ENINGEN/PFULLINGEN/LICHTENSTEIN. Der Duft von leckerem Essen erfüllt die Häuser, bunt verpackte Geschenke liegen unterm Christbaum und sanfte Klänge sind zu hören: Weihnachten ist das Fest, das wohl wie kein anderes für Miteinander und Liebe steht. Nicht in jeder Familie wird es gleich gefeiert. Die einen stellen früh den Christbaum auf und verbringen den Heiligabend ganz klassisch mit Kerzenlicht und Familienessen. Andere pflegen alte Traditionen wie das Singen vor der Haustür oder den Besuch der Mitternachtsmesse. Manche nutzen die freien Tage für winterliche Ausflüge, während wieder andere bewusst entschleunigen und es sich zu Hause ruhig machen. Und wie verbringen Bürgermeister aus der Region eigentlich die weihnachtliche Zeit? Der GEA hat die Rathauschefs aus Eningen, Pfullingen und Lichtenstein gefragt, was bei ihnen an Heiligabend auf dem Programm steht.
»Wir gehen schon, seit ich klein war, zu meiner Oma und meinem Opa«, erzählt Eric Sindek, Bürgermeister der Achalmgemeinde. »Heiligabend ist für die Familie da und wird auch immer zusammen verbracht.« Für ihn ist das selbstverständlich – er kann sich den Heiligen Abend gar nicht anders vorstellen als im Kreis seiner Liebsten. Zum Essen gibt es schon seit Jahren Fleischfondue. »Mit Brühe«, schiebt Sindek gleich hinterher. »Da scheiden sich ja die Geister, aber bei uns gibt es das Fondue immer mit Brühe.« Das Gericht sei auch deshalb ideal, weil es sich gut vorbereiten lasse – schließlich kommen viele Menschen zusammen. »Wenn alle da sind, sind wir 15 Personen.«
Wichteln unterm Tannenbaum
Jeder hilft mit, damit der Abend gelingt: Gemeinsam werden Tische aufgebaut und gedeckt, andere bringen Vorspeisen oder Nachtisch mit. »In die Kirche reicht es uns meistens nicht mehr«, sagt Sindek. Im Mittelpunkt stehen das schöne Abendessen und die guten Gespräche drumherum. Das Beisammensein werde bewusst genossen und »kann schon auch mal bis halb zehn oder zehn Uhr gehen«. Erst danach bewegen sich alle weg vom Tisch in Richtung Bescherung unterm Tannenbaum. »Seit wir alle erwachsen sind, wichteln wir nur noch.« Schon im Herbst zieht jeder einen Namen aus dem Lostopf – und beschenkt dann nur diese eine Person. »Das machen wir jetzt alles schon seit Jahren so«, sagt Sindek. »Wir wollen, solange es geht, unsere Kindheitserinnerung hochleben lassen.«
Auch Pfullingens Bürgermeister Stefan Wörner verbringt Weihnachten ganz traditionell im Kreis der Familie. »Wir treffen uns immer mit meinem Zwillingsbruder und seiner Familie«, erzählt er. Dabei wechseln sich die beiden Familien ab: Ein Jahr wird bei Wörner zu Hause gefeiert, im nächsten bei seinem Bruder. Der Weihnachtsbaum gehört bei ihm schon früh zur Vorfreude auf das Fest – schon vor dem vierten Advent wird er geschmückt. »Mit meiner einen Tochter suche ich ihn aus, und mit der anderen wird er dann geschmückt.« Gemeinsam mit den Kindern geht es an Heiligabend in den Krippenspiel-Gottesdienst. »Den besuchen wir jetzt schon seit Jahren.« Die Geschenke gibt es dann noch vor dem Essen.
Kinder haben Mitspracherecht
Kulinarisch war lange Zeit alles klar geregelt: Würstchen mit Salaten gehörten fest zum Heiligabend. »Die Würstchen schmecken mir an dem Abend immer besonders gut, die sind ganz anders, als wenn ich sie unter dem Jahr esse«, sagt Wörner mit einem Lächeln im Gesicht. Inzwischen haben jedoch auch die Kinder ein Wörtchen mitzureden, wenn es um das Festessen geht. »Da kam es auch schon mal dazu, dass wir Raclette gemacht haben.« An den Feiertagen geht es »ganz traditionell weiter«: Am ersten Weihnachtsfeiertag steht der Besuch bei den Schwiegereltern an, am zweiten traf sich früher regelmäßig die Großfamilie Wörner. »Wir sind ja insgesamt vier Brüder, da sind dann immer einige zusammengekommen.«
Peter Nußbaum, Bürgermeister in Lichtenstein, beginnt seinen Heiligabend etwas anders als seine Amtskollegen. »Bei gehört ein ausgedehnter Streifzug durch die Natur einfach dazu«, erzählt er. In der Ruhe draußen könne Familie das vergangene Jahr wunderbar Revue passieren lassen und auch die Entspannung komme dabei nicht zu kurz. Früher, als die Kinder noch klein waren, führte der Weg an diesem Abend auch in die Kirche zum Krippenspiel. Heute wird der Kirchengang auf einen der Weihnachtsfeiertage verschoben. »Ganz traditionell verbringen wir den Heiligabend aber immer im Kreis der eigenen Familie.«
Vegetarisches zum Heiligenabend
Auch beim Essen steht das Gemeinsame im Mittelpunkt. Meist kommt ein vegetarisches Gericht auf den Tisch. »Es muss kein großes Festmahl sein – wichtig ist uns, dass wir gemeinsam entscheiden, was es gibt, und es dann auch zusammen zubereiten«, sagt Nußbaum. Ob Pasta oder Maultaschen mit Kartoffelsalat – die Auswahl variiert, und jedes Jahr findet sich etwas Neues auf dem Teller. Nach dem Essen bleibt die Familie beisammen: Es wird gespielt, gelacht oder einfach lange miteinander geredet. »Später am Abend werden dann die Geschenke ausgepackt.« An den Weihnachtsfeiertagen gibt es »ein liebgewonnenes Ritual«: Jedes Jahr kommt der erweiterte Familienkreis zusammen, wobei der Gastgeber immer wechselt. Im vergangenen Jahr war die Familie Nußbaum in Lichtenstein an der Reihe. »Wir sitzen zusammen, spielen Spiele und reden ganz viel«, beschreibt der Bürgermeister diese gemeinsamen Stunden. (GEA)

