ENINGEN. Rund 300 Millionen Ratten leben in Deutschland, schätzen Schädlingsbekämpfer. Auf einen Einwohner kommen demnach etwa drei Ratten. »Und die Population der Nagetiere nimmt bundesweit zu«, sagte Jens Herold, Leiter des Eninger Bauhofs, Anfang des Jahres, so auch in Eningen. Aus diesem Grund hatte der Betriebsausschuss der Gemeinde im Februar entschieden, neue Köderboxen anzuschaffen, um so die Population einzudämmen. Die Boxen wurden direkt Anfang des Jahres installiert. Thomas Gabler, stellvertretender Ortsbaumeister, erklärt, wie sie funktionieren.
Insgesamt hängen 20 Köderboxen in der Kanalisation der Achalmgemeinde. »Am 1. Januar 2026 treten in Deutschland verschärfte Vorschriften zur Rattenbekämpfung in Kraft, denen wir jetzt schon folgen«, erklärt Gabler. Die Gemeindeverwaltung sei bestens vorbereitet. Bis vor einem Jahr wurden die Tiere noch mit giftigen Rodentiziden-Ködern bekämpft, die in die Kanalisationsschächte eingehängt wurden. Dieses Vorgehen hatte jedoch einige Nachteile.
Gift gelangte ins Abwasser
Das größte Problem war, dass die Köder ab und an mit dem Wasser in Berührung gekommen sind. Vor allem bei Starkregenereignissen sei dies geschehen und das Gift konnte so ins Abwasser gelangen. »Das passiert uns mit den neuen Köderboxen jetzt nicht mehr«, betont Gabler. Zum einen, weil die Köder geschützt in den Boxen liegen, die, wenn der Wasserspiegel steigt, auf der Wasseroberfläche schwimmen.

»Außerdem ist nicht in allen Köderboxen Gift«, ergänzt Gabler. Zunächst werden in den Boxen Lockköder eingelegt. »Die Boxen sind technologisch so ausgestattet, dass sie aufzeichnen kann, wie viele Ratten ihr einen Besuch abgestattet haben.« Schießt diese Zahl in die Höhe, gibt das Köderboxen-System ein Signal. »Wir tauschen dann den Lockköder gegen richtiges Gift aus.«
42 Rattenbesuche in 14 Tagen
Grün werden im Online-Nachverfolgungssystem solche Boxen dargestellt, bei denen bisher wenige Ratten angezeigt wurden, orange erscheinen solche, die zwar schon einige Besuche aufweisen, jedoch noch nicht so viele, als dass die Box im System als rot eingestuft wird. Wie beispielsweise jene im Schießwasen: Dort wurden innerhalb von zwei Wochen 42 Rattenbesuche verzeichnet. »Das ist schon ziemlich viel, wir wissen aber natürlich nicht, ob das immer das gleiche Tier ist«, erklärt Gabler. Klar sei jedoch bei solchen Zahlen, dass reagiert werden sollte.
Insgesamt konnte die Gemeindeverwaltung dank dieses neuen Systems im vergangenen Jahr vermutlich mehr als 90 Prozent Gift einsparen. »Das ist nicht nur für die Umwelt gut, sondern auch für unseren Geldbeutel«, sagt Bürgermeister Eric Sindek. Das neue Vorgehen hat einen weiteren Vorteil: Alles kann oberirdisch erledigt werden. »Jetzt müssen die Bauhofmitarbeiter nicht mehr in die Schächte kriechen und kontrollieren, ob der Köder angenagt ist oder ihn austauschen«, erklärt der stellvertretende Ortsbaumeister. Das sei arbeitstechnisch nicht nur viel ungefährlicher, sondern spare auch einiges an Zeit und Ressourcen.
1.607 Rattenbesuche seit Installation
Jetzt müssen die Mitarbeiter nur noch mit einem Tablet nah genug an den Kanalisationsschacht, die Köderbox verbindet sich automatisch mit dem Gerät. Viele Daten werden außerdem vom Schreibtisch im Büro aus abgerufen. Seit der Installation hat das System insgesamt 1.607 Rattenbesuche an den verschiedenen Boxen registriert.
Es sind vor allem achtlos weggeworfener Müll, Essensreste, die nicht richtig entsorgt und beispielsweise die Toilette hinuntergespült werden, oder falsch gelagerter Müll, die die Lebensbedingungen der Ratten verbessern und so deren Ausbreitung begünstigen. So niedlich die Nagetiere auf manche Menschen auch wirken mögen, sie sind nicht ungefährlich: Ratten können Krankheiten auf Menschen übertragen. »Wir können sie leider nur mit Gift bekämpfen, weil die Population sonst nicht eingedämmt werden kann«, erklärt Gabler. Immerhin sei davon aber nur noch wenig im Einsatz. (GEA)

