LICHTENSTEIN. Etwas abzugeben, ist nicht leicht. Deshalb war es keine Überraschung, dass die Stuhlreihen in der Lichtensteinhalle zu Beginn der Gemeinderatssitzung gut besetzt waren. Holzelfinger Bürger bildeten das Gros der rund 150 Bürger, die am Donnerstagabend die Diskussion über die Zukunft der Schulen in Lichtenstein gespannt verfolgten. Denn letztlich steht im Februar die Entscheidung an, ob die Grundschule in Holzelfingen eine Zukunft hat, oder ob sie in die Uhlandschule in Unterhausen integriert wird. 1.175 Menschen haben die Petition »Holzelfingen braucht eine Grundschule« unterzeichnet. Wobei knapp die Hälfte davon nicht in Lichtenstein wohnt. 446 Unterzeichner kommen aus Holzelfingen. Daniel Rieker übergab die Petition an Bürgermeister Peter Nußbaum.
Rieker dankte dafür, dass der Gemeinderat und die Bürger nochmal ausführlich die Gelegenheit bekamen, sich über die anstehenden Veränderungen in der Lichtensteiner Schullandschaft zu informieren, bevor im Februar der endgültige Beschluss fallen soll. Der Vater aus Holzelfingen machte deutlich, warum er und die Unterzeichner sich gegen eine Schließung der Grundschule im Teilort stark machen. Das Spektrum reicht vom kindgerechten Schulweg, der überschaubaren Lerngemeinschaft bis hin zur Schule als Lebensader des Ortsteils (wir berichteten).
Kosten deutlich gestiegen
Bürgermeister Nußbaum erklärte schon bei der Übergabe der Petition, dass es bei der anstehenden Entscheidung, trotz Verständnisses für die Sorgen der Holzelfinger, nicht darum gehen könne, einen Schulstandort der Gemeinde isoliert zu betrachten. Ziel müsse es sein, eine gute Grundschule für Lichtenstein zu schaffen. Dafür hat sich der Gemeinderat schon 2016 auf den Weg gemacht. Und dabei im Mai 2024 einen bis heute gültigen Beschluss gefasst: Nämlich sowohl die Karl-Bröger-Schule als auch die Holzelfinger Schule in eine dann vierzügige Uhlandschule in Unterhausen zu integrieren und diese für einen modernen Ganztagsbetrieb zu sanieren. Als die Kosten für die Maßnahmen aber deutlich von etwa 10 auf 14 bis 16 Millionen Euro stiegen, hatte der Gemeinderat die Planungen auf Eis gelegt und Einsparungen eingefordert. Zudem sollte untersucht werden, was es kosten würde die Uhlandschule zu sanieren, auf den Neubau einer Mensa zu verzichten und die Holzelfinger Schule im Bestand zu sanieren und zu erhalten.
Diese verschiedenen Varianten stellte Architektin Maren Dannien dem Gremium vor. Zuvor hatte Nicolas Kallabis von der nps Bauprojektmanagement GmbH ausführlich die lange Geschichte des Bauprojekts rekapituliert und damit auch zu dem »vielen Input« beigetragen, den Bürgermeister Peter Nußbaum für diesen Abend angekündigt hatte. Dann ging's um die konkreten Varianten und ihre Kosten. Die Erste geht von der Vierzügigkeit in Unterhausen aus. Dazu müsste dort der Neubau für das pädagogische Konzept umgebaut (rund 234.000 Euro), der 8-Klassenbau saniert (5,6 Millionen Euro) und der Pavillon für die Unterbringung der Bibliothek hergerichtet (217.000 Euro) werden. Außerdem müsste der 4-Klassenbau dem Neubau einer Mensa samt Verwaltungsräumen weichen. Je nachdem wie groß die Mensa würde, könnte das rund 5,6 beziehungsweise bei einer großen Mensa 6,6 Millionen Euro kosten. Die Gesamtkosten lägen damit bei 11,6 beziehungsweise 12,6 Millionen Euro. Abzüglich der Förderung müsste die Gemeinde 8,8 beziehungsweise 9,5 Millionen Euro dafür aufbringen.
Mensa im Pavillon zu klein
Dringend ab riet Maren Dannien dem Rat von der zweiten Variante. In dieser würde der 4-Klassenbau erhalten und dort die Verwaltung untergebracht werden (3,4 Millionen Euro). Die Mensa käme im Pavillon unter (2,8 Millionen Euro). Allerdings sei das Gebäude viel zu klein für einen vernünftigen Mensabetrieb. So müssten die Tische in zwei Stockwerken aufgestellt werden, die nur über eine schmale Treppe verbunden wären. »Stellen Sie sich vor, ein Kind müsste dort mit Suppe und mehr auf einem Tablett nach unten gehen und gleichzeitig kommen ihm andere entgegen«, nannte Dannien ein Beispiel. Günstiger wäre diese Variante im Vergleich zu den beiden ersten nicht wirklich, denn die Kosten für den Umbau des Neubaus und des A-Klassenbaus blieben ja gleich. 12,1 Millionen Euro würden für diese Variante fällig, abzüglich der Förderung also rund 9,1 Millionen. »Ich rate Ihnen davon aber ab.«
In der dritten und vierten Variante bliebe jeweils die Holzelfinger Schule erhalten. Für deren Sanierung rechnen die Büros mit Kosten von rund 4,5 Millionen Euro. Die beiden Varianten unterscheiden sich vor allem wieder darin, wo die Mensa Platz findet. Wird sie im Pavillon untergebracht, mit den von Dannien angesprochenen Mängeln, dann kostet die Variante drei rund 13,1 Millionen Euro und mit einem Neubau der Mensa rund 16 Millionen Euro. Abzüglich der Förderung verblieben für die Gemeinde rund 10 beziehungsweise 13,1 Millionen Euro. Abgezogen werden kann von diesen jeweils noch rund eine Million Euro, wie Bürgermeister Nußbaum am Freitag auf GEA-Nachfrage erklärte. Demnach rechnet er damit, dass die Sanierung der Holzelfinger Schule mit diesem Betrag gefördert werden könnte. Klar ist, dass in diesen Berechnungen die Kosten für Unterhalt und Betrieb der Schulen nicht enthalten sind.
Sondervermögen könnte helfen
Bürgermeister Nußbaum zeigte auf, wie die Gemeinde das Projekt bei Kosten von rund 10 Millionen Euro für die Gemeinde schultern könnte. Dabei könnten auch die rund sechs Millionen Euro eingesetzt werden, die Lichtenstein aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität bekommen hat. Die folgende Diskussion zeigte nicht auf, in welche Richtung sich der Gemeinderat bewegt. Allein die OGL bezog klar Position. »Wir brauchen eine Schule mit einem modernen Ganztageskonzept«, betonte Susanne Kromer. Es reiche nicht, die Schule zu renovieren. Wichtigster Punkt sei die Mensa als Begegnungsort für alle. Sie plädierte klar für die Vierzügigkeit in Unterhausen und die Aufgabe der Holzelfinger Schule. So sah es auch Britta Waschl (SPD): Ganztags wird nachgefragt, erklärte sie, und die Nachfrage steige Jahr für Jahr.
Nußbaum gab den Bürgern und Räten auch die Einschätzung des Staatlichen Schulamts Tübingen mit auf den Weg. Das hält unter den gegeben räumlichen, inhaltlichen und organisatorischen Aspekten ein Ganztagsschulangebot in Holzelfingen nicht für genehmigungsfähig und empfiehlt der Gemeinde aus fachlicher Sicht die Weiterentwicklung der Planungen mit einem vierzügigen Standort an der Uhlandschule.
Keine unterschiedlichen Ganztagskonzepte möglich
Klar wurde in der Diskussion, die Gemeinde darf nicht unterschiedliche Ganztagsangebote in Holzelfingen und Unterhausen machen. Möglich wäre es, so hatte es auch Rieker ins Spiel gebracht, die Betreuung kommunal zu organisieren. Das würde heißen, diese müsste in Unterhausen umgesetzt werden, mit der Folge, dass die Gemeinde dafür aber Gebühren verlangen müsste. Läuft die Betreuung über die Schule, ist sie kostenfrei. Sicher ist, die Gemeinde muss ein Angebot machen, denn von 2026 an haben die Eltern einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung von der ersten Klasse an.
In der rund dreistündigen Sitzung spielten die Kosten, der Umfang der Sanierungen, vermisste Pläne, die Stellungnahme des Schulamts und vieles mehr eine Rolle. Bürgermeister Nußbaum bat Bürger und Räte darum, bis zur Sitzung im Februar alle offenen Fragen an die Verwaltung zu adressieren. Diese könnten dann vor der Entscheidung beantwortet werden.
Statistik
Insgesamt gehen zur Zeit 364 Schülerin in Lichtenstein zur Schule, davon 212 auf die Uhlandschule. An der Uhlandschule nutzen das freiwillige Ganztagsangebot 25 Schüler bis 13 Uhr und 75 bis 16 Uhr mit Mittagessen (darunter sind vier aus Honau und ein Kind aus Holzelfingen). An der Brögerschule werden derzeit 73 Kinder unterrichtet (22 nutzen die Betreuung bis 13 Uhr). Die Holzelfinger Grundschule besuchen insgesamt 79 Kinder, 30 davon kommen aus Honau. Zwei Kinder gehen in die Betreuung bis 13 Uhr, 14 bleiben bis 14 Uhr und essen in der Schule zu Mittag, elf dieser Kinder kommen aus Holzelfingen. (us)

