PFULLINGEN. Ob eine Regionalstadtbahn (RSB) das richtige Konzept für die Mobilität der Zukunft in der Echazstadt ist, daran hat der UWV-Rat Martin Fink nach wie vor seine Zweifel. Zu viele Fragen sieht er noch unbeantwortet. Und eben deshalb stimmte er jetzt der ergebnisoffenen Prüfung der beiden zur Diskussion stehenden Trassenvarianten zu. Er will Antworten. Solch grundsätzlichen Zweifel hat Pfullingens Bürgermeister Stefan Wörner nicht, er begreift die Regionalstadtbahn als Chance für die Stadt, die Mobilitätswende mitzugestalten. Für Wörner, der ein gewisses Faible für die Trasse durch die Innenstadt hat, ist es wichtig jetzt die beiden Trassenvarianten genau zu überprüfen. Dafür nimmt die Stadt, das beschloss der Gemeinderat einstimmig, 100.000 Euro in die Hand. Das ist ihr Eigenanteil an der Vorplanung. Bis zu weiteren 75.000 Euro kann die Stadt für ergänzende verkehrsplanerische Untersuchungen ausgeben.
Die Vorplanung wird den Verlauf der beiden Trassen – entweder durch die Innenstadt oder über die alte Bahntrasse – auf den Dezimeter genau festlegen. Das machte Professor Dr. Tobias Bernecker zum Auftakt der Beratungen in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend deutlich. Sind die Vorplanungen weitgehend abgeschlossen, und damit rechnet Bernecker für Ende 2024, dann ist klar, wie die Gleise in der Straße liegen, wo die Haltestellen gebaut, wie die Bogenradien und die Kreuzungen aussehen werden. Geklärt sein werden nach Abschluss der Vorplanung die Signalisierung und die Geschwindigkeiten, also das Miteinander von Regionalstadtbahn, Individualverkehr und Fußgängern. Ebenso welche Stützbauwerke notwendig sind.
Sowohl Bernecker als auch Wörner hatten gleich zu Beginn auf die umfangreiche Bürgerbeteiligung – etwa bei den Trassenspaziergängen – hingewiesen und betont, die daraus resultierenden Ideen und Anregungen werde man sich im Zuge der Vorplanung anschauen. Wörner hatte auch deutlich gemacht, dass der Gemeinderat »heute nicht die finale Entscheidung« treffe. Es ging am Dienstag darum, die Grundlagen dafür zu schaffen.
Es geht eng zu
Wo die Knackpunkte bei den beiden Trassen liegen, machte Bernecker in einem Schnelldurchlauf den Räten und einigen Bürgern deutlich. Das beginnt mit der Anbindung des Pfullinger Streckenabschnitts am Südbahnhof. Denn die hängt letztlich davon ab, für welche Trasse sich die Reutlinger entscheiden. Bernecker ist aber zuversichtlich, dass dort eine Lösung gefunden wird. Weit schwieriger ist es etwa, im Verlauf der alten Bahntrasse das Miteinander von zweigleisigem Ausbau und Radweg zu realisieren. Eng wird’s auch am »Alten Bahnhof« bei einer zweigleisigen Strecke und einer barrierefreien Erschließung der Haltestellen. Eine finale Antwort, wie der Verlauf der Strecke parallel zu Eisenbahnstraße aussehe, gebe es auch noch nicht.
Knackpunkte gibt es bei der Innenstadtstrecke ebenfalls. Vor allem im Bereich Marktstraße/Lindenplatz ist offen, wie dort Stadtbahn und Autos unter einen Hut zu bringen sind, noch schwieriger wird es an der Kreuzung der Großen Heerstraße mit der Schulstraße, wenn auch noch zahlreiche Fußgänger mitmischen. Bei beiden Varianten sind fünf Haltestellen in Pfullingen geplant. In der Klosterstraße rechnet Bernecker mit einem Mittelbahnsteig, um ein sicheres Einsteigen für die zahlreichen Schüler dort zu ermöglichen. Ohne die Klärung dieser und noch weiterer Fragen könne man die Trassenentscheidung nicht treffen, betonte Bernecker, und will Antworten liefern. Beziehungsweise das Planungsbüro, das am Ende der europaweiten Ausschreibung im ersten Quartal 2024 den Zuschlag bekommen soll.
Dr. Antje Schöler freute sich für die GAL-Fraktion über den Startschuss für die Vorplanungen in Pfullingen. Sie ist sich sicher, dass die gesamte Region und die Bürger der Echazstadt davon profitieren. Die RSB ermögliche umweltfreundliche Mobilität für Arbeits-, Alltags- und Freizeitwege. Sie begrüßte die Vorplanung, die anhand von Sachargumenten die jeweiligen Vor- und Nachteile der beiden Trassen ermittle. Sie machte aber auch keinen Hehl daraus, dass die GAL-Fraktion auf die Innenstadttrasse setzt. Sie biete mehr Chancen und Vorteile für Pfullingen. Martin Fink wies daraufhin, dass Pfullingen im Zusammenhang mit der Stadtbahn auch den innerörtlichen ÖPNV neu denken müsse. Denn die RSB funktioniere nur dann, wenn deren Haltestellen von Zubringern angefahren würden.
»Die alte Bahntrasse führt nicht durch den Außenbereich«, erklärte Walter Fromm (SPD), sondern verlaufe quasi auch durch die Innenstadt. Er machte sich gleich für diese Trasse stark. Fahre die RSB auf der Innenstadttrasse, befürchtet er ein städtebauliches Fiasko: »Dann ist die Innenstadt nicht mehr da.« Gert Klaiber (CDU) wollte die allgemeine Euphorie etwas dämpfen und verwies auf den Nutzen-Kosten-Faktor, der nur knapp im grünen Bereich liege. Jetzt gelte es, die Vorplanungen abzuwarten, um zu sehen, wie es an den neuralgischen Punkten weitergehe. »Der Beschluss ist richtig und gut.«
Lärmbelastung im Blick
Auch wenn es im Beschluss heißt, »die Stadt befürwortet grundsätzlich die Realisierungsabsichten zur Regionalstadtbahn als Teil eines insgesamt zukunftsorientierten Mobilitätskonzepts«, bedeutet das für Britta Wayand (FWV) »nicht, dass ich pro Regionalstadtbahn bin«. Sie will ebenfalls Antworten auf offene Fragen. Karen Scheck (SPD) hatte noch eine ganz praktische Anregung, nämlich die Lärmbelastung nicht nur in den bisher weniger belasteten Bereichen zu ermitteln, sondern überall. Das sagte Wörner zu, mit dem Hinweis, dass er davon ausgehe, dass dies sowieso der Fall sei.
Zuletzt brach der Bürgermeister noch einmal eine Lanze für die RSB. Sie bringe eine bessere Einbindung in den ÖPNV, den auch Pfullinger Unternehmer forderten, sie könne auch städtebauliche Vorteile bringen und stärke nicht zuletzt den Schulstandort Pfullingen. Und vielleicht trinke der eine oder andere auswärtige Gast in Pfullingens Neuer Mitte ein Getränk mehr und käme dennoch sicher an, führte er mit einem Lächeln mögliche Vorteile für die Innenstadt an. (GEA)


