HAYINGEN-EHESTETTEN. Ohne betrieblichen Mut, Innovationskraft und den Willen, auch dort Verantwortung zu übernehmen, wo Wirtschaftlichkeit und Ökologie in einer Balance gehalten werden müssen, hätte der Weg des erfolgreichen Familienunternehmens vielleicht eine andere Richtung genommen. »Wir stehen heute mitten in der Erntezeit einer Philosophie, die unser Familienleben und unsere Arbeit geprägt hat«, sagte Inge Tress anlässlich der Feier zum 75-jährigen Demeter-Jubiläum des Familienbetriebs, zu dem neben regionalen Lieferanten auch Freunde der Familie, Regierungspräsident Klaus Tappeser, Baden-Württembergs Landwirtschafts- und Verbraucherminister Peter Hauk und Landrat Dr. Ulrich Fiedler gekommen waren. Was ihr Schwiegervater Johannes sen. damals aussäte, erntet Inge Tress nun zusammen mit ihren Söhnen Daniel, Simon, Dominik und Christian.
»Wir wollen für unsere Familie und für die Gesellschaft eine gesunde Ernährung«
Aus dem einstigen Bio-Pionier, einem viel belächelten "Mondscheinbauer", der sich bewusst in der Nachkriegszeit für die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise seines Bauernhofes entschied, ist ein florierender Gastro-Betrieb mit vielen verschiedenen Geschäftszweigen geworden, der die Marke "Bio" in der Gesellschaft verankert. Inge Tress und ihr vor 20 Jahren verstorbener Mann Johannes jun. waren sich einig: »Wir wollen für unsere Familie und für die Gesellschaft eine gesunde Ernährung«. Dazu zählten vegetarische Vollwertkost und ein bewusster Umgang mit Fleisch.
Diese Einstellung fand Einlass in die Speisekarte des Gasthauses »Rose«, in dem es ab 1985 auch keine zuckerhaltigen Getränke mehr gab. Der Demeterhof wurde zur Mutterkuhhaltung umgestellt, die Tiere bekamen Auslauf. Die vier Brüder wuchsen zwischen Gastwirtschaft und Demeterhof auf, in ihrer ganz eigenen Waldorfschule, mitten im Leben. Auf den Feldern wurde alles angebaut, was gute, ehrliche Küche braucht: Feldgemüse, Kartoffeln, Karotten, Sellerie, Lauch und verschiedene Getreide. Heute übernehmen dies Landwirte in der Region.
Aus der »Rose« wurde 2005 das erste Biohotel in Baden-Württemberg, 2006 kam das Gasthof Friedrichshöhle in Wimsen dazu. Zwei Jahre später wurde Spitzenkoch Simon Tress Küchenchef, der Startschuss für Caterings bei Veranstaltungen und Hochzeiten in Schloss Ehrenfels und in der Wimsener Mühle war gemacht. In der Suppenküche wurden die ersten 700 Fertigsuppen hergestellt, vor einigen Jahren ist die Produktionsstätte in Gauingen in Betrieb gegangen, deren Erzeugnisse in ganz Deutschland die Regale füllen. Von hier aus werden täglich rund 3.500 Essen in Schulen und Kindertagesstätten geliefert. Auch das elterliche Gasthaus »Neuhaus« von Inge Tress in Bechingen zählt zwischenzeitlich als »Heimatküche« zum Betrieb, der insgesamt rund 240 Mitarbeitende beschäftigt.

Landrat Dr. Ulrich Fiedler lobte den Unternehmergeist der Familie Tress, Hayingens Bürgermeisterin Ulrike Holzbrecher hob Qualität, Gastfreundschaft, Miteinander und Verantwortung für die Gesellschaft hervor. Hier sei ein Stück Heimatgeschichte geschrieben worden, die von Werten des Zusammenhalts und der Verbundenheit im täglichen Miteinander geprägt sei. »Die Familie Tress war Vorreiterin in der Bio-Bewegung und ein Symbol für Tradition und Innovation«.
"Seit 75 Jahren bietet der Name Tress tolle Bio-Qualität""
Minister Peter Hauk zeigte sich beeindruckt von der Philosophie, die von den vier Tress-Brüdern konsequent auf den Grundlagen ihres Großvaters weiterentwickelt wird und die mit verschiedenen Geschäftszweigen zum Erfolg führt. 1950 sei noch lang nicht absehbar gewesen, dass Menschen in diesen Zeiten kaum mehr daheim, sondern auswärts essen. Die Tress-Brüder haben diesen Trend aufgegriffen und ins Positive umgesetzt: »Mit gutem, schmackhaftem Bio-Essen, das nicht nur ein Bedürfnis befriedigt, sondern Lust auf mehr macht«. Und mit Bio-Convenience-Produkten, die ihren Weg in eine wachsende Zahl von Betrieben, Kantinen und in den Einzelhandel finden. »Seit 75 Jahren bietet der Name Tress tolle Bio-Qualität«.
Damit ist der Betrieb auch ein Leuchtturm für den Demeterverband, wie Christoph Reiber betonte. Die Entwicklung des Unternehmens sei vergleichbar mit dem Wachstum einer vitalen Pflanze: »Tief verwurzelt in fruchtbarem Boden einer biodynamischen Landwirtschaft. Es gibt Hindernisse zu überwinden, damit sich die Pflanze verzweigen und strebend nach oben wachsen kann.« Trotz ihres Erfolgs sei die Familie bodenständig und verbunden mit der Gemeinschaft und mit dem Ort geblieben und habe für ein biodynamisches Wachstum auch in der Gesellschaft gesorgt. Die vier Tress-Brüder mit Mutter Inge hätten Impulse gesetzt, seien von Pionieren zu Botschaftern für gesunde Ernährung geworden und würden damit einen wichtigen Beitrag zur Ernährungswende leisten. »Es kommt auf einen fruchtbaren Boden, auf das Saatgut, die Düngung, auf die Verarbeitung und Zubereitung an. Nur, wenn alles passt, kann man die höchste Lebensmittelqualität erreichen«.
Gemeinsam nahmen die Gäste am Nachmittag die Heimatküche in Bechingen, die Produktionsstätte in Gauingen mit Suppenverkostung sowie das Biohotel »Rose« mit Fine-Dining-Restaurant »1950« in Augenschein und durften sich mit leckeren Köstlichkeiten von der Bio-Qualität überzeugen, die für den Erfolg der Tress-Brüder verantwortlich ist. (GEA)

