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Wie die Pfullinger Onderhos wieder schön sauber wird

Schmirgeln, grundieren, streichen: Mitglieder des Schwäbischen Albvereins Pfullingen sowie eine Fachfirma bringen das Innere des Schönbergturms auf Vordermann.

Voller Körpereinsatz: Ulrich Rall und fünf weitere Mitglieder des Pfullinger Albvereins schmiergeln und streichen das Geländer v
Voller Körpereinsatz: Ulrich Rall und fünf weitere Mitglieder des Pfullinger Albvereins schmiergeln und streichen das Geländer vor der Aussichtsplattform. Foto: Dieter Reisner
Voller Körpereinsatz: Ulrich Rall und fünf weitere Mitglieder des Pfullinger Albvereins schmiergeln und streichen das Geländer vor der Aussichtsplattform.
Foto: Dieter Reisner

PFULLINGEN. »Wer will abwaschen?«, fragt Martin Hipp hoch oben auf dem Schönbergturm. Normalerweise suchen Männer bei dieser Frage fluchtartig das Weite. Die Mitglieder des Schwäbischen Albvereins (SAV) nicht. Ulrich Rall schnappt sich Spiritus und Lappen. Damit säubert der 77-Jährige das Geländer am Treppenaufgang zur Aussichtsplattform des Pfullinger Schönbergturms von Staub.

Den haben sechs Männer der Ortsgruppe Pfullingen vorher selber gemacht, indem sie die Stäbe - bislang grün lackiert – mit Schleifpapier, vollem Körpereinsatz und ganz viel Geduld, von der Farbe befreit haben - insgesamt 46 Eisenstäbe, sechs Handläufe, zwei davon von oben bis unten in dem 26 Meter hohen Turm. »A jenseits G’schäft. Des isch onser Strafarbeit«, scherzt Martin Hipp.

A jenseits G'schäft: Martin Hipp schleift das Geländer ab.
A jenseits G'schäft: Martin Hipp schleift das Geländer ab. Foto: Dieter Reisner
A jenseits G'schäft: Martin Hipp schleift das Geländer ab.
Foto: Dieter Reisner

Es ist wieder mal so weit. Der SAV Pfullingen saniert einmal mehr das Pfullinger Wahrzeichen, dessen Eigentümer er ist. Sechs rüstige Männer leisten ihren Arbeitsdienst, insgesamt zwölf haben sich dafür gemeldet, erzählt Ulrich Rall. Mit Martin Hipp, Georg Schäffer, Siegfried Drews, Lothar Beirow und Albrecht Fink verbringt er einige Stunden und Einsätze hoch oben über Pfullingen, um zu schmirgeln, grundieren, abkleben, vorstreichen, nochmal streichen, Holztüren abschleifen und lackieren. Die Arbeit im Turminneren ist notwendig.

Spuren von Vandalismus

Spuren von Vandalismus sind zu sehen. Der hält sich aber in Grenzen, sagt Rall. Ein Vierteljahrhundert hat seine Spuren hinterlassen. Die Innenwände sehen nicht mehr so frisch aus, Metallkanten einiger Tritte müssen ersetzt, Türen geschliffen werden. Die Hauptarbeit, das Streichen der Wände in beiden Aufgängen, übernimmt der Stuckateurfachbetrieb Ebinger, der vor zwei Jahren die Außenseite mit neuer Farbe aufgefrischt hat.

Erste Arbeiten wurden vom Stuckateur schon erledigt.
Erste Arbeiten wurden vom Stuckateur schon erledigt. Foto: Dieter Reisner
Erste Arbeiten wurden vom Stuckateur schon erledigt.
Foto: Dieter Reisner

Mitte Juni will der Fachmann damit loslegen. Mit Hochdruckreinigern säubern die Facharbeiter die Wände. Der Bauhof karrt dafür Wasser zum Aussichtsturm, da solches dort nicht vorhanden ist. Anfang Juli spritzt der Malermeister dann die Farbe auf. Für die Zeit dieser Arbeiten ist der Doppelturm komplett gesperrt. Bis Ende Juli sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein. Spätestens zum Albvereinsfest, das jedes Jahr Mitte August am Schönbergturm stattfindet, soll dann alles in neuem Glanz erstrahlen. An dem Termin ist auch die Öffentlichkeit eingeladen, sich davon zu überzeugen.

Einsatz dient der Vereinskasse

Martin Hipp und seine Freunde empfinden ihren Einsatz aber alles andere als Strafarbeit, wie im Scherz gesagt. Im Gegenteil. »Mit denne Kerle da, da macht des halt Spaß«, lobt Hipp charmant die Verbundenheit und Freundschaft untereinander. Ihr Einsatz schont auch der Vereinskasse. Dass der Auf- und Abgang nicht schon früher auf Vordermann gebracht worden sind, hat mit den Kosten zu tun.

Einige Türen warten auch noch auf eine Auffrischung.
Einige Türen warten auch noch auf eine Auffrischung. Foto: Dieter Reisner
Einige Türen warten auch noch auf eine Auffrischung.
Foto: Dieter Reisner

Trotz aller Eigenleistungen und auch den finanziellen Mitteln, die über das Jahr durch Bewirtungen bei Festen, Kuchenverkauf in der Baumann´schen Mühle und Zuschüssen generiert werden, kann die Sanierung nicht allein vom Albverein gestemmt werden. Derzeit fehlt noch ein erheblicher Teil der Kosten, die auf rund 35.000 Euro geschätzt werden. Der soll auch über Spenden hereinkommen.

Am Ende gibt's ein Vesper

»Beim Schönbergturm lassen wir natürlich nur eine professionelle Fachfirma ran, die aber ihren Preis hat«, legt Martin Hipp die Überlegungen der Ortsgruppe dar und fügt hinzu: »Es sollte auch nicht mehr zu lange dauern, da Beschädigungen und Vandalismus immer Trittbrettfahrer einladen und sich die Kosten dann rasch erhöhen könnten.« Das will niemand. Der Lohn für die Ehrenamtler wartet dann vor dem Turm mit der besonderen Konstruktion. Dort tischt Susanne Blackman ihren Vereinskollegen ein Vesper auf. Dann sitzen sie alle zusammen und scherzen. Zum Beispiel über die Strafarbeit des Abschleifens. (GEA)

Die  Sanierungs-Team des SAV Pfullingen (von links): Ulrich Rall, Martin Hipp, Georg Schäffer, Lothar Beirow, Siegfried Drews un
Die Sanierungs-Team des SAV Pfullingen (von links): Ulrich Rall, Martin Hipp, Georg Schäffer, Lothar Beirow, Siegfried Drews und Albrecht Fink. Foto: Dieter Reisner
Die Sanierungs-Team des SAV Pfullingen (von links): Ulrich Rall, Martin Hipp, Georg Schäffer, Lothar Beirow, Siegfried Drews und Albrecht Fink.
Foto: Dieter Reisner

Spenden für die Schönbergturm-Sanierung

Spenden für die Sanierung des Schönbergturms können ganz einfach über die Onlineplattform »WirWunder« eingereicht werden. Über die Suchfunktion mit der Nennung des Ortes lässt sich das Projekt problemlos ermitteln. (GEA) https://www.wirwunder.de/

Die beiden Holztüren werden auch aufgefrischt.
Die beiden Holztüren werden auch aufgefrischt. Foto: Dieter Reisner
Die beiden Holztüren werden auch aufgefrischt.
Foto: Dieter Reisner
Das darf auf keinen Fall fehlen: ein zünftiges Vesper. Bei der Kulisse schmeckt es noch mal doppelt gut.
Das darf auf keinen Fall fehlen: ein zünftiges Vesper. Bei der Kulisse schmeckt es noch mal doppelt gut. Foto: Dieter Reisner
Das darf auf keinen Fall fehlen: ein zünftiges Vesper. Bei der Kulisse schmeckt es noch mal doppelt gut.
Foto: Dieter Reisner