie sich eine Ruhepause gegönnt, auch wenn der »Maultaschenwirt« für Gesellschaften teilweise geöffnet hatte.

Alles muss raus

Sie sei immer eine Macherin gewesen, habe mit jeder Herausforderung umgehen können – auch in der Zeit der Coronapandemie. Damals habe sie neue Ideen umgesetzt und Kulturveranstaltungen organisiert, die betrieblichen Abläufe umgestaltet und dabei eines nie aus den Augen verloren: »Ich wollte mir immer Zeit für meine Gäste nehmen und ich habe immer versucht, ihre Wünsche zu erfüllen«, beschreibt Andrea Pudelko ihren ganz persönlichen Anspruch als Gastwirtin mit Herz. »Jetzt möchte ich mir selbst Wünsche erfüllen.« Noch habe sie keine genauen Vorstellungen, wie es beruflich weitergehe. Sie mache sich jedoch keine Sorgen, den für sie richtigen Weg zu finden: Sie sprühe vor Ideen, habe Lust auf vieles.

Bis zum Ende des Pachtvertrags am 31. Dezember ist die gelernte Dekorateurin nach wie vor Gastwirtin – im November hat die Gaststätte bei schönem Wetter an den Wochenenden geöffnet - und gleichzeitig mit der Abwicklung des »Maultaschenwirts« beschäftigt. Alles müsse raus und im Lauf der vielen Jahre habe sich ganz schön viel angesammelt an Küchenequipment, aber auch an Deko. Gerade die gemütliche Einrichtung, die liebevolle Ausstattung der Gasträume und des Außenbereichs habe es den Gästen angetan, so Pudelko. Diese Atmosphäre sei ihr wichtig gewesen, denn sie habe jedem einzelnen Gast das Gefühl von Geborgenheit vermitteln und einen Platz bieten wollen, wo er gerne isst, trinkt und Menschen zum schwätzen trifft.

Abschied fällt allen schwer

Andrea Pudelko hat mit ihrer offenen und herzlichen Art dem "Maultaschenwirt", der bei der Übernahme gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann noch "Albgaststätte" hieß, ein ganz eigenes Flair gegeben – der Ruf sei vor 26 Jahren nicht ganz so gut gewesen. Doch nach und nach hätten nicht nur Ausflügler den Weg an die Nebelhöhle gefunden, sondern zunehmend auch wieder die Sonnenbühler: Runde Geburtstage, Konfirmationen, Vereinsabende oder auch Firmenfeiern fanden im "Maultaschenwirt" statt, auch ein Stammtisch habe sich etabliert. "Es sind schon viele Tränen bei den Gästen geflossen", erzählt die baldige Ex-Gastwirtin. "Aber mich gibt’s ja noch, aber eben nicht mehr hier.

Selbstverständlich seien auch bei ihr sehr viele Emotionen mit im Spiel, der Abschied falle ihr nicht leicht. 26 Jahre ihres Lebens hätten hauptsächlich in der Gaststätte stattgefunden: »Meine Kinder haben hier ihre Osternester gesucht«, blickt die zweifache Mutter auf von der Gaststätte geprägten Familienzeiten zurück. Sie habe lang über ihren Rückzug aus der Gastronomie nachgedacht: »Es ist eine riesige Entscheidung, die alles ändert«, ist sich die 53-Jährige bewusst. Sie gebe vieles auf, auch an Lebensqualität: Die intensive Beziehung zu den Gästen und dem Team – »wird sind wie eine Familie« – beispielsweise. Und selbst die Anfahrt zur Nebelhöhle werde ihr fehlen – der Weg raus in die Natur sei immer etwas besonderes gewesen. »Es wäre schön, wenn der Geist noch weiterwirkt«, äußert Andrea Pudelko einen Wunsch zum Abschied.

Focus auf Familien

Ihre Nachfolger sind in Sonnenbühl nicht unbekannt, Sebastian Keinath und Richard Lottholz von der Vom Kaiser GmbH bewirten seit Juli 2021 die Gastwirtschaft auf dem zu Reutlingen gehörenden Rossberg. Damals seien sie, so Keinath, von der Innenstadt, wo das Gastronomen-Duo die Kaiserhalle bewirtschaftet – rauf in die Höhe gezogen und hätten mit der Ausflugsgaststätte Neuland betreten. »Das hat unsere Liebe zur Alb verfestigt«, gibt er zu. Deshalb haben sie sich auch auf die Ausschreibung zur Neuverpachtung der Nebelhöhlen-Gaststätte beworben und den Zuschlag der Gemeinde Sonnenbühl erhalten. »Unser Weg auf der Schwäbischen Alb geht also weiter.« Die Erfahrungen im Saisongeschäft werde man vom Rossberg an die mit dem Auto gerade mal zehn Minuten entfernte Nebelhöhle mitnehmen und Synergieeffekte wo immer auch möglich nutzen.

Der Pächterwechsel ist offiziell, mit dabei waren (von links): Ronja Friedrich vom Tourismusamt Sonnenbühl, Sebastian Keinath, J
Der Pächterwechsel ist offiziell, mit dabei waren (von links): Ronja Friedrich vom Tourismusamt Sonnenbühl, Sebastian Keinath, Jochen und Andrea Pudelko, Bürgermeister Uwe Morgenstern und Richard Lottholz. Foto: Gemeinde Sonnenbühl
Der Pächterwechsel ist offiziell, mit dabei waren (von links): Ronja Friedrich vom Tourismusamt Sonnenbühl, Sebastian Keinath, Jochen und Andrea Pudelko, Bürgermeister Uwe Morgenstern und Richard Lottholz.
Foto: Gemeinde Sonnenbühl

Ein genaues Eröffnungsdatum nach der Winterpause steht noch nicht fest: »Wir werden an Ostern geöffnet haben«, verspricht Keinath jedoch. Sie seien sich der Tradition der Ausflugsgaststätte bewusst und wertschätzten, was dort geleistet worden sei. Aber sie wollen durchaus neue Akzente setzen: »Wir wollen die Wurzeln erhalten und gleichzeitig neue Bäume pflanzen.« Eines sei bereits klar: Die Gaststätte und der große Außenbereich sollen ein Ort für alle bleiben, das Thema Familie werde jedoch verstärkt. »Wir freuen uns darauf«. (GEA)