ENGSTINGEN/REUTLINGEN. Bei Metzler in Reutlingen herrscht Hochbetrieb während der Schwarzen Wochen, bei einem Hersteller von Briefkästen, Sprechanlagen, Türklingeln und mehr, alles für den modernen Hauseingang. Da sollte man nicht meinen, dass der Betrieb mit 165 Mitarbeitern ein Ziel von Schnäppchenjägern ist. Ist aber so, sagt Pressesprecherin Franziska Benz. 4.000 Pakete gehen während der Aktionswochen - Metzler setzt auf einen Black Month - pro Tag raus, sonst sind es 1.000 bis 1.500. Wer was von uns braucht, wartet eben auch mal ein paar Wochen bis er bestellt, sagt Benz: »Welches Produkt, ist mittlerweile egal, Black greift überall.«
Dann brummt es in der Produktion und vor allem im Versand, Ist das nicht lästig? Nein, meint Benz, man kann sich ja darauf vorbereiten. In der Adventszeit wird es dann ruhiger, die Black Weeks haben das klassische Weihnachtsgeschäft abgelöst. Nächste Woche wird noch einmal richtig rangeklotzt, die Bestellungen, die in den letzten Tagen eingegangen sind, ausgeliefert. Dann gibt es auch Zeit, einen Adventskranz aufzustellen. Es scheint zu klappen, Metzler hat schon drei Mal den NTV-Award für den beliebtesten Anbieter für Briefkästen und Außenausstattung abgeräumt. Einige Metzler-Pakete gehen auf die Alb, letzte Station im Netz der Post ist der Zustellstützpunkt auf der Haid bei Engstingen. Aber vor der Alb liegt noch ein weiter Weg.
»Welches Produkt, ist mittlerweile egal, Black greift überall, sogar bei Briefkästen «
So ähnlich läuft es in den Black Weeks auch bei der Post, auch wenn das Paketaufkommen hier noch bis zu den Feiertagen hoch bleibt. »Wir haben gute Prognosen, was wir in den Schwarzen Wochen zu erwarten haben«, sagt Lukas Weschbach, Abteilungsleiter Verkehr in der Niederlassung Betrieb Reutlingen der Deutschen Post und DHL. Auch hier haben die Schwarzen Wochen der Vorweihnachtszeit den Rang abgelaufen. Zwischen zehn und elf Millionen Sendungen sind im vergangenen Jahr in den Black Weeks pro Tag bundesweit ausgeliefert worden, normal sind sechs bis sieben Millionen, am schwarzen Donnerstag verlassen 275.000 Sendungen allein das Zentrum in Eutingen. »Im Mai, Juni gehen die Vorbereitungen bereits los«, erklärt Weschbach. Geplant wird mit den Erfahrungen aus den Vorjahren und in die Zukunft blickenden Prognosen. Mit der Urlaubsplanung und der Rekrutierung von Aushilfen, etwa Studenten oder Minijobbern, und Absprachen mit Speditionen. Die verbindet mit der Post langfristige Partnerschaften, »manche sind schon für die Post gefahren, bevor ich geboren wurde«, sagt Weschbach.
Die Post hat aber eine eigene Transportabteilung, »ein kleines Speditionsgeschäft im Unternehmen«. »Viele wissen nicht, dass die Post auch eigene Lkws hat«, hat Leon Klaß erfahren, »für viele bin ich ein Briefträger, wenn ich erzähle, dass ich bei der Post arbeite.« Und wundern sich, wenn er nicht sagen kann, wo ein bestimmtes Paket ist. Aber Klaß ist Berufskraftfahrer, hat seine dreijährige Ausbildung bei der Post gemacht und fährt einen der gelben Laster. 38,5-Stunden-Woche, gute Bezahlung und Arbeitsbedingungen - seit 2021 ist er dabei und Klaß will Postler bleiben.
»Wir sind halt doch keine ganz normale Spedition, wir sind immer noch Postler«
Heute geht es zu Metzler, gleich um die Ecke. Der junge Mann rollt routiniert leere Transportbehälter auf die Laderampe am Lkw. Metzler ist ein Großkunde, jeden Tag laufen 10 bis 15 der faltbaren Gitterboxen auf Rollen leer von der Post zum Briefkastenspezialisten. Und von dort gehen die mit 50 bis 100 Paketen gefüllten ins Sortierzentrum in Eutingen, etwa eine dreiviertel Stunde Fahrt. Die Tour ist durchgeplant, von der Abfahrtszeit im Post-Zentrum über die Ankunft und Abfahrt bei Metzler bis zur geplanten Ankunftszeit in Eutingen. »Wie ein Linienbus«, sagt Klaß. Per Scan wird bestätigt, ob auch alles klappt, damit die Disponenten beruhigt sind.
Auf einer elektronischen Fahrerkarte wird seine Arbeitszeit erfasst, Fahr- und Standzeiten oder die Zeit für den vorgeschriebenen Check des Fahrzeugs vor jeder Fahrt. In drei Jahren Ausbildung lernen die künftigen Berufskraftfahrer alles, was es im Verkehr und am Fahrzeug zu wissen gibt. Technik ist wichtig, »wir lernen nicht, wie man ein Getriebe repariert, aber wie es funktioniert«, erzählt Klaß. Aber kleinere Reparaturen gehören zum Handwerk: »Ich kann ja nicht wegen einer Kleinigkeit den Service anrufen.« Den Werkstattunterricht bekam er in überbetrieblicher Ausbildung in einer MAN-Werkstatt, da konnte er »rumbasteln«. Ladungssicherung wird groß geschrieben, mit den Rollbehältern mit gebremsten Rädern ist das kein großes Problem. Auch Kartenlesen wird gelehrt, die Profis verlassen sich nicht blind aufs Navi: »Da lernt man einiges übers deutsche Autobahnnetz.« Seinen Beruf müsse man lieben, sagt Klaß. Man müsse improvisieren können und man im Lkw ist er sein eigener Chef. Er mag die Nachtschichten, weniger Verkehr, weniger Stress, das Fahren wird zur Meditation.
Bei der Tagfahrt ist mehr das Mitschwimmen im dichten Verkehr aus Reutlingen raus und durch Tübingen durch. Dann kommen einspurige Landstraßen, hier gilt für Lkws streng Tempo 60, 80 geht nur auf Autobahnen oder auf Straßen mit einer Trennung zwischen den Spuren. »Viele wissen da nicht und ärgern sich über die langsamen Laster«, erklärt er den Otto-Normalfahrern.
Bei Metzler klappt alles, die gefüllten Behälter stehen bereit, der "Linienbus" kann auf die Reise ins DHL- Paketzentrum in Eutingen. Von hier aus werden 50 Zustellstützpunkte bedient, von denen aus kommen die Päckchen dann mit kleineren Fahrzeugen zum glücklichen Empfänger. Metzler-Eutingen ist eine einfache Tour, Klaß muss aber auch mal vier oder fünf Versender besuchen. Und leert dabei vielleicht auch einen der gelben Briefkästen, wenn einer am Weg liegt. »Wir sind halt doch keine ganz normale Spedition, wir sind immer noch Postler«, sagt er mit Stolz. Die Briefe nimmt er mit zurück nach Reutlingen, hier steht das Pendant für Briefe des Paketzentrums. Was in der Region eingesammelt wird, geht dann an die anderen Briefzentren bundesweit, fast alles noch in der gleichen Nacht. Ein Metzler-Päckchen für den Stützpunkt auf der Haid ist also auch nicht schneller dort als eines für Hamburg.
»Be- und entladen kann kein Roboter so gut wie ein Mensch«
Das Paketzentrum ist ein beeindruckendes Gebäude. Klaß scannt die Ankunft an der Schranke, auf einem Ausdruck im Format eines Kassenzettels steht, an welche Rampe er fahren muss. In Eutingen arbeiten rund 600 Menschen, erzählt Nico Sautter, Abteilungsleiter stationäre Bearbeitung Paket, dazu kommen die Black-Weeks-Aushilfen. Es ist noch viel Handarbeit angesagt, beim Entladen des Lasters und beim Beschicken der Förderbänder, die sich in einem großen U auf mehreren Ebenen durch die Halle winden. Und dann wieder beim Beladen der Fahrzeuge, die vielleicht heute Nacht noch bis Berlin fahren. »Das kann kein Roboter so gut wie ein Mensch«, sagt Sautter.
Auf der einen Seite des Us wird ent-, auf der anderen beladen, die Bänder laufen ohne Unterlass. Die Paketaufkleber werden während des Fördervorgangs gescannt -deswegen die Aufkleber immer auf einer flachen Seite anbringen, bittet Sautter. Normalerweise wird in zwei Schichten - spät und nachts -, gearbeitet, während der Black Weeks gibt es zusätzlich eine Frühschicht. Auch das Metzler-Päckchen für die Haid findet seine Verladerampe und fährt dann auf die Alb. Von dort geht es dann mit einem umweltfreundlichen Streetscooter zum bereits wartenden Empfänger. (GEA)




