Logo
Aktuell Advent

Marbacher Krippenfestspiel: Neues Zeitalter mit Margot Käßmann

Mit Margot Käßmann wurde beim Marbacher Krippenfestspiel ein neues Kapitel aufgeschlagen. Ihre geistlichen Impulse kamen bei den Besuchern an.

Lebendige Bilder zur Weihnacht in der Reithalle in Marbach: Beide Aufführungen waren ausverkauft.
Lebendige Bilder zur Weihnacht in der Reithalle in Marbach: Beide Aufführungen waren ausverkauft. Foto: Maria Bloching
Lebendige Bilder zur Weihnacht in der Reithalle in Marbach: Beide Aufführungen waren ausverkauft.
Foto: Maria Bloching

MARBACH. Wie in jedem Jahr lag über den »Lebendigen Bilder zur Weihnacht« in der Marbacher Reithalle ein besonderer Zauber. Bürgermeister Klemens Betz dankte der Ideengeberin Ursula Bogner-Kühnle, die zum ersten Mal auf den Zuschauerrängen saß und nicht selbst als Akteurin auf der Bühne stand. Sie hatte dieses einzigartige Marbacher Krippenfestspiel 2010 als einen besonderen Gottesdienst ins Leben gerufen, der von Jahr zu Jahr viele Besucher anzieht.

Neben der einzigartigen Atmosphäre war diesmal aber auch eine erwartungsvolle Spannung deutlich zu spüren. Denn Margot Käßmann übernahm erstmals den Part der geistlichen Impulse und somit auch die Rolle von Pater Anselm Grün, der das Marbacher Krippenfestspiel über viele Jahre mitgeprägt hat. Er hat große Fußstapfen hinterlassen. Käßmann war nicht bestrebt, diese zu füllen, sondern ihre eigenen zu setzen: mit neuen und anderen Akzenten. Wo Grün meditative Engelworte sprach, legte seine Nachfolgerin den Fokus auf das menschliche Erzählen. Mit besonderen Interpretationen holte sie die Geburt Jesu in Bethlehems Stall direkt in die heutige Zeit mit all ihren aktuellen Sorgen, Nöten und Ängsten.

Besuch der Hirten an der Krippe.
Besuch der Hirten an der Krippe. Foto: Maria Bloching
Besuch der Hirten an der Krippe.
Foto: Maria Bloching

Dabei erzählte sie nicht einfach die Weihnachtsgeschichte, vielmehr ließ sie jene sprechen, die in ihr lebten: Maria, Josef, Elisabeth und den Sterndeuter Melchior. Sie gab jenen das Wort, die ganz nah am Geschehen waren und berichteten, wie sie sich in ihrer jeweiligen Situation gefühlt haben. Maria mit ihrem Gottvertrauen, als der Engel Gabriel ihr von ihrer Schwangerschaft berichtete. Wie sie ihren ganzen Mut zusammennahm und sich hoffnungsvoll auf das einließ, was Gott mit ihr vorhatte. »Vielleicht wird mein Jesus ja eine Revolution anzetteln, den Armen zum Recht verhelfen und endlich, endlich Frieden bringen.«

Und Elisabeth, selbst schwanger, aber doch voller Sorge, wie Maria kurz vor ihrer Niederkunft zur Volkszählung nach Bethlehem reisen sollte. Der ratlose, ja fast verzweifelte Josef, der es eigentlich ruhig mag, jetzt aber mit Maria den beschwerlichen Weg nach Bethlehem auf sich nehmen und eine Herberge suchen musste. Die Geburt Jesu im Stall, der Besuch von Engeln, Hirten und Sterndeutern. Käßmann sprach von Mut, von Vertrauen, vor allem aber von der Sehnsucht nach Frieden, an der sich bis heute nichts geändert hat. Und weil das Motto der diesjährigen Festspiele »Die Botschaft vom Frieden« lautete, wirkte jedes ihrer Worte wie ein sanfter Gegenklang zu den Unruhen der Welt.

Die Weihnachtsgeschichte aus Sicht derer, die sie erlebten

Doch bei aller inhaltlichen Neuakzentuierung unter der Regie von Hans-Jürgen Hufeisen blieb die festliche Inszenierung, das Zusammenspiel von Laien und Profis das Herzstück der Veranstaltung. Über 250 Mitwirkende sorgten für lebendige, strahlende Bilder, die den großen Erwartungen des Publikums voll und ganz gerecht wurden: Lautertalmusikanten, Posaunenchor und Projektchor »LauterStimmen«, Voltigierkinder und Solotänzerin Gitte Wax, Arbaberpferde und eine Schafherde, die in einem Moment großer Heiterkeit überraschend zügig und erstaunlich geordnet in die Arena lief.

Engelskinder wirbelten durch die Arena, getragen und angetrieben von den wunderbaren Flöten-, Trompeten- und Klaviermelodien der Profimusiker Hans-Jürgen Hufeisen, Matthias Beck und Thomas Strauß. Die Mischung aus Natur, Musik, Schauspiel und Spiritualität erzeugte wieder einmal eine besondere Atmosphäre, für die diese Festspiele schon von Anfang an stehen.

Eine Mischung aus Natur, Musik, Schauspiel und Spiritualität

Eine ganz besondere Stimmung zog sich bei den Worten von Margot Käßmann, beim Verlesen der Weihnachtsgeschichte durch Siegfried Kühnle, beim Musizieren, Singen und Spielen wie ein zarter Faden durch die beiden Aufführungen, die am Sonntagnachmittag fast 2.000 Besucher nach Marbach lockten. Mit ihrem Auftritt hat Magot Käßmann als Neue in der bewährten Besetzung das Marbacher Krippenfestspiel nicht neu erfunden, aber sie hat ihm einen neuen, eigenen Glanz geschenkt. Vielleicht hat sie ein neues Kapitel in einer Tradition aufgeschlagen, die seit Jahren stetig wächst. Margot Käßmann ist die neue Stimme beim Marbacher Krippenfestspiel, vielleicht auch bei den kommenden Aufführungen. (GEA)