PFRONSTETTEN. Spekulationen darüber, warum Bürgermeister Manuel Maier schon länger nicht mehr im Rathaus war, ob und wann er wieder kommt, kursieren schon seit geraumer Zeit. Nicht nur in Pfronstetten, sondern auch in Sonnenbühl, wo der Pfronstetter Schultes mit seiner Familie lebt. Der Gerüchteküche stehen nun auch Fakten gegenüber. Seit rund drei Monaten führt Nicole Frasch, Maiers erste Stellvertreterin aus den Reihen des Gemeinderats, die Amtsgeschäfte. Auch die anderen beiden stellvertretenden Bürgermeister, Ernst Störkle und Karlheinz Schultes, übernehmen Aufgaben und nehmen Termine wahr.
Wie lange das so bleibt? Das kann auch Nicole Frasch nicht sagen, die Ende Oktober für den kranken Schultes eingesprungen ist und eine Gemeinderatssitzung geleitet hat. Anfang November teilte Manuel Maier den Gemeinderäten und Verwaltungsmitarbeitern dann schriftlich mit, er sei »auf ärztliches Anraten bis auf Weiteres krankgeschrieben«. Auch die Diagnose benennt er, es handelt sich demnach um ein körperliches Leiden. Hinter mehr oder weniger vorgehaltenen Händen war immer wieder gemunkelt worden, der Bürgermeister sei überfordert und ausgebrannt. Telefonisch zu erreichen war Maier, der im September 2024 in sein Amt eingesetzt wurde, für den GEA nicht. Als einziger Kandidat war er im Juli mit 91,1 Prozent der gültigen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 63 Prozent gewählt worden.
»Die Nächte sind zurzeit etwas kürzer«, sagt Nicole Frasch. Die Betriebswirtin hat einen 80-Prozent-Job im Patentwesen und eine Familie mit zwei Kindern, das Rathausgeschäft kommt nun obendrauf - komplett ehrenamtlich. Vieles geht von zuhause aus, E-Mails beantworten, Sitzungen vorbereiten, Termine abstimmen. »Aktuell stehen viele Vereinsversammlungen an«, berichtet Frasch, die Termine werden unter den drei Stellvertretern verteilt. Und auch alltägliche Dinge wie Geburtstagsglückwünsche für ältere Bürger sollen nicht auf der Strecke bleiben. Für Unterschriften und Besprechungen - mit den Rathausleuten, aber auch externen Dienstleistern, die Unterstützung leisten - kommt sie ins Rathaus.
»Wir ziehen an einem Strang, sonst würde das nicht so reibungslos funktionieren«
Die Personalsituation dort ist derzeit alles andere als üppig, »wir haben vor Weihnachten drei Stellen ausgeschrieben, eine konnten wir besetzen«. Immerhin im Bürgerbüro sitzt seit Januar wieder jemand. Das Vorzimmer des Bürgermeisters ist weiterhin verwaist, die Kämmerin ist noch alleine. »Wir versuchen, unseren Aufgaben gerecht zu werden«, betont Frasch, Und das läuft ganz gut, berichtet Reinhold Teufel. Er saß vor Maier auf dem Chefsessel im Pfronstetter Rathaus, 16 Jahre lang. Nach einer gescheiterten Kandidatur in Trochtelfingen trat er auch in Pfronstetten nicht mehr an und machte sich als Kommunalberater selbstständig. Jetzt ist der Inneringer einer der externen Dienstleister, von denen Nicole Frasch berichtet. Kurioses Detail: Auch Frasch wollte schon mal Bürgermeisterin in Pfronstetten werden, 2016 trat sie gegen Teufel an und holte stolze 39 Prozent der Stimmen.
Die Konkurrenz ist Geschichte, »wir ziehen an einem Strang und haben ein hervorragendes Verhältnis, sonst würde das nicht so reibungslos funktionieren«, sagt Teufel. Als Dienstleister war er auch schon vor der Krankschreibung des Bürgermeisters tätig: »Seit einem Jahr betreue ich große Baustellen wie den Breitbandausbau und die Ortsdurchfahrt in Aichelau.« Jetzt sind weitere Aufgaben hinzugekommen, Teufel ersetzt das Haupt- und Bauamt. Nach 16 Jahren als Bürgermeister ist Teufel in den Themen drin und spürt immer noch »eine tiefe Verbundenheit« zu Pfronstetten, sagt er.
»Die personelle Situation ist aufgrund unbesetzter Stellen sehr angespannt«
Ein weiterer Dienstleister unterstützt die Kämmerin - der Haushalt für 2026 muss aufgestellt werden. Die Finanzverwaltung soll in absehbarer Zeit sowieso auf neue Füße gestellt werden, der Gemeinderat hat bereits den Grundsatzbeschluss für eine gemeinsame Kämmerei im Verwaltungsverband Hayingen, Pfronstetten und Zwiefalten gefasst. »Das wollen wir gemeinsam angehen, wie das konkret aussehen soll, wird nun geklärt«, sagt Frasch.
Wie es grundsätzlich weitergeht und wie lange die Interims-Mannschaft durchhalten muss? Dazu, ob und wann Maier zurückkehrt, kann und will Nicole Frasch nichts sagen: »Das berührt die Privatsphäre und ist deshalb vertraulich.« Sie stehe aber im regelmäßigen Austausch mit Maier. Nicht angemessen und fair finden Frasch und Teufel Parallelen, die - nicht nur hinter vorgehaltener Hand - zu Michael Waibel gezogen werden. Waibel war Amtsvorgänger von Teufel und von 2004 bis 2008 im Amt und hatte weniger mit politischen Entscheidungen als mit häufigen Fehlzeiten und Streitereien mit dem Gemeinderat auf sich aufmerksam gemacht. An seinem aktuellen Wohnort Weingarten hat er es mit Nachbarschaftsquerelen inklusive Schlägerei in die Schlagzeilen geschafft. Vergleiche verbitten sich Frasch und Teufel, Maier habe sich menschlich korrekt verhalten und sich nicht unbeliebt gemacht.
Das Landratsamt als zuständige Rechtsaufsichtsbehörde sieht derzeit weder Handlungsbedarf noch - Spielräume, bestätigt aber: »Die personelle Situation in der Pfronstetter Verwaltung ist auch aufgrund unbesetzter Stellen sehr angespannt. Als Rechtsaufsichtsbehörde unterstützen und beraten wir die Verwaltung bestmöglich. Darüber hinaus gibt es für uns rechtlich derzeit keine Handlungsmöglichkeiten.« (GEA)

