ENGSTINGEN. Die Kindergartenbedarfsplanung, die Sandra von der Dellen von der Engstinger Verwaltung im Gemeinderat vorstellte, sieht nicht schlecht aus. Die Kindergärten sind gut ausgelastet, zumindest auf dem Papier können alle Ansprüche auf einen Platz erfüllt werden. Der Teufel steckt im Detail: Immer an der Kapazitätsgrenze entlang navigierend, kann dann eben doch nicht jeder Wunsch erfüllt werden.
Rechnerisch genug Kapazität
Von der Dellen arbeitet mit einer soliden Datenbasis, wie viele Familien in einem Kiga-Jahr aber zu- oder wegziehen, weiß sie nicht. Auch nicht, ob eine Familie sich früher oder später dazu entscheidet, den Sprössling in die professionellen Hände der pädagogischen Fachkräfte abzugeben, insbesondere bei den Jüngeren steigt der Bedarf pro Jahrgang. Es sei also trotz guter Planung immer noch ein Blick in die Glaskugel, meinte von der Dellen.
Die Eltern in Engstingen haben die Qual der Wahl. Es gibt zwei Kindergärten in Gemeindehand – Kleinengstingen und Kohlstetten –, zwei werden von den Kirchen als freien Trägern geführt, St. Martin in Großengstingen und der evangelische Kindergarten Berg. Dazu kommt, ebenfalls als freier Träger, der Waldorfkindergarten. Ergänzt wird das Ensemble durch den Verein Tagesmütter Reutlingen.
Alle Einrichtungen sind gut ausgelastet aber zurzeit nicht überlastet. Wartezeiten gibt es in allen Einrichtungen: Anders als an den Schulen laufen die Kleinen nicht am Stichtag Schulanfang sondern übers Jahr verteilt nach Alter und Reife ein. Bürgermeister Mario Storz und die Verwaltung rechnen mit einem insgesamt steigenden Bedarf und haben im Rat neben den nackten Zahlen die Alternativen vorgestellt.
Die Erweiterung des Gemeindekindergartens in Kleinengstingen ist bereits in der Planungsphase. Der Waldorfkindergarten würde gerne wachsen, hier fehlt es aber noch an Flächen und die Finanzierung ist noch nicht in trockenen Tüchern. Die Idee, einen Wald- oder Naturkindergarten einzurichten, liege auf Eis, sagte Bürgermeister Mario Storz. Das heißt, sie sei zurzeit nicht priorisiert, aber nicht abgelegt. Relativ neu auf dem Tapet ist das Angebot des evangelischen Kindergartens Berg, weitere Ü3-Plätze anzubieten – mit entsprechender Unterstützung durch die Gemeinde.
Gemeinde zahlt auf jeden Fall
Das Ziel sei es, ein Angebot zu schaffen, das ausgelastet aber nicht überlastet ist, meinte Kämmerer Alexander Ott. Mit den vier Optionen – Kleinengstingen, Berg, Waldorfkindergarten und Waldkindergarten – wird sich der Gemeinderat künftig beschäftigen müssen. Jede Alternative habe Vor- und Nachteile und Auswirkungen auf die anderen Einrichtungen, mahnte Ott. Egal, welche Option gewählt wird, die Gemeinde sitzt bei Investitionen und den Betriebskosten mit im Boot und muss den größten Teil der erforderlichen Gelder aufbringen. »Einer baut, wir zahlen«, überspitzte Bürgermeister Storz. Er will daher an die Verteilung der knappen, aber noch ausreichenden Plätze ran. Storz strebt verstärkt an, dass es eine zentrale Platzvergabe über alle Einrichtungen hinweg geben sollte.
Sprich: Die Eltern müssten sich nicht länger direkt bei den Einrichtungen für ihren Sprössling bewerben, in der stillen Hoffnung, dass ein Platz frei ist oder wird. Und Träger und Verwaltung wären nicht länger damit beschäftigt, Mehrfachbewerbungen und unter Umständen Mehrfachzusagen auseinanderzudividieren. Was jedes Jahr einen immensen Aufwand für den Abgleich der verschiedenen Listen bedeute, sagte Ott, mit unbefriedigendem Ausgang: Den Eltern könnten Zusagen nur spät gegeben werden, nachdem der Abstimmungsprozess gelaufen ist.
»Ein schwer zu haltender Zustand«, sagte Storz, für Eltern, Verwaltung und die Einrichtungen, der nur geändert werden könnte, wenn alle Träger mitspielen. Die Signale seien unterschiedlich, das Thema werde man aber entschlossen weiterverfolgen, so der Bürgermeister mit spürbarer Kritik an der Zurückhaltung einzelner Partner.
Sandra von der Dellen stellte die Zahlen für die Kindergartenbedarfsplanung vor: Für Kinder über drei Jahre stehen 243 Plätze zur Verfügung, belegt sind 214, die freien Plätze dürften sich übers Kindergartenjahr füllen. Von 51 Plätzen für die unter Dreijährigen sind 49 bereits belegt und der Wunsch, Kinder vor dem dritten Geburtstag unterzubringen, steigt. (GEA)

