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Aktuell Wohnungsbau

Wohnbau Pfullingen kauft 13 Wohnungen in der Marktstraße

Bezahlbarer Wohnraum ist in Pfullingen knapp. Gleich dreimal war das Thema im Gemeinderat.

Noch sieht man nichts davon: An der Marktstraße hat die Wohnbau der Stadt Pfullingen 13 Wohnungen erworben.
Noch sieht man nichts davon: An der Marktstraße hat die Wohnbau der Stadt Pfullingen 13 Wohnungen erworben. Foto: Dieter Reisner
Noch sieht man nichts davon: An der Marktstraße hat die Wohnbau der Stadt Pfullingen 13 Wohnungen erworben.
Foto: Dieter Reisner

PFULLINGEN. Gleich dreimal schlug das Thema Wohnungsbau in der Sitzung des Pfullinger Gemeinderats am Dienstagabend auf. Die kürzeste Nachricht war dabei die spannendste: Bürgermeister Stefan Wörner gab bekannt, dass die Wohnbau Pfullingen einen Block mit 13 Wohnungen, der auf dem Gelände des gerade abgerissenen Autohauses Schänzlin gebaut werden soll, gekauft hat.

Die Arbeiten zum Bau der Immobilie mit rund 776 Quadratmetern Wohnfläche sind bereits angelaufen. Die Bauzeit beträgt voraussichtlich zwei Jahre. Geplant sind Zwei- und Drei-Zimmerwohnungen in massiver Bauweise mit energetischem Standard Effizienzhaus 40 EE, erklärte die Stadt auf Nachfrage. Bürgermeister Stefan Wörner betonte: »Bezahlbarer Wohnraum ist ein zentrales Anliegen der Stadt Pfullingen. Mit dem Kauf der Wohnungen in der Marktstraße und dem Neubau der weiteren 40 Wohnungen in der Großen Heerstraße schaffen wir zeitnah langfristige Perspektiven für Menschen mit geringerem Einkommen – und stärken die kommunale Steuerung auf dem Wohnungsmarkt.«

Bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper

Wie das Handlungsprogramm Wohnen der Stadt Pfullingen zeigt, ist der örtliche Markt seit Jahren angespannt. Die Bevölkerungszahl wächst kontinuierlich, gleichzeitig sinkt die durchschnittliche Haushaltsgröße, während die bewohnte Fläche pro Person tendenziell steigt. In der Folge wird insbesondere Wohnraum im unteren und mittleren Mietpreissegment immer knapper.

Der geplante Erwerb der Wohnungen in der Marktstraße erfolge vor diesem Hintergrund. Der Kauf soll mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg sowie durch einen KfW-Zuschuss (»Klimafreundlicher Neubau – Kommunen«) gefördert werden. Die Stadt Pfullingen wird zur Erfüllung der Eigenkapitalquote einen Zuschuss in Höhe von rund 885.000 Euro an den städtischen Eigenbetrieb leisten, der die weiteren Mittel über ein Darlehen finanziert.

Wohnungen bleiben im Eigentum der Stadt

Mit dem Eigenbetrieb Wohnbau verfüge die Stadt über ein zukunftsorientiertes Instrument, um selbst als Bauherrin, Eigentümerin und Vermieterin aufzutreten. In einer angespannten Marktlage übernehme Pfullingen damit aktiv Verantwortung. Das geplante Projekt stehe exemplarisch für den Ansatz der Stadt, den Wohnraum nicht nur quantitativ zu erweitern, sondern ihn auch qualitativ und sozial gerecht zu gestalten. Die Wohnungen sollen dauerhaft im Eigentum der Stadt verbleiben und so langfristig zur Stabilisierung des Mietwohnungsmarkts in Pfullingen beitragen.

2017 hatte die Stadt Pfullingen erstmals auf den Mangel an bezahlbarem Wohnraum reagiert und der Gemeinderat das Handlungsprogramm Wohnen auf den Weg gebracht. Und seither hat sich einiges verändert, das machte Jan Grube vom Team Stadtplanung in der Sitzung deutlich, der damit den zweiten Tagesordnungspunkt zum Thema Wohnungsbau einleitete. In den kommenden Wochen geht es darum, den Werkzeugkasten für das Handlungsprogramm Wohnen den Gegebenheiten anzupassen. Grube ging die 23 Punkte durch, mit denen die Stadt Einfluss auf Bauvorhaben nehmen kann. Dieser reicht von Möglichkeiten im Rahmen der Bauleitplanung über Veränderungssperren bis zur Stellplatzsatzung.

Grundsteuer C bleibt ein Thema

Diskutiert wurde am Dienstag in diesem Zusammenhang besonders über zwei Werkzeuge - das Zweckentfremdungsverbot und die Grundsteuer C. Beides hat die Verwaltung noch nicht im Portfolio. Wenn es nach Bürgermeister Wörner geht, bleibt das beim Zweckentfremdungsverbot auch so. »Das würden wir nur umsetzen, wenn Sie es von uns verlangen«, sagte er an das Gremium gerichtet. Das Zweckentfremdungsverbot soll verhindern, dass Wohnraum etwa für Ferienwohnungen genutzt wird. Vor allem in europäischen Großstädten wird die lukrative Vermietung an Feriengäste zum Ärgernis, weil diese Wohnungen nicht mehr den Bürgern zur Verfügung stehen. In Pfullingen ist das nach den Worten des Bürgermeisters kein Problem. »Man muss auch überlegen, wie das überwacht werden soll.« Thomas Mürdter (SPD) legte aber Wert darauf, dass die Möglichkeit nicht grundsätzlich ausgeschlossen wird. Für Dr. Antje Schöler (GAL) ist Leerstand auch eine Zweckentfremdung, das dürfe man nicht aus den Augen verlieren. Bürgermeister Wörner will lieber mit Anreizen arbeiten, um die Eigentümer zum Vermieten zu bewegen.

Klar ist für den Rathauschef aber, dass der Gemeinderat über die Einführung der Grundsteuer C diskutieren muss. Seit Anfang dieses Jahres dürfen Gemeinden für unbebaute Grundstücke einen eigenen Hebesatz verwenden, die Grundsteuer C. Die Eigentümer sollen damit dazu gebracht werden, diese Grundstücke zu bebauen, idealerweise mit Wohnungen. Das eingenommene Geld könnte etwa auch in ein Quartiersmanagement gesteckt werden, sagte Wörner. Der Gemeinderat stimmte geschlossen zu, das Handlungsprogramm weiter auszuarbeiten und mit den diskutierten Punkten und konkreten Maßnahmen zu ergänzen. Danach diskutiert der Rat erneut darüber. UWV-Rat Stephan Wörner nutzte die Gelegenheit, um die Anstrengungen der Stadt in diesem Bereich ausdrücklich zu loben: Überall rede man von fehlendem Wohnraum. Die Stadt habe schon 2017 reagiert, mit dem Handlungsprogramm Wohnen und später mit der Gründung der eigenen Wohnbau-Gesellschaft. »Wir sind auf einem guten Weg«, bilanzierte er unter dem Beifall des Gremiums.

Sanierung beschlossen

Beschlossen hat das Gremium außerdem, die Sanierung des städtischen Wohngebäudes in der Achalmstraße 71 vorzubereiten, das baujahr- und nutzungsbedingt in einem schlechten Zustand ist. Liegt die Entwurfsplanung vor, soll der Baubeschluss gefasst werden. Oliver Polzin, technischer Leiter der Wohnbau Pfullingen, geht von Sanierungskosten von rund 950.000 Euro für die sechs Wohnungen aus. Mit dem Geld sollen unter anderem Dach und Fassade saniert und gedämmt, die Einzelgasöfen durch eine moderne Heizung ersetzt und auch der Zuschnitt der Wohnungen so verändert werden, dass es keine Durchgangszimmer mehr gibt. (GEA)