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Aktuell Wohnungsnot

Wie sich die AWO um von Obdachlosigkeit Bedrohte in Eningen kümmert

AWO-Vertreter haben dem Eninger Gemeinderat erklärt, wie sie von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen in der Achalmgemeinde helfen.

Wer von Obdachlosigkeit bedroht ist, sieht oft erstmals kein Licht am Ende des Tunnels. In Eningen unterstützt die AWO Menschen
Wer von Obdachlosigkeit bedroht ist, sieht oft erstmals kein Licht am Ende des Tunnels. In Eningen unterstützt die AWO Menschen in Wohnungsnot. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Wer von Obdachlosigkeit bedroht ist, sieht oft erstmals kein Licht am Ende des Tunnels. In Eningen unterstützt die AWO Menschen in Wohnungsnot.
Foto: Julian Stratenschulte/dpa

ENINGEN. 26 Menschen sind aktuell in Eningen in Gemeindewohnungen untergebracht und von Obdachlosigkeit bedroht. Davon drei Familien mit neun minderjährigen Kindern und neun Einzelpersonen. Unterstützung erfahren sie von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Reutlingen, die mit zwei Angeboten auch in der Achalmgemeinde aktiv ist: mit der Hilfe für ordnungsrechtlich untergebrachte Menschen (HoMe) und mit dem Netzwerk Ambulante Wohnungssicherung (NAWO). In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats stellten AWO-Vertreter ihre Arbeit vor.

Bei HoMe geht es darum, Menschen, die von Obdachlosigkeit betroffen sind, zu helfen eine Wohnung zu finden. »Die Unterstützung und Begleitung der Menschen ist wichtig, damit sich das Problem nicht verfestigt«, erklärte Julian Wanning, der das HoMe-Angebot in Eningen koordiniert. Von der individuellen Beratung über die (Re-)Integration auf dem Arbeitsmarkt bis hin zu Vermeidung von Isolation: Es gehe darum, den in Not geratenen Menschen, aus dieser herauszuhelfen und Ansprechpartner zu sein.

Unterbringung nur als Notlösung

»Klar, stehen wir in unserer Arbeit auch in Eningen immer vor Herausforderungen«, sagte Wanning. Die Lebenslagen der Betroffenen seien meist äußert komplex, nicht immer gebe es eine schnelle oder einfache Lösung. Hinzu kommen oft auch psychische Belastungen, die durch die drohende Obdachlosigkeit entstanden sind. »Wir versuchen dann die Menschen zu motivieren und ihnen eine Stütze zu sein.« Tendenziell bleiben Menschen lange in der ordnungsrechtlichen Unterbringung, das sei nicht nur in Eningen so. »Dabei sollte das eigentlich nur eine Notlösung sein und kein Dauerzustand«, sagte Wanning. Um so wichtiger sei es, den Wohnungsverlust zu verhindern.

Dabei kann das zweite AWO-Angebot, die NAWO, helfen: Deren Zielgruppe sind Menschen, die akut vom Wohnungsverlust bedroht sind - egal ob durch Mietschulden, Eigenbedarfskündigungen oder durch andere Umstände. Aktuell nehmen acht Personen das Angebot der NAWO an. Im vergangenen Jahr waren es sechs. Unterstützt wird beispielsweise beim Beantragen finanzieller Hilfen zur Übernahme von Mietschulden, im Konfliktfall zwischen Mieter und Vermieter oder mit Informationen über andere Hilfsangebote vor Ort inklusive der Begleitung zu Behörden. Bei der Wohnungssuche könne nicht geholfen werden, da dazu die Zeit und das Personal fehle.

Geschlechterverhältnis unausgewogen

»Ich bin froh, dass wir diese Angebote von der AWO haben. Wir sind ja schließlich auch eine Caring Community«, sagte Bürgermeister Eric Sindek. Auch die Gemeinderäte zeigten sich dankbar, für den Einsatz der Arbeiterwohlfahrt in Eningen. »Wie sieht es denn eigentlich mit dem Geschlechterverhältnis der Betroffenen aus?«, wollte Lena Hönes (FWV) wissen. Aktuell seien mehr Männer akut wohnungslos im Landkreis, sagte Heike Heine, zuständig für die Wohnungsnotfallhilfe in der AWO. »Das liegt vor allem daran, dass Frauen oft noch bei Freunden oder Verwandten unterkommen.« Das sei jedoch nicht immer gut, weil die Frauen dadurch mit ihren Problemen erst sehr spät zur AWO kommen würden.

Schwangere Frauen würden auch beraten, für sie gebe es aber kein eigenes Programm, antwortete Heine auf Nachfrage von Rebecca Hummel (SPD). Katharina Eckert (GAL) wollte wissen, wie eine ordnungsrechtliche Unterbringung aussieht. »Meist sind das mehrere Zimmer, in denen das Nötigste drin steht und eine Gemeinschaftsküche«, erklärte Wanning. Natürlich werde geschaut, dass Familien zusammenbleiben, tendenziell wohnen die Menschen aber immer mit Fremden zusammen. »Das lässt sich leider nicht vermeiden.«

Interkommunaler Austausch selten

Die GAL-Rätin fragte außerdem, ob die Betroffenen auf die Kommunen verteilt werden, oder ob die, die in Eningen von Wohnungsnot betroffen sind, auch in Eningen untergebracht werden. »Die Gemeinde, in der die Gefahr der Wohnungsnot besteht, muss sie auch unterbringen«, antwortete Heine. Klar, ein interkommunaler Austausch sei immer möglich, aber eher selten. »Können wir als Gemeinde in Sachen Prävention noch mehr unternehmen?«, fragte Barbara Dürr (FWV). Mehr als das Angebot der AWO in Eningen bereitzustellen, sei nicht möglich, sagte Heine. »Die Fälle sind so persönlich und komplex, da hilft meist nur die individuelle Beratung.« (GEA)