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Ausstellung in Sonnenbühl: Starke Farben treffen schöne Formen

Erste Ausstellung des Jahres in der Alten Schule in Sonnenbühl-Undingen: Traude Schrade zeigt abstrakte Malerei, Christian Gogollok ist mit Skulpturen vertreten.

Traude Schrade und Christian Gogollok arbeiten ganz unterschiedlich, ihre Werke - Malerei und Holzskulpturen - ergänzen sich abe
Traude Schrade und Christian Gogollok arbeiten ganz unterschiedlich, ihre Werke - Malerei und Holzskulpturen - ergänzen sich aber gut. Foto: Cordula Fischer
Traude Schrade und Christian Gogollok arbeiten ganz unterschiedlich, ihre Werke - Malerei und Holzskulpturen - ergänzen sich aber gut.
Foto: Cordula Fischer

SONNENBÜHL. Was sie bewegt, bannt Traude Schrade auf die Leinwand. Das wird gleich im Eingangsbereich zum Kunsthaus Alte Schule deutlich. Der rote Faden zieht sich durchs Treppenhaus bis hinauf in die Galerieräume. Einige ihrer Werke haben programmatische Titel. Bräuchten sie kaum, denn die vorwiegend abstrakten Gemälde entfalten ihre Wirkung auch ohne Worte, sprechen eine eigene Sprache. Und korrespondieren mit den Skulpturen von Christian Gogollok, die wie gemacht füreinander erscheinen. Schon mehrere Ausstellungen haben die beiden Künstler miteinander bestritten. Das hat sie auch zur erneuten Gemeinschaftsausstellung in Sonnenbühl motiviert. »Meine lebhaften Bilder matchen gut mit den Skulpturen von Christian Gogollok«, sagt Traude Schrade.

Inspiriert vom Meer: die Blaue Serie von Traude Schrade.
Inspiriert vom Meer: die Blaue Serie von Traude Schrade. Foto: Cordula Fischer
Inspiriert vom Meer: die Blaue Serie von Traude Schrade.
Foto: Cordula Fischer

Ihre Herangehensweise an ein neues Werk aber könnte unterschiedlicher nicht sein. Gleichwohl sie beide Inspiration aus der Natur schöpfen. Während Traude Schrade spontan und intuitiv ihre Bilder entstehen lässt, macht Christian Gogollok Vorzeichnungen, fertigt Modelle aus Ton, die er dann mit Kettensäge und Fräse auf Holz überträgt. Holz ist derzeit sein bevorzugter Werkstoff, er versteht sich aber auch auf Skulpturen aus Gips, Bronze, Stahl, Stein und Zement.

Die Ausstellung

Die Ausstellung »Form trifft Farbe« mit Malerei von Traude Schrade und Bildhauerei von Christian Gogollok beginnt mit der Vernissage am Sonntag, 11. Januar, um 15 Uhr. Eine Einführung gibt Dr. Karl Peter Krauss, Musik steuern Mick and Alan bei. Geöffnet ist das Kunsthaus Alte Schule in Sonnenbühl-Undingen, Hauptstraße 30, jeweils samstags und sonntags von 12 bis 17 Uhr. Die Ausstellung ist bis zum 1. Februar zu sehen. (cofi)

»Ich lege einfach los«, sagt Traude Schrade. Und verwendet, was auch immer an Materialien da ist: Acrylfarbe kombiniert sie mit Sand - dem gelben aus der Wüste oder dem schwarzen aus La Palma -, Bitumen, Asche, Gips, Zement, Spachtelmasse, Marmor- und Alabastermehl. »Ich mache vor nichts Halt«, sagt sie. Auch Versatzstücke von Fliegengitter, Verpackungsmaterial oder anderem integriert sie, baut ihre Bilder Schicht für Schicht auf, übermalt, druckt, arbeitet Strukturen heraus, mal bleibt der schwarze Bitumen matt, mal glänzt er und setzt besondere Akzente. Form und Farbe entstehen im Schaffensprozess.

Christian Gogollok ist angetan vom weiblichen Körper und arbeitet feminine, weiche Formen aus Nussholz heraus.
Christian Gogollok ist angetan vom weiblichen Körper und arbeitet feminine, weiche Formen aus Nussholz heraus. Foto: Cordula Fischer
Christian Gogollok ist angetan vom weiblichen Körper und arbeitet feminine, weiche Formen aus Nussholz heraus.
Foto: Cordula Fischer

Es ist der Urlaub am Meer, es sind die Jahreszeiten, es sind aber auch Nachrichten aus aller Welt, Lebenserfahrungen und Gefühle, die Traude Schrade verarbeitet, übersetzt in ihre Bildsprache. Sie reden von Stärke, Kraft, Freiheit. Von Trauer und Lebendigkeit, von Freude und Schweigsamkeit, Wortlosigkeit. Traude Schrade treibt die Suche nach Harmonie an, Harmonie von Farbe und Komposition. Lange arbeitet sie, überarbeitet sie ihre Bilder, bis sie für sie stimmig sind. Mal druckt sie mit alten Lettern Buchstaben und Worte auf die Leinwand, arbeitet mit Schablonen, schüttet Tusche auf die Oberfläche, lässt sie verlaufen, bis sie sich mal lasierend, mal deckend über die bereits aufgebrachten Farb- und Strukturschichten legt.

»Form trifft Farbe« ist der Titel der Ausstellung von Traude Schrade (Malerei) und Christian Gogollok (Bildhauerei).
»Form trifft Farbe« ist der Titel der Ausstellung von Traude Schrade (Malerei) und Christian Gogollok (Bildhauerei). Foto: Cordula Fischer
»Form trifft Farbe« ist der Titel der Ausstellung von Traude Schrade (Malerei) und Christian Gogollok (Bildhauerei).
Foto: Cordula Fischer

Im Albgut, wo Traude Schrade ihr Atelier hat, haben sich Schrade und Christian Gogollok kennen und schätzen gelernt, dort in Gruppen- und gemeinsamen Ausstellungen, zuletzt im März 2025, ihre Werke präsentiert. Auch im Breuninger-Schaufenster in Reutlingen haben sie sie zusammen gezeigt. Für die aktuelle Ausstellung hat Christian Gogollok Skulpturen in Naturholzoptik sowie schwarz und rot gebeizte Objekte ausgewählt.

Kraftvoll: Traude Schrade hat mit starken Farben und unter anderem mit Bitumen gearbeitet, bei manchen seiner Skulpturen hat Chr
Kraftvoll: Traude Schrade hat mit starken Farben und unter anderem mit Bitumen gearbeitet, bei manchen seiner Skulpturen hat Christian Gogollok die Oberfläche mit der Kettensäge bearbeitet und ihr Struktur verliehen. Foto: Cordula Fischer
Kraftvoll: Traude Schrade hat mit starken Farben und unter anderem mit Bitumen gearbeitet, bei manchen seiner Skulpturen hat Christian Gogollok die Oberfläche mit der Kettensäge bearbeitet und ihr Struktur verliehen.
Foto: Cordula Fischer

Aus dem Bauch heraus arbeiten, »das gibt's bei mir nicht«, sagt Christian Gogollok. Bevor er den ersten Schnitt am Holz wagt, ist durchdacht, skizziert und in Ton modelliert, was aus dem unbearbeiteten Block entstehen soll. Jedes Stück ist ein Langzeitprojekt. Gogollok arbeitet seine Formen und Figuren aus dem nassen Holz heraus. Getrocknet wird das Objekt dann über zwei Jahre, bevor Christian Gogollok an den Feinschliff geht. So vermeidet er die Gefahr, dass das Material während der Bearbeitung reißt. »In diesem Moment interessiert mich das Stück erst mal nicht mehr«, sagt er. »Das nächste bitte«: Währenddessen hat er bereits die Arbeit an einer neuen und noch anderen Skulpturen begonnen, sodass der Schaffensprozess nie ins Stocken gerät. Und den beschreibt er mit einem höchst befriedigenden, meditativem Zustand.

Wie aus einem Guss: Farblich und von der Formensprache sind die Werke von Traude Schrade und Christian Gogollok wie gemacht füre
Wie aus einem Guss: Farblich und von der Formensprache sind die Werke von Traude Schrade und Christian Gogollok wie gemacht füreinander. Foto: Cordula Fischer
Wie aus einem Guss: Farblich und von der Formensprache sind die Werke von Traude Schrade und Christian Gogollok wie gemacht füreinander.
Foto: Cordula Fischer

Trotzdem sei Holz ein Material, das arbeitet. Mancher Riss lässt sich nicht vermeiden. Aber Gogollok versteht es, diese Spuren in seine Skulpturen zu integrieren. »Ich klebe nichts«, zugespachtelt wird nichts. Wie bei einem weiblichen Torso, an dessen Rückseite sich ein Riss vertikal durchs Holz zieht, man möchte meinen, es sei die Andeutung der Wirbelsäule. Auch Astlöcher fügen sich harmonisch auf der Oberfläche zu einem Muster. Vor allem bei den glatt polierten, in Naturholzoptik gehaltenen Torsi - oder auch bei den schwarz gebeizten - macht die Maserung den Reiz der Objekte aus. Zu den fein abgeschliffenen Oberflächen lässt sich Christian Gogollok von von der Witterung geformten Steinformationen, im Flussbett glatt polierten Glasscherben inspirieren oder von den Feuersteinen am Strand, aus deren Mitte eingeschlossener weicherer Kalkstein herausgewittert ist: Einige seiner Skulpturen höhlt Gogollok diesem Vorbild folgend aus. Reliefstrukturen zeigen die aufrechtstehenden abstrakten Frauenfiguren.

Im Sommer habe er auch formell gearbeitet, sagt Christian Gogollok. Einige dieser Objekte mit geschwungenen und knorrigen Elementen zeigt er ebenfalls in der Ausstellung. So unterschiedlich seine und Traude Schrades Arbeiten auch sind - wie sie kombiniert und zusammengestellt sind, ergeben sie ein ganzes einheitliches Bild. Haptik, Struktur, Kraft, Stärke, Ausdruck: »Form trifft Farbe« ist nicht nur eine bloße Beschreibung dessen, was die Besucher in der Ausstellung erwartet, sondern gelebtes Programm der beiden in unterschiedlichen Formen des künstlerischen Ausdrucks. (GEA)