SONNENBÜHL. Mit zahlreichen Veranstaltungen unter dem Motto »50 Jahre Sonnenbühl« würdigte die Gemeinde bereits das ganze Jahr über ihr Bestehen seit einem halben Jahrhundert. Das große Finale der Veranstaltungen war nunmehr der Festakt am Freitag. Am Abend zuvor hatte bereits ein Konzert mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen unter der Leitung von Markus Huber stattgefunden. Die Musiker präsentierten Filmmusik von »Over the Rainbow« bis zu »Moon River«. »Casablanca«, die Suite für Orchester nach Max Steiner, brachte das berühmte Lied, das bekanntlich Sam am Klavier spielt. Und wer das Abenteuer liebt, bekam bei »Raiders March« aus Indiana Jones leuchtende Augen. Solist an der Violine war Timo de Leo. Die Bewirtung hatte die Singgemeinschaft Undingen übernommen, genauso wie am darauffolgenden Tag der TSV Genkingen.
Einen »geselligen Abend von Sonnenbühl für Sonnenbühl« hatte das Programm für Freitag versprochen. Was dann geboten wurde, war vom Feinsten. Die Besucher erlebten einen Zeitlauf durch 50 Jahre Sonnenbühl von Archivnotizen über Klänge der Sonnenbühler Posaunenchöre und Lieder des eigens gegründeten Jubiläumschors unter Leitung von Nadja Schmiling bis zur Talkrunde, der Präsentation des neuen Fotokalenders, an dessen Wettbewerb sich 22 Fotografen beteiligt hatten, sowie einer Überraschungs-Einlage.
Im Archiv geblättert
Bürgermeister Uwe Morgenstern hatte im Archiv geblättert und legte ernüchternde Zahlen der damaligen Bürgerbefragung vor. Nur in Undingen stimmte man damals einem Zusammenschluss zu, in den drei anderen Ortsteilen wurde dieser mit weit über 90 Prozent abgelehnt. Es nutzte nichts: Im Sommer 1974 beschloss das Land die Fusion der vier Albgemeinden, 1975 wurde dieser vollzogen, erster Bürgermeister wurde Dieter Winkler. »Es war definitiv keine Liebesheirat aus freien Stücken«, sagte Morgenstern in seiner Festrede. Umso erstaunlicher, wie sich Sonnenbühl in fünf Jahrzehnten entwickelt hat.
Morgenstern hob das gute Miteinander hervor, die Entwicklungen im Tourismus, die kommunalpolitischen Leistungen, die Wirtschaft und Unternehmen in der Gemeinde. »Ich bin überzeugt, alleine hätten die Dörfer das nicht geschafft.« Es sei zum Beispiel gelungen, in allen vier Ortsteilen die Grundschulen zu erhalten. Die Brühlschule in Genkingen sei eine der drei verbliebenen Realschulen im Landkreis. Morgenstern hob die breite wirtschaftliche Infrastruktur hervor, ebenso den Neubau des Rathauses 1993 und den Erhalt der historischen Rathäuser in den Ortsteilen, Dienstleistungen, Handel, Handwerk, bedeutende Unternehmen: »Sonnenbühl hat sich einen Namen gemacht und ist attraktiv.« Prägend ist für die Gemeinde sei zudem der Tourismus, im nächsten Jahr wird Sonnenbühl Mitglied im Biosphärengebiet Schwäbische Alb. »Tourismus bedeutet Infrastruktur«, ist Morgenstern überzeugt. Seit dem Zusammenschluss ist Sonnenbühl um mehr als 1.700 Einwohner auf nunmehr 7.110 Einwohner angewachsen.
Augenmerk auf dem Ehrenamt
Angesichts dieser Erfolgsgeschichte blieb Landrat Dr. Ulrich Fiedler nichts anderes übrig als zu betonen: »Sonnenbühl steht gut da.« Die Gemeinde könne stolz sein auf die Entwicklung der vergangenen 50 Jahre. Natürlich seien erfolgreiche Unternehmen ein wichtiger Bestandteil der Gemeinde. Aber, so Fiedler, er wolle das Augenmerk an diesem Abend auf das Ehrenamt legen. »Dieses Ehrenamt wird hier in besonderer Weise gelebt.« Es fördere nämlich das Zusammenleben und damit die Demokratie. »Auf fast 70 Prozent Wahlbeteiligung bei einer Bürgermeisterwahl, darauf können Sie wirklich stolz sein«, betonte Fiedler und nahm Bezug auf die Wahl von vor zwei Wochen, bei der Michael Schmidt bei hoher Wahlbeteiligung als grandioser Sieger und zukünftiger Bürgermeister hervorgegangen war.
Fiedler erwähnte aber auch das Thema Windkraft. Sonnenbühl habe sich diesbezüglich auf den Weg gemacht. Was am Hohfleck entstehe, sei zukunftsgerichtet, denn es sei wichtig, ein möglichst hohes Maß an Autonomie im Energiesektor zu gewinnen. Als dritten Schwerpunkt seiner Rede nannte Fiedler den Tourismus. Dieser sei hier eine Erfolgsgeschichte, Sonnenbühl sei die Vorzeigekommune beim Thema Tourismus im Landkreis. Auch hier habe der Gemeinderat die Weichen in die richtige Richtung gestellt.
Rede und Antwort stehen
Einblicke in die Gemeinderatsarbeit, in die Entscheidungsfindungen und überhaupt in die Zeit vor und nach dem Zusammenschluss der vier Gemeinden gab es dann bei der von Pfarrer Hansjörg Eberhardt geleiteten Talk-Runde mit Roswitha Metzger aus Genkingen, Ulrich Leibfritz aus Undingen, Jürgen Schweikardt aus Erpfingen, der seinen Vater Richard vertrat, und Emil Schmid aus Willmandingen. Die kommunalpolitisch erfahrenen Gesprächsteilnehmer standen Rede und Antwort bei dem unterhaltsamen und durchweg recht humorvollen und lebendigen Gespräch, berichteten von einst emotionalen Bürgeranhörungen und darüber, wie die vier Orte schließlich zusammenfanden.
In Sachen Humor wurde die Latte dann aber zum Finale des Abends noch etwas höher gelegt. Als Überraschungs-Einlage traten Pfarrer Hansjörg Eberhardt und Gemeinderat Jürgen Scheible als Straßenkehrer auf und nahmen unter dem Titel »Sonnabühl – a saubre Sach« Kommunalpolitik, Bürgermeister und alles, was sich sonst in Sonnenbühl so tut, auf die Schippe. In breitestem Schwäbisch, versteht sich. (GEA)


