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Und es tut sich doch etwas auf dem Grieshaber-Anwesen am Fuß der Achalm

Investor Wolfgang Scheidtweiler über den Sanierungsfortschritt beim HAP-Grieshaber-Anwesen

Die vereinigten Hüttenwerke werden saniert und zwar mit den Materialen, die HAP-Grieshaber beim Bau verwendet hat.  FOTOS: PIETH
Die vereinigten Hüttenwerke werden saniert und zwar mit den Materialen, die HAP-Grieshaber beim Bau verwendet hat. FOTOS: PIETH
Die vereinigten Hüttenwerke werden saniert und zwar mit den Materialen, die HAP-Grieshaber beim Bau verwendet hat. FOTOS: PIETH

ENINGEN. »Fakt ist: Nichts zerfällt!« Das ist die Botschaft von Wolfgang Scheidtweiler, der Ende April 2016 für die Achalm Besitzgesellschaft das Grieshaber-Anwesen am Fuß der Achalm erworben hatte. In den – landläufig »vereinigte Hüttenwerke« genannten – Holzbauten hatte der bedeutende Holzschneider und Maler HAP Grieshaber einst gewohnt und gewirkt. Als die Tochter sich vor einigen Jahren zum Verkauf des Anwesens entschieden hatte, wollte es niemand kaufen, sagt Scheidtweiler. Also griffen er und seine Partner zu.

Dass im HAP-Grieshaber-Weg 60 die Hecken wucherten, sich nach dem Kauf anscheinend nichts tat, sorgte immer wieder für kritische Stimmen. Auch in der kürzlich erschienenen Buchreihe »111 Orte …« in der Ausgabe »… in und um Reutlingen, die man gesehen haben muss.« Gelistet wird dort auch »Die ›Villa‹ Grieshaber« mit dem Vermerk: »Verfallen, aber nicht vergessen.«

»Das soll keine Nobel-Erinnerungsstätte werden«

Zudem poppte das Thema jüngst auch im Eninger Verwaltungs- und Finanzausschuss mal wieder auf, im Zusammenhang mit der Fertigstellung des HAP-Grieshaber-Rundwegs. Das Häuschen sei in einem bemitleidenswerten Zustand, hielt Dr. Barbara Dürr fest, die darum bat, auf die Eigentümer zuzugehen und das Interesse der Gemeinde mitzuteilen, dass dort endlich etwas passiert. Viele Eninger fragten, wann sich dort denn etwas tue.

Das will Wolfgang Scheidtweiler nicht so stehen lassen, der auf die Anmerkungen nun reagiert. Das Anwesen im Gewand »Merat«, auf Eninger Gemarkung, zu sichern, sei von Anfang an das zentrale Anliegen gewesen. Nicht zuletzt das Hagelunwetter 2013 habe erhebliche Schäden an den Hütten und Häuschen verursacht. Seit Längerem kümmere sich Hermann Pfeiffer als Mitglied des Freundeskreises HAP-Grieshaber und Wegbegleiter der Familie Grieshaber um das Anwesen. Er sorgt unter anderem dafür, den Grünwuchs zu zähmen.

Fast schon idyllisch.
Fast schon idyllisch. Foto: Frank Pieth
Fast schon idyllisch.
Foto: Frank Pieth

Zwar sei die Sanierung – neben den vielen anderen Aufgaben – nicht die mit der höchsten Priorität gewesen, sagt Scheidtweiler. Dennoch werde sukzessive daran gearbeitet. Im vergangenen Herbst seien alle Dächer saniert worden, und zwar mit den Materialien, mit denen sie ursprünglich gebaut worden waren – Ziegel, Eternitplatten, Blechabdeckungen und Dachpappe. Auch der Kamin sei erneuert, der Zaun gerichtet worden. Passanten würden nicht wahrnehmen, dass etwas passiere, weil das kaum sichtbar sei. »Das soll keine Nobel-Erinnerungsstätte werden«, auch kein Grieshaber-Museum. Es solle klar bleiben, wie der – durchaus ja chaotische – Künstler hier gelebt habe, der sein Zuhause an der Achalm selbst zusammengeschustert habe.

Vieles soll genauso erhalten bleiben, wie es ursprünglich war. Der Grabstein, den eine Tochter im Garten platziert hat, etwa oder der Lüfter, den Grieshaber mitten in ein Fenster eingebaut habe. Auch die Fliesen in der Toilette – die »gigantisch gut« seien – wie der Geschäftsmann schwärmt oder die Dekofolien, mit denen die Wand in der winzigen Küche beklebt wurde. Die verschiedenen Bauformen und unterschiedlichsten verwendeten Materialien – all das soll bleiben.

»Er ist im täglichen Kampf gegen Dornen und Unkraut«

Der Eindruck, es bewege sich nichts, werde daher wohl weiter bestehen, sagt Scheidtweiler. Nach den Sommerferien aber werde es dennoch weitergehen. Dann sollen die Fenster und Türen gerichtet, die Fassade renoviert werden. Danach könnten einige Räume eingerichtet werden. Das Ziel sei unter anderem, einige Grieshaber-Werke aufzuhängen – wenngleich aus Sicherheitsgründen keine Originale, vielleicht auch eine alte Presse des Künstlers aufzustellen. Vielleicht könne sich dabei auch der Grieshaber-Freundeskreis mit Ideen einbringen.

Scheidtweiler findet die Sanierung des Anwesens eine spannende Sache, er schätzt das Werk von HAP Grieshaber. Der Pforzheimer Hotelier ist auch Investor und späterer Betreiber des Hotels, das bei der Reutlinger Stadthalle gebaut werden soll. Auch dort sind Bilder und Holzschnitte des Künstlers als fester Bestandteil des Interieurs eingeplant.

Die Häuschen an der Achalm, so überlegt er, könnten als Kreativräume für das Hotel genutzt werden. Auch regelmäßige Tage der offenen Tür kann er sich vorstellen, schließlich solle das Anwesen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden – »dafür machen wir’s ja«.

Den Verfall der Hütten müsse keiner befürchten. »Es ist alles dicht, es kann nichts passieren«, versichert Scheidtweiler, der erst vor wenigen Tagen selbst auf dem Anwesen gewesen ist. Ob der Hagel von Mittwochabend die Hütten getroffen habe, müsse er allerdings noch in Erfahrung bringen.

Der Freundekreis HAP Grieshaber habe erklärt, sich besonders dem Anwesen widmen zu wolle. Unabhängig davon kümmere sich Hermann Pfeiffer rührend um den Garten. »Im täglichen Kampf gegen Dornen und Unkraut hält er das Grundstück frei.« Den Garten allerdings so anzulegen, wie ihn Tochter Riccarda Gregor-Grieshaber einst tat, bleibe eine Utopie. Nach und nach, so der Plan, sollen die einzelnen Hütten saniert werden. »Wir werden sehen, wenn wir fertig sind«, sagt Scheidtweiler – das könne dieses oder nächstes Jahr sein. (GEA)