Logo
Aktuell Vernissage

Textile Werke von Romana Meissner bis März im Bürgertreff Pfullingen ausgestellt

Werke im Zusammenspiel von Garn und Druck von Romana Meissner sind unter dem Titel »Zwischen.Welten.« bis März im Bürgertreff Pfullingen zu sehen.

Künstlerin Ramona Meissner (rechts) im Gespräch mit Besuchern
Künstlerin Romana Meissner (rechts) im Gespräch mit Besuchern Foto: Gabriele Bimek
Künstlerin Romana Meissner (rechts) im Gespräch mit Besuchern
Foto: Gabriele Bimek

PFULLINGEN. Zwischen.Welten oder Zwischenwelten? Ist damit 'dazwischen' gemeint oder deutet es eher auf etwas Nebulöses, Unklares hin? In der Vernissage gab Romana Meissner Aufschluss über den Titel ihrer Ausstellung. Einmal mehr steht der Bürgertreff im Zeichen einer Präsentation von Werken mit außergewöhnlichen Materialien, unter anderem Garne und Wolle.

»Mich faszinieren Texturen, Strukturen und Oberflächen aller Art, ihre Risse, Brüche und Verwerfungen«, gibt die Künstlerin preis. Zu verstehen sei dies im wörtlichen wie auch übertragenen Sinn für all das, was sich hinter dem auf den ersten Blick oft »Glatten« verberge. »Das kann mich umgebende Materialien, aber auch individuelle und gesellschaftliche Prozesse betreffen. Und damit setze ich mich in meiner künstlerischen Arbeit auseinander.« Dieses 'dazwischen' treibe sie schon eine ganze Weile um, basiere auf ihren Beobachtungen und Erfahrungen und auf ihrer Biografie.

Geboren und aufgewachsen in der ehemaligen Tschechoslowakei, sei ihre Familie nach Deutschland emigriert. Sie habe dieses »zwischen zwei Welten lebend« erfahren als nicht mehr dort verwurzelt, aber auch nicht hier. »Vieles ist mir bis heute fremd geblieben in diesem Land und Heimweh ist ein steter Begleiter. Das Heim ist fort, das Weh, das bleibt.«

Werke als Ausdruck und Zeitzeugen

Wie zwischen zwei Welten stehend komme sie sich vor, in einem Land, in dem sich seit Corona vieles in einer Geschwindigkeit verändere, die sie schwindlig mache. Vermeintlich Ewiges sei umgewertet, gehe einher mit Orientierungslosigkeit, Verlust von Verlässlichkeit, Verwirrung und Unsicherheit der Menschen um sie herum. Dieses Chaos lasse sie nach Wegen suchen, spiegle sich in ihren Werken wider. Sie seien Ausdruck und Zeitzeugen dessen, was sie bewege. Wie in »Des Kaisers neue Kleider« aus der Serie »In Zeiten wie diesen«. »Auf einem verwaschenen-farbigen Hintergrund tummeln sich seltsame Wesen, oft wie in freiem Fall nach Halt suchend, durch Stickerei mit unterschiedlichen, auch rohen Garnen auf dem Maltuch festgehalten«, beschreibt sie.

Manche Werke begleiten Texte, in denen sie ihre Wahrnehmungen in Worte fasst. »Das kommt daher, weil ich auch gern schreibe«, erklärt sie den Besuchern. Sei es die klassische Szene eines böhmischen Dorfs mit Teich, Rosengarten und dem Haus der Großmutter, das - inzwischen aufgehübscht - Herz und ihre Seele vermissen lässt. Mit Garn auf Jute, getrockneten Rosenblüten und Gips sieht sie das ehemalige Anwesen.

Oder "Das kalte Herz, mit Garn umwickelt, dessen Geschichte sie beeindruckt habe. Wilhelm Hauff hat 1827 das Märchen über Geldgier, Geiz und Grausamkeit geschrieben, der Berner Filmemacher Raff Fluri hat es vor neun Jahren verfilmt. Der Film und die Ausstellung dazu im Hauffmuseum in Honau hätten sie sehr begeistert und zu ihrer Interpretation in Textil angeregt. "Diese Kiste aus dem 19. Jahrhundert bewegt die Menschen. Es ist ein Thema, das viele beschäftigt", betont die Künstlerin. Eine Aufführung gebe es dazu im "Theater in der Tonne" in Reutlingen, selbst ein Comic sei entstanden.

Musikalisch begleiteten Sandra Linsenmayer und Luis Arellano die Ausstellungseröffnung. Zu sehen sind die Werke im Bürgertreff bis März 2026 zu den Bürozeiten des Bürgertreffs montags, mittwochs und freitags von 8.30 Uhr bis 11.30 Uhr. (GEA)